8. Dezember

Doris Niestroys vielschichtiges Objekt hat mich geradezu auf das Thema “Vielschichtigkeit” gestoßen…

Mit vielen Schichten ist die Filzerin ja vetraut. Beim Filzen beeinflussen die Anzahl der gelegten Schichten die Dicke des Arbeitsstücks. Schichten getrennt zu halten ist eine ganz andere Herausforderung. Aber das soll eigentlich gar keine Filzabhandlung werden.

Wir selbst sind aus so vielen Schichten gebaut, zusammengesetzt. Biologisch und psychisch gibt es verschiedenste Schichten, aber auch biografisch. Jedes Buch, jeder Film, jedes Schauspiel hat mehrere Schichten und manchmal gelingt es uns hinter die äußere Schicht zu blicken. Verblüfft sind wir dann, wenn etwas von außen wundreschön scheint und von innen eher brüchig oder gar hohl ist. Und bei manch einem ist es genau umgekehrt. Manchmal hat man den Eindruck, dass es uns heute nur auf die Fassade, die Oberfläche ankommt und dann wettern wir gegen diese vermeintliche Oberflächlichkeit.

Die Wahrheit hat auch hier mehr Schichten als uns auf den ersten Blick gewahr wird. Zunächst ist Oberflächlichkeit auf keinen Fall eine Erfindung unserer Zeit. Außerdem kann das “nicht tiefer gehen zu wollen” auch ein Schutz sein. Wenn ich die Tiefen nicht sehe, dann bleibt mein Ideal erhalten und das ist an manchen Tagen so wichtig.

Doch auch das gehört zur Wahrheit der vielen Schichten. Wer kreativ sein will sollte von Innen kommen und nach innen schauen wollen. Auch das Graue, das Erschreckende oder Brutale kann nie ganz aus dem Leben und seinen Schichten verbannt werden. Als Inspiration für Buntes, Befruchtendes oder Sanftes ein wertfreier Blick so notwendig. Wegsehen hat noch nie geholfen.

Ich wünsche euch einen Baumkuchen mit vielen Schichten, ein vielschichtiges Gedicht und einen Menschen, dessen Schichten euch immer wieder überraschen!

7. Dezember

“Das hebräische Wort “Ruach” bezeichnet ursprünglich eine Luftbewegung. Das kann Wind sein, aber auch Atem oder Lebenskraft. In jüngeren Schriften wurde es dann immer mehr für Begriffe wie “Geist” eingesetzt. Es kann auch einen bestimmten Geisteszustand anzeigen.

So sehr wir an diesem Punkt in unseren Bewegungen eingeschränkt sind, folgen die Samen des Löwenzahns unbesorgt ihrem Weg. Lasst es uns gemeinsam schaffen, damit wir unseren Weg ohne Sorgen wieder gehen können.” (Annemie Koenen)

Inspiriert durch das Wort “Ruach”hat Annemie Koenen dieses Kunstwerk erarbeitet und uns diesen Text dazu geschickt!

6. Dezember


Rotraud Reinhard hatte auf einem Spaziergang offensichtlich großes Fotoglück. Da ist ihr doch tatsächlich der Tomte Tummetott mit seinem Fuchs vor die Linse gehüpft – und das am Nikolaustag. Astrid Lindgrens Wintermärchen hat schon unzählige Kinderherzen berührt und viele kreative Menschen angeregt sich ein eigenes Bild dieser mitfühlenden Figur zu schaffen. In seinem Heimatland hat jede Familie ihren eigenen Tomte – ihre eigenen wohlmeinenden Wichtelmann. Wenn man nett zu ihm ist, bewacht er Haus und Hof. Vielleicht macht er das auch, wenn die Familie nicht nett zu ihm ist – aber mit weniger Sorgfalt.

Mir ging so durch den Kopf, dass es auch ein Tomte gewesen sein muss, der Nils Holgersson „Benehmen“ beigebracht hat und auch in dieser Geschichte ein Fuchs eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Unser Gehirn sucht ja eigentlich immer nach Ähnlichem oder Vertrautem, so finden wir uns schneller in der Welt zurecht. Deshalb konnte ich mich gar nicht wehren, da schlüpfte schon der „Kleine Prinz“ mit seinem Fuchs vor mein geistiges Auge.

All diese Verknüpfungen legen die Grundlage für weitere Gedanken und oft auch für kreatives Handeln. Astrid Lindgren hat ein altes Gedicht inspiriert zu „ihrem“ Tomte. Wir wachen nicht auf und haben ganz aus dem Nichts eine Idee. Wir tragen tausend Keime in uns, die im besten Falle ans Licht wollen und manchmal haben wir genau das richtige Material zur Hand, um der Idee auf den Weg zu helfen. Dank Rotraud ist mein Material neben der Sprache die Wolle geworden! Wie war das bei euch, wie habt ihr euer Material gefunden?

5. Dezember

Claudia Hecker hat uns diesen Alien zugespielt, wo immer er auch her kommt, er kann nur von einem fröhlichen Planeten stammen. Ob er wohl sprechen kann? Man hat ja den Eindruck, dass diese Antenne auf seinem Kopf zur Übertragung von Gedanken dient und der Mund zum Lächeln. Ich bin mir ja nicht sicher, ob Gedankenkommunikation wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, doch das Getöse, dass wir Menschlein manchmal mit unserer Sprache anstellen, kann schön sein – muss aber nicht.

Ein Kinderlied singen, Gedichte aufsagen, sich dem Anderen zuwenden und etwas erzählen ist sicherlich ein Geschenk, das man mit seiner Stimme machen kann. Jemanden mit Worten so zu überschwemmen, dass er mit dem Denken nicht mehr hinterher kommen kann, lügen oder gar schreien und beleidigen gehört wohl weniger zu den Vorzügen unserer Sprechfähigkeit. Was mich schon immer faszieniert hat ist die Tatsache, dass sich in jeder Sprache dieser Welt zarteste Worte finden lassen und keine Sprache ohne Schimpfworte auskommt.

Ich wüsste gerne, wie sich die lächelnden Gedanken unseres kleinen Aliens anfühlen würden. Heute bin ich versuchsweise mal ganz leise… vielleicht adventlich leise!

Nur noch wenige Tage, dann …

starten wir unseren Adventskalender 2020! Freut Euch mit uns gemeinsam auf wunderbare Filzarbeiten, engagierte Filzerinnen und ein paar Zeilen zum Entspannen. Mit einer Arbeit von Susanne Weber – Aurora – senden wir wunderbare Wochenendgrüße.