Januar 2018 – Heidschnucke – Moorschnucke

Geschichte:
Die Schnucken gehören, wie die Skudden und andere Rassen zu den nordischen Kurzschwanzschafen, und somit zu den ältesten Schafrassen in Mitteleuropa. In Deutschland trat die Heidschnucke erstmals in der Lüneburger Heide in Erscheinung und prägt das Bild der Heidelandschaft. Durch die Schafe wird die Verbuschung der Heidegebiete verhindert. Und durch ihre Wanderung durch die blühende Heide im Spätsommer zerreißt sie Spinnenwegen zwischen den Blütenständen und ermöglicht so Bienen und anderen Insekten, den wertvollen Nektar zu sammeln.

 Es gibt inzwischen drei verschiedene Schnuckentypen, die aber als eigenständige Rassen geführt werden:

  • Die Graue Gehörnte Heidschnucke
  • Die Weiße Gehörnte Heidschnucke
  • Die Weiße Hornlose Heidschnucke = Moorschnucke
Graue gehörnte Heidschnucke – Foto Monika Gierer

Damals wurden alle Schnuckentypen als eine Rasse betrachtet. Die graue gehörnte Heidschnucke war der übliche Typ und somit auch der älteste. Erst ab der Mitte des 19ten Jahrhunderts kamen weiße Tiere immer häufiger vor, bis man schließlich zu Beginn des 20ten Jahrhunderts die beiden Farbschläge als eigene Rassen betrachtete. Erst knapp 20 Jahre danach wird die weiße hornlose Heidschnucke in einem Zuchtverein als weitere Rasse anerkannt. Die Zahl der grauen gehörnten Heidschnucken ist derzeit so stabil, dass sie nicht zu den vom Aussterben bedrohten Rassen zählt. Viele kleine Züchter trugen auch hier dazu bei, dass diese Rasse nicht mehr vom Aussterben bedroht ist. Die jüngeren Rassen der weißen gehörnten sowie der weißen hornlosen Heidschnucke zählen zu den vom Aussterben bedrohten Schafrassen.

 Der Name der Heidschnucken kommt von dem Wort „schnucken“, welches mit naschen gleichzusetzen ist.

 Rassebeschreibung:
Die Heidschnucken sind sehr widerstandsfähige und eher anspruchslose Schafe, welche am häufig in großen Herden zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Auch diese Rasse fühlt sich am liebsten in einer größeren Gruppe wohl. Da sie saisonal brunftig werden kommen die Lämmer im Frühjahr.

Die grauen gehörnten Heidschnucken haben eine Schulterhöhe von ungefähr 60-70cm und können zwischen 50kg(Auen)- 85kg(Altböcke) Kilo Gewicht erreichen. Die Auen haben sichelförmige nach hinten gebogene und die Böcke schneckenartige Hörner. Die Lämmer kommen mit schwarzer gelockter Wolle auf die Welt, welche sich im Laufe des ersten Lebensjahrs verfärbt und erst nach der ersten Schur nehmen sie die Rassetypische Graue Vliesfarbe an.

Graue gehörnte Heidschnucke – Foto Monika Gierer

Die weißen gehörnten Heidschnucken haben als größten Unterschied zur GGH(Graue gehörnte Heidschnucke) ein weißes Wollvlies . Bei Ihr sind ebenfalls beide Geschlechter gehörnt und sie sind etwas kleiner und auch etwas leichter als die GGH.

Die weißen hornlosen Heidschnucken / Moorschnucken werden gerne aufgrund ihrer besonderen Widerstandsfähigkeit gegenüber Nässe und ihren festen Klauen auf Moorlandschaften eingesetzt. Sie ist die kleinste der drei Schnuckenarten und im Gegensatz zu den anderen sind beide Geschlechter hornlos. Diese Moorschnucken sind seit Jahrhunderten im Raum Diepholz heimisch.

Die Böcke können ein Gewicht von 60-70kg und die Auen ein Gewicht von ca. 40-50kg erreichen.

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Die Wolle 

Heidschnucken haben als Landschafe eine typische Mischwolle. Die Wolle dieser Rassen zählen zu den groben Wollsorten und ist leider auf dem Weltmarkt nichts wert, weswegen sie von den Züchtern und Haltern oft direkt entsorgt wird.

Die Unterwolle ist oft sehr weich und zwischen 20-25mic fein, Die Grannen dagegen sind sehr starr und können bis zu 40mic dick sein. Im Durchschnitt wird bei den meisten Quellen eine Wollfeinheit bei ca. 38mic angegeben. Diae Moorschnucken haben meist feinere Wolle.

Der Wollertrag liegt meist bei: 

Grau Gehörnte Heidschnucke: Mutterschaf – 1,5-2,5kg, Böcke – 3-4kg
Weiß gehörnte Heidschnucke: Mutterschaf –   1,5 – 2kg, Böcke – 3-3,5kg
Weiße hornlose Heidschnucke: ca. 2-3kg

Text Yasmin Groß

 

Wollverarbeitung

Heidschnuckenwolle steht gemeinhin im Verdacht zu nichts zu gebrauchen zu sein. Trotzdem oder genau deshalb wollen wir sie uns mal genauer anschauen. Sie hat nämlich so manche Überraschung zu bieten.

Wolle von GGH – WGH – Moorschnucke

Es ist kein Kunststücke, die Wolle der grauen gehörnten Heidschnucke und die der weißen gehörnten Heidschnucke zu unterscheiden, der Unterschied liegt lediglich in der Farbe. Anders hingegen bei der weißen hornlosen Heidschnucke, die Moorschnucke, ihre Wolle ist nicht nur deutlich weicher, sie ist vor allem sehr viel lockiger als bei ihren gehörnten Verwandten. Bei der weiteren Verarbeitung wird dies noch eine wichtige Roll spielen.

Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass sich alle Schnuckenwolle durch sehr lange Grannenhaare auszeichnet. Die Verdickung der Wollsträhnen in Richtung der Schnittkante zeige aber auch eine gehörige Portion Unterwolle an.

Unterwolle GGH
Grannenhaare GGH

 

 

 

 

 

 

 

In der Detailaufnahme wird  deutlich, dass wir es hier mit zwei Haartypen mit sehr unterschiedlicher Strukturen zu tun haben. Die Grannenhaare dominieren das Bild und zeigen sich in typischer Heidschnuckenoptik – Dick, lang und glatt. Der einzige Reiz dieser Haare scheint in ihrem wunderbaren Farbenspiel zu liegen. Die Unterwolle ist dagegen sehr viel kürzer und dünner, mit einer feinen Kräuselung.

Das Geheimnis der Heidschnuckenwolle liegt nun darin, dass sich diese beiden Haartypen vergleichsweise leicht trennen lassen.

Wolle Trennen:

Der Vorgang ist leicht erklärt, bedarf aber etwas Übung, um es problemlos zu bewerkstelligen.

Von einer handlichen Portion Rohwolle wird die eine Seite mit den Grannenhaaren sehr fest gehalten, während mit der zweiten Hand die Unterwolle herausgezogen wird. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis nur noch die Grannen übrig sind.

Je kleiner die bearbeiteten Strähnen sind, umso einfacher und sauberer läßt sich die Unterwolle herausziehen.

Natürlich gilt die gleiche Vorgehensweise auch für die Weiße Heidschnucke sowie für die Moorschnucke. Bei letzterer ist aber die Unterwolle deutlich langfasriger, und üppiger, was den Trennvorgang ungünstig beeinflusst.

Getrennte Wolle von Moorschnucke, Weiße gehörnte Heidschnucke und Grauer gehörnter Heidschnucke,

Filzeigenschaften

Nach dieser Prozedur liegen uns nun für jede Schafrasse zwei Wolltypen vor. Dabei stellt sich natürlich trotzdem noch die Fragen, wie sich die ungetrennte Wolle beim Filzen verhält. In der Tat hatte ich das bislang für vollkommen abwegig gehalten und nie versucht. Aber Versuch macht ja bekanntlich klug, deshalb werde ich ungeachtet aller Vorurteile versuchen einen Filz aus der Heidschnuckenwolle herzustellen.

Wer Heidschnuckenwolle kennt, wird sich nicht sonderlich über das Ergebnis wundern. Es ist vollkommen unmöglich, aus der ungetrennten Heidschnuckenwolle einen einigermaßen vernünftigen Filz herzustellen. Es entsteht zwar tatsächlich so etwas wie Filz zwischen den langen Haaren, diese stören den Vorgang aber derart, dass keine feste Verbindung entsteht. Schon nach dem Auswaschen lassen sich die einzelnen Haare wieder problemlos aus der Fläche lösen und herausziehen.

fertiger Filzversuch – GGH

Aber es ist ja teilweise Filz entstanden, das kann nur mit der Unterwolle zusammenhängen. Es lohnt sich also, den Versuch mit der Unterwolle zu wiederholen.

 

 

Ausgelegte GGH-Unterwolle

Da der Versuch mit Rohwolle durchgeführt wird, fällt beim Auslegen der Unterwolle die enorme Menge an Wollfett auf, die Fasern kleben teilweise buchstäblich zusammen. Sie lassen sich trotzdem zu einer gleichmäßigen Fläche auslegen. Es fallen aber nach wie vor Grannenhaare ins Auge und natürlich sind in der Unterwolle auch noch kurze Spickelhaare versteckt.

Es bedarf etwas Geduld, bis sich die Wollen entscheidet zu verfilzen, aber nach intensiver Bearbeitung entsteht tatsächlich ein einigermaßen fester Filz. Unter Umständen wäre dieser noch besser, wenn die Unterwolle noch etwas sauberer von den Störfasern befreit worden wäre. 

fertiger Filz aus GGH-Unterwolle

Moorschnucken-Unterwolle verhält sich hier leider nicht so kooperativ. Sie ist durch die längeren Fasern nicht nur schwerer auszulegen, ihre Haare verfilzen auch sehr viel schwerer und ergeben am Ende keinen so festen Filz.

 

 

 

Fell filzen

Was  viel von uns schon aus Heidschnucken oder Moorschnuckenwolle hergestellt haben sind Filzfelle. Hier entpuppt sich die gut filzenden und üppige Unterwolle der Heidschnucke als wahrer Segen, weswegen sie sich gut als „Anfänger“ Wolle für Filzfelle eignet.

Eine Deckschicht Bergschafwolle aufzulegen ist trotzdem ratsam, da der Untergrund so sehr viel fester wird und das Filzfell schneller verfilzt.

Da bei der Heidschnuckenwolle die Deckhaare gar nicht filzen, besteht nicht die Gefahr, dass das Fell verknotet oder gar die Haare einfilzen. Es kann somit sehr schnell und robust bearbeitet werden. Anschließendes kräftiges Schütteln reicht vollkommen aus, um die Haare wieder voneinander zu trennen und glatt zu werden.

Leider haben Heidschnuckenfellen den entscheidenden Nachteil, dass die Grannenhaare nur sehr schlecht oder gar nicht im Filz halten. Schon durch festes Schütteln oder leichtes Ziehen, lösen sich die ersten Haare und fallen aus. Das wiederholt sich zwar nicht mit allen Haaren, es ist aber extrem lästig und vor allem im Verkauf ein echtes Problem.

 

 

 

 

Ganz anders stellt sich hier die Moorschnucke dar. Moorschnuckenfelle lassen sich ebenso einfach herstellen, überzeugen aber durch eine wesentlich vollere Qualität, was an den längeren Unterwollhaaren liegt. Ihr wesentlicher Vorteil liegt aber darin, dass die langen, lockigen Haare sehr viel besser im Filz halten.

Objekte aus WGH – GGH und Moorschnucke Objekte Margit Röhm – Foto Margit Röhm

Fazit:
Heidschnuckenwolle ist etwas für Liebhaber und ist eine perfekte Lernwolle. Sie läßt sich als Rohwolle perfekt zu Fellen verarbeiten und bietet dabei eine wunderschöne Optik. Die einzelnen Haartypen sind wunderbar zu erkennen und zu trennen. Persönlich bin ich der Meinung, dass sich Heidschnuckenobjekte leider nicht zum Verkauf eignen, da es dem Kunden kaum zuzumuten ist, dass das Objekt ewig haart. Die Moorschnucke bietet dazu eine echte Alternative, auch wenn die Farbe natürlich nicht mit dem wunderbaren Graumelange der Heidschnuckenwolle konkurrieren kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

30. Dezember

An dieser Stelle und an diesem besonderen Tag sei uns ein kleine Rückblick gestattet.

Das Filz-Netzwerk, dass nun schon seit mehr als 10 Jahren besteht und dem ich seit nunmehr 6 Jahren angehören darf, hats sich aus einer Ideenblüte zu einem bunten Strauß an Möglichkeiten entwickelt. Die leuchtenden Impulse kommen aus allen Teilen Deutschlands, zunehmend auch aus der Schweiz und Österreich. Einer solch lebendigen Gemeinschaft anzugehören, ist ganz großartig.

Wir hatten in diesem Jahr 2017 fast 33000 Besucher auf unserer Hompage! Es sind mehr als 1200 Abonnenten auf Facebook zu verzeichnen und das Netzwerk hat aktuell mehr als 290 Mitglieder!

Wir hatten eine wunderbare Filz-Begegnung im März in Hohebuch, zwei mal anregende und weiterbildende Filz-Kolleg-Veranstaltungen. Ganz besonders freuen wir uns über weit mehr als 10 Regionaltreffen! Es wurde ein Spende-Filz-Projekt ins Leben gerufen und wir haben viele Kinder-Filz-Kisten verliehen!

Wir sind ganz schön filzaktiv! Das alles geht nur, weil Menschen nicht nur am Handwerk sondern auch aneinander interessiert sind!

Ein ganz herzliches Dankeschön für ein wunderbares Filz-Netzwerk-Jahr an alle, die mitgeholfen, unterstützt, gelobt, genossen, gewalkt und gewuchtet, im Stillen mitgelesen und geschmunzelt, die konstruktiv kritisiert, die gespendet, gelehrt und begleitet haben – und an diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen zurück ziehen mussten!

Danke!

Barbara Steffen-Munsberg, Steffie Holzgräwe, Ulrike Wieland, Sabine Schöhl-Gallisch, Kathrin Bauerrichter, Susanne Breuling, Susanne Schächter-Heil

Für die Fotso bedanken wir uns bei Annemie Koenen, Elisabeth Grates, Kerstin Scherr und Helene Weinold

29. Dezember

Symbole und Zeichen sind vielleicht älter als die Sprache, so genau weiß ich das nicht. Mich fasziniert immer wieder aufs Neue, wie sich Filzerinnen dieser „Ursprache“ bedienen und uns damit wirklich anregende Kunststücke präsentieren. Eine Tasche, die Zuneigung feiert, ein Sonnenrad, das Heilung verspricht, ein Winter an der Donau und der Stern, der für so vieles im Leben stehen kann – sind nur einige Beispiele, wie bereichernd es für die eigene Arbeit sein kann, sich mit Symbolen und Zeichensprache zu beschäftigen. Kennt ihr das Buch von Adrian Frutiger mit dem Titel „Symbole“? Es ist im Hauptverlag erschienen und wirklich „sehenswert“. Vielleicht habt ihr ja Lust, es euch mal anzuschauen und stimulieren zu lassen – denn das neue Filzerinnen-Jahr steht unmittelbar vor der Türe. Und dann ist da ja noch unsere Mitgliederausstellung in Marienmünster! Da kann es vielleicht auch Mut machen, sich zu beteiligen!

Auf, in ein inspiriertes neues Jahr!

Delia Grimm, Anne Jansen und Annemie Koenen haben uns die heutigen Fotos zur Verfügung gestellt.

28. Dezember

Da lese ich in unserer Tageszeitung heute morgen doch tatsächlich einen Artikel, in dem darüber sinniert wird, wie wichtig gemeinsame Feiertage für die Menschen sind. Es ging dem Autor um Pausen vom Alltag, um Entschleunigung und gemeinsame Zeit mit Gleichgesinnten, Freunden und der Familie. Na ja, und das uns langsam die Vorbilder für all das fehlen würden… Gar nicht wahr, dachte ich. Man muss nur mal raus gehen und Tiere beobachten. Die können das ganz wunderbar. Die brauchen beim Frühstück keine Zeitung, bei der Nahrungssuche kein Navigationsgerät oder gar eine Produktbewertung. Und zum Ausruhen muss kein Entspannungstee getrunken werden. Die sind einfach! Nicht immer, aber ab und zu, wären wir vielleicht alle gerne so bedingslos!

Unsere Bilder verdanken wir heute Monika BaldaufElisabeth GratesRotraud Reinhard, Heike Schneider,  Sandra Struck-Germann,

psst: und wenn man Filzerinnen bei der Arbeit zuschaut, dann kann man auch sehen, was es bedeutet, ganz im Hier und Jetzt zu sein 😉 – meistens jedenfalls!

27. Dezember

Der erste Feiertagsschwung liegt nun hinter uns und dennoch will noch nicht wirklich Alltag einkehren. So kurz vor dem Jahreswechsel geht alles dann doch etwas geruhsamer – oder etwa nicht?

Manch eine ruht sich von den anstrengenden Märkten aus. Manchmal müssen wir uns auch von der Weihnachtstagen ausruhen. Es gab so viel zu erzählen und nicht viel weniger zu essen und das eine oder andere auszupacken 🙂

Und damit ihr mal langsam wieder ans Filzen erinnert werdet und euch so gaaanz behutsam auf das neue Jahr einstellen könnt, zeigen wir euch noch ein paar Tage lang Arbeiten von Filzerinnen aus dem Netzwerk, die Filzlaune über den Adventskalender hinaus machen sollen.

Heute sehr ihr Arbeiten von Delia Grimm, Helge Stoffel und Doris Kunz!

24. Dezember

Als wir heute die 4. Kerze anzündeten, da wurde uns bewußt, dass ihr 24. Mal zu Gast ward in unserem filzigen Adventskalender, dass ihr 240 Minuten Pause gemacht habt mit uns. Und so hoffen wir sehr, dass euch die Pausen ebensoviel Entspannung gebracht haben beim Lesen wie uns beim Schreiben! Habt Dank für die Zeit, für die Unterstützung und das liebevolle Feedback! Es war uns allen eine Freude! Wir werden die Tage bis zum Jahreswechsel zu füllen wissen 🙂 doch für heute nur dies:

Wir wünsche Euch allen eine gesegnete, friedvolle und entspannte Weihnacht!

(Fotos von Ulrike Wieland und Susanne Breuling)

23. Dezember

Es ist schon so. Engel gehören zu Weihnachten einfach dazu. Vom Verkündigungsengel bis zu den Engelein in den Weihnachtsliedern haben sie Anteil an der festlichen Stimmung rund um das Fest. Seit jeher regen sie die Phantasie von bildenden Künstlern, Schriftstellern und Musiker an. Unendlich viele Darstellungen und Interpretationen findet man von den geflügelten Wesen. Und so kann es nicht verwundern, dass sich auch Filzerinnen diesen Himmelsboten, mit ihren jeweils ganz eigenen Ausdrucksformen, zuwenden.

Beate Bossert, Beate MayerRotraud Reinhard, Heike Spiekermann und Sandra Struck-Germann lasssen uns erahnen wie ungeheuer vielfältig die Vorstellungen von diesen, normalerweise unsichtbaren, Wesen sind. Da ist aber noch etwas! Die Ausdrucksformen, die Präsentation, die Arbeitstechniken und Begleitmaterialien sind so verschieden – und doch erkennen wir auf den ersten Blick, es sind Engel. Ob sie schlicht, extrem reduziert in der Form , niedlich, zauberhaft, alleine oder im Chor auftauchen, wir erkennen sie.

Ich finde das erstaunlich. Doch vielleicht ist es ja so, dass die Gestalterinnen und die Betrachter eine gemeinsame Ahnung haben, ein immer schon vorhandenes inneres Bild, das sie uns erkennen lässt. Und so werden wir sie auch erkennen, wenn sie uns begegnen in jedweder Form – auch wenn sie manchmal keine Flügel haben und vielleicht tätowiert sind…

Genau so ist es mit Weihnachten. Wir erkennen es, wo und wie auch immer. Für jeden von uns ist dieses Fest ein klein wenig anders. Die Rezepte, die unser inneres Kind glücklich machen, unterscheiden sich von Haus zu Haus. Die Art, wie wir uns die Zeit vertreiben, bis das „Christkind kommt“ hat in jeder Familie eine andere Form, die gesungenen Lieder eine andere Tradition, der Lichterglanz und der Baum eine andere Lieblingsgestalt.  Und doch wissen wir sofort – es ist Weihnacht! Weil jeder von uns eine Ahnung in sich trägt, davon was Weihnachten ist!

Die Engel haben sich schon vor langer Zeit unabhängig gemacht von der Zeit rund um den 24. Dezember und begleiten uns durch das Jahr – als Schutzengel, als Tröster oder auch als Friedenssymbole. Vielleicht kann auch die lichtvolle Stimmung und der Kern dieser Tage, reduziert auf seine ursprüngliche Form, von der wir alle eine Ahnung haben, ins neue Jahr getragen werden. Vielleicht beflügelt uns  genau diese Inspiration, die auf dem sicheren Boden einer gemeinsamen Ahnung wächst. Immer neue gestalterische Freiräume entwickeln sich in uns – aber vor allem auch in Gemeinschaft.

Und morgend dann zünden wir die 4. Kerze an und feieren den Heiligen Abend… also, noch einmal Schlafen 😉

 

22. Dezember

Eine Kugel – ein Licht – weiße Wolle – Winterlichtimpressionen von Petra Nasdal.

Im Gespräch mit einer lieben Freundin aus dem Filz-Netzwerk haben wir uns heute früh gegenseitig bestätigt, wie wunderbar gemütlich Licht wirkt, wenn Filz mit im Spiele ist. Es wirkt weicher und sanfter, es begleitet mehr als es „erleuchtet“ und schafft so ab der ganz zeitig einsetzenden Dämmerung, eine ganz heimelige Lichterstimmung! Und bei solchen heimeligen Lichtern kann man sich ganz hervorragend in Weihanchtsstimmung bringen. Einen leckeren Tee, etwas Stoff oder Papier und dann Päckchen packen und sich ausmalen, wie das Geschenk wohl ankommt. Was fühlen die Beschenkten, wenn sie das Präsent in die Hand nehmen? Welche Ideen gehen ihnen durch den Kopf – was könnte da wohl drinnen sein, mag ich das wohl, hat er/sie mir zugehört…

Und wie groß wird die Freude sein. Hab ich mich richtig entschieden? Bin ich nahe am Wunsch oder knapp daneben? Drückt es genug von meiner Liebe oder meiner Freundschaft aus?

Es geht nicht um Wert, um Geld oder Prestige – es geht um Nähe, Aufmerksamkeit, Zuhören wollen und ein gute Gedächtnis 😉 Geschenke sind Komplimente für ein Stück gemeinsam gegangenen Weg, für gemeinsam erlebte und geteilte Zeit. Vielleicht sind sie auch ein Faustpfand für Zukünftiges, ein Versprechen und eine Hoffnung. Sie dürfen weich und sanft sein- nicht fordernd, berechnend oder gar grell.  Wir wünschen euch Geschenke zum Ein – und Auspacken, die euch mit Wärme, Zuneigung und Wertschätzung umgeben.

Psst: Nur noch zwei mal aufwachen…

Ach ja, und wer noch kein Geschenk hat, der kann sich ja vielleicht einen Filzkurs im Rahmen des Filz-Kolleg 2018 in Soltau wünschen.  Petra Nasdale z.B. filzt dort mit Euch „Kugeliges und Lichtes mit verschiedensten Oberflächen“ vom 26. bis 28. Juli 2018.

 

 

21. Dezember

Angelika Bonas, Beate Mayer und Charlotte Bösch sind die Urheberinnen der Filzarbeiten und dementsprechend auch der Collage-Fotos!

Für alle diejenigen, die Kindern das Warten aufs Christkind verkürzen wollen, haben wir ein Fingerspiel passend zu den Zwergen und zu Weihnachten gefunden. Leider ist nicht herauszufinden, wer es einmal geschrieben hat. Wenn ihr was wisst, dann sagt Bescheid…

Die Weihnachtszwerge

Seht da kommen aus dem Berge
viele kleine Weihnachtszwerge.
und sie laufen, tripp,
tripp, trapp,
eilig nun den Berg hinab.
gucken durch die Fensterlein,
zu den Kindern groß und klein.
horchen an der Türe still,
was das Kind sich wünschen will.
grad ruft Anna freudig aus:
„ich wünsche mir ein Puppenhaus“
und die zwerglein freun sich nun,
denn da gibt es viel zu tun.
Und sie hobeln zisch, zisch, zisch
für das Häuschen einen Tisch.
rühren Leim im Topf herum,
hämmern fleißig bum, bum, bum.
Stühlchen sind schon fertig jetzt,
Püppchen werden draufgesetzt.
sind der Püppchen ihrer fünf,
zwerglein stricken für sie Strümpf.
nähen bunte Kleider schnell,
singen dazu froh und hell.
Horch mal, horch. Wer kommt da an?
ist das nicht der Weihnachtsmann?
Er rollt einen Zettel auf,
da stehen lauter Wünsche drauf.
Ich will mal in den Wald reingehn
und nach den Tannebäumchen sehn.
tripp, tripp, tripp, trapp
der Weihnachtsmann geht wieder ab.
die Zwerglein laufen hier und dort-
und sind auf einmal wieder fort.

Und dann wollt ich noch erzählen, da bei uns gerade leider keine Weihnachtszwerge vorbei kommen, dass ich heute mal wieder unterwegs war, ein letztes Mal vor Weihnachten einkaufen. Das hatte ich mir fest vorgenommen. Nur nicht mehr raus um Lebensmittel oder gar Geschenke zu besorgen – auf keinen Fall. Und dann trifft man doch tatsächlich Menschen, die man jahrelang nicht gesehen hat oder eine nette Nachbarin, die auch noch dringend ein paar Eier braucht… Trotz der ganzen, vorausgeahnten Hektik, gab es ein paar sehr nette Begegnungen. Wunderbares, Erstaunliches oder einfach Alltägliches gab es zu hören, freudige Gesichter und gespanntes Lauschen. Auch wenn man anderen im Weg stand, es war himmlisch. Vielleicht geh ich dann doch morgen noch mal los. Es könnte doch sein, dass wir ja dringend noch mehr Sahne oder doch noch frische Kresse brauchen?  Und wenn ich dann wieder  auf lang vermisste Menschen treffe, da könnte ich ihnen ja erzählen, dass ich eigentlich alles schon längst hätte erledigt haben wollen, aber irgendwie doch noch eine Kleinigkeit vergessen habe. Nur damit niemand denkt, ich sei auf der Suche nach vertrauten Begegnungen. Oder ich sage einfach wie es ist, ich hab gehofft, dich hier zu sehen… Mir kam nämlich der Gedanke, dass an Weihnachten irgendwie alle wieder etwas enger zusammen rutschen. Man kommt heim! Und kann sich deshalb wieder über den Weg laufen, einfach auf dem Markt oder vor dem Bäckerladen. Auch wenn offensichtlich Frau Holle Weihnachtsurlaub machen will und weiße Weihnacht ausfällt, so wird es eben ein Weihnachten der Begegnungen! Wie wunderbar!

Psst! Nur noch 3 mal schlafen!