noch 2 Tage

“Ein steiniger Weg” von Stefanie Hofmann

Karfreitag gehört zu den höchsten Feiertagen im Kirchenjahr. Man kann ihn verdrängen, wie seinen Anlass, den Tod, man kann ihn feierlich und nach innen gewandt begehen oder man kann sich künstlerisch damit auseinandersetzen. Stefanie Hofmann hat sich in einer umfangreichen Arbeit mit dem „Kreuzweg“ befasst und ihre Gedanken dazu in Wort und Filz festgehalten. Einen Auszug aus den Vorbereitungen, Impulsen und Überlegungen zu ihrer Arbeit möchte ich euch in Absprache mit Stefanie heute mitgeben auf dem Weg durch den Tag. Wer mehr über die Werke und Gedanken erfahren möchte setzt sich bitte mit Stefanie direkt in Verbindung. Ihre Führung durch den Kreuzweg ist lesens- und sehenswert!  

Auszug aus: Ein gefilzter Kreuzweg
von Stefanie Hofmann
Mancher, der in der Ausstellung meine gefilzten
Kreuzwegstationen gesehen hat, mag sich vielleicht fragen,
wie man sich ausgerechnet mit diesem Thema auseinander
setzen, sich damit filzend beschäftigen kann.
Für mich hat die Auseinandersetzung mit dem Kreuzweg zwei
Dimensionen – zum einen die religiöse, zum anderen aber
auch eine kunsthistorische. Und ganz klar kann ich die beiden
nicht trennen. Wie komme ich denn nun aber auf den
Kreuzweg?
Zum einen gibt es in unserer Familie so eine Art Tradition
immer wieder Kreuzwege (also die, die sich oft vom
Dorf/Ort/Stadt zu einer Kapelle hochziehen) zu begehen,
gerne auch tatsächlich am Karfreitag, der ja der “richtige” Tag für so etwas ist.

Wichtig für uns – vor allem auch mit den Kindern – war immer:
das Leiden Jesu gehört zur zentralen Botschaft des
Christentums: erst durch das Leiden und Sterben kann Jesus
auferstehen und so für uns auf dem Weg des Heils
vorangehen. Ob das theologisch korrekt formuliert ist, kann
ich nicht beurteilen, aber so habe ich es verstanden. Dabei ist
das “auf den Berg steigen” durchaus hilfreich: einer der von
uns häufiger begangenen Kreuzwege liegt zwischen
Gansingen und Hottwil, man muss da zuerst mal ein ganzes
Stück den Berg hoch laufen um an den Startpunkt zu
kommen, den eine kleine Mariengrotte bildet. Danach geht es
steil den Berg hinauf, begleitet von eher kargen
Kreuzwegstationen aus Stein. Oben angekommen, so
ungefähr bei Station 13, tritt man aus dem Wald auf eine im
Idealfall besonnte Wiese, auf der eine kleine Kapelle mit der
14. Station steht. Hier gibt es dann auf der
Karfreitagswanderung ein schönes Picknick. Gerade als die
Kinder noch kleiner waren, denke ich, wurde so die
Ostergeschichte ein wenig erfahrbarer gemacht.

Wer weiter lesen und vor allem schauen möchte ist herzlich eingeladen Stefanie eine Mail zu senden. Stefanies Mail-Adresse findet ihr hier

noch 6 Tage

Als Beitrag zur geplanten Ausstellung “Ver-Kleidung” hat sich Sabine Köhlert diesen Knoten ausgedacht und gekonnt in Filz umgesetzt.

Mich inspiriert er zu der Frage, wie man so manchen Knoten wieder entwirrt bekommt, ohne – wie Alexander der Große beim gordischen Knoten – mit dem Schwert zuschlagen zu müssen. Wir lernen schon recht früh einen Knoten zu machen und einige Zeit später kommt noch eine Schleife dazu. Wer das richtig beherrscht, kann sich anerkennender Worte sicher sein. Vor dem Klettverschluss war es wirklich sinnvoll, möglichst früh diese Fähigkeiten zu erwerben, wollte man seine Schuhe nicht verlieren. Will man Segeln lernen oder einen Bootsführerschein erwerben, lernt man eine Vielzahl von Seemannsknoten. Für die Prüfung übt man noch, lacht miteinander und lernt sogar kleine Geschichten auswendig, damit man die komplizierten Knüpfabläufe gut erinnert. Kaum hat man die Prüfung hinter sich, besorgt man sich im Handel fertig “konfektionierte” Taue und Leinen mit Gummipuffern. Dann hat man es hinter sich, muss keine Knoten mehr zu knüpfen, kann einfach Zeit sparen und Mühen vermeiden – vielleicht. 

Wenn wir den Kindern erst Klettverschluss-Schuhe kaufen, damit sie Zeit haben in ihrem eigenen Tempo Schleifen binden zu lernen, dann hat das gute Gründe. Das wir uns aber einreden lassen, es gäbe für alles eine leichtere, zeitsparendere Lösung hat dazu geführt, dass wir ganze Maschinenparks in unseren vier Wänden beherbergen. Nein, ich will nicht zurück in den Haushalt meiner Großmutter, in der mein Großvater die Küchenmaschine war, weil er mehr Kraft hatte als meine Oma. Ich will auch nicht zurück in die Zeiten des Waschkessels. Aber eine Zitrone oder Apfelsine auszupressen braucht eher keine elektrische Unterstützung. Ab und zu darf man sich fragen, ob es nicht auch ein einfacher Schrubber mit Wischtuch tut, bevor ich mir einen Saugwischer mit Akku und dazu einen Wischsauger mit Kabelanschluss anschaffe, der sinnvollerweise von einem Saugroboter unterstützt wird. Ich möchte auch nicht mehr von Berlin nach Ulm in der Kutsche fahren, reiten oder gar zu Fuß gehen. Doch von hier zum Bäcker kann ich ohne Probleme laufen oder mit dem Fahrrad fahren. Ab und zu kann es wirklich hilfreich sein, erst einmal zu wissen, wie etwas mit der Hand, mit Körperkraft und mit Handwerk im wahrsten Sinne zu bewältigen ist. Sich helfen zu lassen, Unterstützung anzunehmen ist in vielen Lebenslagen gut und sogar hilfreich. Dennoch ist es einfach ein wunderbares Gefühl, wenn ich um die Abläufe weis und so manchen Vorgang ganz ohne Technik bewältigen kann. Einen komplizierten Knoten so zu knüpfen, dass er stabil und sicher das Boot am Steg hält und sich doch mit einem Handgriff lösen lässt – das ist eben eine Kunst für sich. Ich hoffe, dass wir für all die künstlichen und technischen Verknotungen unserer Tage immer den Handgriff kennen, der sie wieder auflösst – Schwerter sind so aus der Mode und brauchen auch wieder Platz.

Bleibt gesund!

 

noch 9 Tage

Von Wölfen und Schafen von Claudia Hecker

Schafe und Wölfe – Wolfsschafe oder Schafswölfe. Im Märchen frisst der Wolf Kreide um seine Beute, die Zicklein, zu täuschen. Na ja, und wie im Märchen so üblich, hilft es ihm wenig. Er ist zu gierig und kann aus seiner Täuschung am Ende keinen Profit ziehen. Wer das Märchen kennt, der weiß wie der Wolf endet.

Ob man immer so erfolglos ist, wenn man mal “Kreide frisst”? Manchmal scheint es angebracht zu sein, seiner Stimme einen lieblicheren Klang zu verleihen, sich gar zu verstellen. Es gibt Situationen, in denen man Nerven, Stimme und Kraft schont, wenn man nicht mit gleicher Münze zurück zahlt oder gleich aus der berühmten Haut fährt. Pampige, unfreundliche Menschen gibt es schon genug, das Spiel muss ich nicht mitspielen. Ich kann auf mich achten, manches vor der Tür lassen, nicht an mich herankommen lassen, nicht zu allem meinen Senf geben. Man kann sich den Preis überlegen, den man zahlen würde, wenn man auf die Kreide verzichtet, wenn mit “gleicher Münze” zurück zahlt. Doch jetzt mal ehrlich, es gibt auch Augenblicke im Leben, da ist ein hartes, ein klares Wort wichtiger als die gute Stimmung. Dann legt man den Schafsmantel mal ab und darf sich “Luft” verschaffen, sich den Balast von der Seele reden. Und das tut man besser, bevor der andere denkt, er könne einen zum Frühstück verspeisen. Ihr merkt schon, ich bin heute irgendwie in “sprichwörtlicher” Laune, weil es mir so leichter fällt, ruhig zu bleiben. Ich bin mal gespannt, wie lange unsere Kreidevorräte noch ausreichen in diesen Tagen.

Die beiden ausdrucksstarken Skulpturen gehören übrigens auch zu den Arbeiten, die in unserer Ausstellung gezeigt werden sollen und jetzt vermutlich noch länger auf ihren Auftritt warten müssen. Wieder ein Stück Kreide weniger!

Bleibt gesund!

noch 11 Tage

Frühling – eine Projektarbeit von Carola Heuser

Noch 11 Tage! Eine kurze Distanz bis zum Osterfest…

Helle, lichte Farben – gerahmt und in gebührender Distanz zueinander, so dass jede einzelne ungestört ihre Wirkung entfalten kann. Ich denke in den letzten Tagen oft über das Wort Distanz nach.

Abstand, Messgröße, Zeitraum oder gar seelische Zustandsbeschreibung? Es gibt Distanzscheiben, damit etwas passgenau zusammengesetzt werden kann. Mit Distanz zu spielen kann ein künstlerisches Stilmittel sein, als Autofahrer sollte man immer Distanz halten zum Vordermann sonst könnte der Bremsweg nicht ausreichen. Brücken überwinden Distanzen. Bei Gesprächen vis a vis empfinden wir eine Armlänge Abstand angenehmer als Distanzlosigkeit. Einem Menschen “auf die Pelle zu rücken” schafft in der Regel innere Distanz und man versucht auszuweichen. Distanzlosigkeit, körperliche wie verbale, weckt Abwehrgefühle bis hin zur Aggression. Jeder von uns hat seine eigene Distanzlinie und die Erlaubnis diese zu überschreiten zu dürfen ist ein großer Vertrauensbeweis. Distanz und ihr Gegenteil, die Nähe, sind irgendwie allgegenwärtig. Nähe kann beruhigen oder verwirren, Fragen aufwerfen…

Na gut! Nun wird Distanz gerade zum Zauberwort, zur Aufforderung und zum Rettungsanker in ungewissen Zeiten. Mir geht das Bild eines Seiltänzers nicht aus dem Kopf. Vor vielen Jahren haben wir mal an einer Veranstaltung teilgenommen, in deren Verlauf wir auf einem sehr schmalen Brett balancieren sollten. Zunächst lag das Brett auf dem Boden und die Distanz zu überwinden war ganz einfach. Niemand verlor das Gleichgewicht oder hatte Angst von einem Ende zum anderen zu schreiten. Merkwürdigerweise wurde die Unsicherheit geradezu sichtbar größer je höher das Brett gelegt wurde. Vielleicht ist es wirklich eine Frage unserer Vorstellungen, wie hoch wir das Risiko einschätzen, Distanzen zu überwinden. Wenn die vorgegebene Höhe uns zu groß erscheint, trauen wir uns die Wegstrecke nicht mehr zu.

Gerade jetzt, wo räumliche Distanz so wichtig zu sein scheint, wünschte ich mir mehr Fantasie in der Überwindung von von seelischer und psychischer Distanz.

Distanz ist ein gutes Stilmittel und in vielen Bereichen wirklich wichtig, aber von Mensch zu Mensch ist sie ungeheuer anstrengend. Vielleicht brauchen wir alle eine Balancierstange oder ein rosa Schirmchen, um die Distanzen zu überwinden und zu überstehen. Und wenn ihr jemanden habt, der nicht Distanz halten muss, dann nehmt ihn mal stellvertretend für die vielen, die gerade auf dem Seil Halt suchen, in den Arm!

Schlaft gut!

23. Dezember

Ein Islandtroll, wer hätte das gedacht, von Margit Röhm erdacht.

Ein Troll am Tag vor Heilig Abend? Muss das denn sein, so ein wilder, unberechenbarer Kerl. Das fehlt jetzt gerade noch, dass sich so ein Troll ins Haus schleicht und Chaos verbreitet. Vielleicht versteckt er die Geschenke, weil er denkt, es wär Ostern und wir haben dann nix unterm Baum. Vielleicht futtert er den Kühlschrank leer über Nacht oder schreibt Tante Käthe eine SMS, dass sie ausgeladen ist. Vielleicht macht er sich vor dem Haus eine Eisbahn und jemand hat dann morgen ein dickes Knie oder er vertauscht die Gewürze und der Kartoffelsalat schmeckt dann nach Vanille statt nach Pfeffer…

Einer meiner Lieblingsmenschen hat sich eine Kehlkopfentzündung eingefangen. Dafür kann der Troll übrigens gar nichts. Nun musste der Lieblingsmensch zur Ärztin, wir sollen ihn nicht singen lassen, kaum das Sprechen erlauben und ihn mit Medizin füttern. Also, ab zur Apotheke. Soll ich euch was verraten? Ich will lieber zwei solche Trolle im Haus haben, als noch einmal in das Last-Minute-Getümmel einzutauchen. Chaos verbreiten, das können wir so gut selbst, da brauchen wir keine Trolle, zumal ich bezweifle, dass Trolle so schlecht sind wie ihr Ruf.

Vor allem Islandtrolle, die ihre genetische Heimat in der Wolle haben, haben geniale Eigenschaften. Ihre Ursprünge bedeuten nämlich, dass sie die Luft reinigen, den Geruch von Stress und Ärger aus der Atmosphäre waschen, die Herzen erwärmen, sich nicht so einfach die Finger verbrennen, vieles wie Wasser an sich abperlen lassen und sich nicht aufladen lassen. Die Kerle sind biegsam bis anschmiegsam ohne die eigene Form zu verlieren und können gut zuhören. Letzteres liegt wohl eher an Island, dem Land der Stille und weniger an der Wolle.

Was ihr auch immer heute noch vor habt, erfüllt die Luft lieber mit Tannenduft als mit dem Geruch der Hektik. Wärmt euch gegenseitig, damit niemand kalt in die Weihnachtstage gehen muss. Lasst liegen, was sich nach heißem Eisen anfühlt, im neuen Jahr ist dafür noch Zeit genug. Geht lachend in den Regen, denn Tropfen im Haar bedeuten bestimmt Glück – warum auch nicht. Verliert euch nicht im fremden Trubel, jemanden anlächeln ist befreiend auch wenn der andere gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Und sucht euch ein Weihnachtslied zum Zuhören und Mitsingen. Und der da so brummt neben euch, das ist der Troll, der ist schon in Weihnachtsstillestimmung…