17. Dezember

Allgäuer Nikolausstiefel

Aus Liebe zu ihrer Wahlheimat, dem Allgäu und seinem Braunvieh entwarf und gestaltete Angelika Geißler diese zwei Nikolausstiefel.

In Bayern kommt der Heilige Nikolaus am Abend des 05. oder 06. Dezember zusammen mit dem Krampus in die Häuser der Familien, wobei er aus seinem goldenen Buch die guten wie auch weniger guten Taten der Kinder vorliest und diese dann mit Nüssen, Mandarinen, Äpfeln und Süßigkeiten belohnt. Der heilige Nikolaus überreicht hierbei einen gefüllten Nikolausstiefel oder füllt den, am Vorabend leer vor die Türe gestellten Stiefel. Der Krampus, sein dämonischer, furchteinflößender Begleiter hingegen, rasselt mit der Kette, um die bösen Kinder zu erschrecken. So mancher wurde in der Vergangenheit in den Sack gesteckt und mitgenommen.

Noch ungezähmt vom heiligen Nikolaus jagen die Krampusse am Abend des 05. Dezember durch die Dörfer. Im südlichen Allgäu entstand daraus das sogenannte Klausentreiben, bei dem sich junge Männer mit Holzmasken, Fellen und fellbedeckten Helmen mit Hörnern verkleiden. Schellen und Glocken ergänzen die Verkleidung und verstärken den furchteinflößenden Eindruck durch ihren Lärm. Der kalte und dunkle Winter war für die Menschen beherrscht von Geistern, Dämonen und Hexen. Das Läuten, Kettenrasseln, lautes Rufen sowie das Schlagen von Passanten und Gegenständen sollte diese fernhalten und verjagen. Im Alpenraum wurde dieses Klausentreiben im 20. Jahrhundert wieder neu belebt und findet in großen Umzügen seine Umsetzung.

Seit zwei Jahren arbeitet Angelika Geißler in ihrer WollFühlFactory im eigenen Hof in Stetten, Unterallgäu. Ihre Filzarbeiten machen  geistliche Wahrheiten er-fass-bar, die ihr tief ins Herz fallen und über den Filz einen Weg ins Aussen finden.  Vom Herz in den Kopf und dann in die Hand – Wolle fühlen und wohlfühlen, wohlfühlen beim Wollefühlen. TeilnehmerInnen ihrer Kurse erleben sie als intuitive Workshopleiterin, die neben der Vermittlung des Filzhandwerks immer ein Herz für den Menschen selber hat.

Danke, liebe Angelika für die tolle Einführung in das original Brauchtum und die Beschreibung deiner Anliegen! Herzensgruß

16. Dezember

Heike Spiekermann gibt Urlaubserinnerungen einen ganz neuen Rahmen.

Der Filz kann so vieles. Er kann als Filzkorb Einkäufe tragen, Filz kann Dinge elegant umhüllen, sich auf Schreibtischen oder unseren Sitzmöbeln nützlich machen und sich sogar mit Füßen treten lassen – und wie man hier sieht, kann er uns ans Meer zurückbringen, unsere Urlaubsfunde bewahren und in die Winterstunden Sonnenstimmung bringen.

Filz kann ziemlich viele “Fremdmaterialien” festhalten, in dem er sie sanft einbettet in seine wachsende Festigkeit. Man weiß auch als Filzerin nie so genau, wer sich da wem anpasst. Eingefilzte Fasern lassen sich vom Filz mitziehen, eingefilzte Haselnüsse formen sich den Filz zurecht? Es wäre so eine Frage, wie die nach Henne und Ei. Sicher ist nur, dass der Filz mit Fremdem nicht wirklich fremdelt aber es sich passend macht. Da ist er so ein wenig wie unser Gehirn. Das macht sich die Dinge auch gerne passend und je länger sich etwas in unserem Kopf aufhält, um so mehr sieht es so aus, wie wir es gerne aussehen lassen wollen. Eigentlich ist das ein wunderbares Geschenk der Natur – und ihr dürft jetzt entscheiden, ob ich den Filz oder uinser Gehirn meine…

15. Dezember

Kerstin Scherr gestaltet Oberflächen auf ganz aufregende Art und Weise. Mich hat fasziniert, wie sauber diese Kreise voneinader abgegrenzt sind. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich fasziniert es immer sehr, wenn Konturen klar zu erkennen sind. Eine hauchdünne schwarze Linie, die ein Muster umschließt macht es so viel sichtbarer, prägnanter manchmal sogar plastischer. Kerstin spielt mit den Linien und “Umrandungen”.

Es drängt sich die Frage auf, wer hier wohl seine Kreise zieht und ob diese Grenzziehung eher künstlerischer Ausdruck, Schutz oder Abgrenzung bedeuten will. Zunächst sind Muster Muster. Zunächst ist ein Kreis ein Kreis und ein Trapez etwas mit 4 Seiten. Doch gerade beim Filzen wird mir das immer wieder bewußt, ohne Linie, ohne Kante kein Muster. Ob diese Abgrenzung unbedingt schwarz sein muss? Nein, muss sie nicht. Doch Abgrenzung gibt dem Auge Halt und hilft bei der Orientierung. Selbst in einem Farbenmeer sind die Übergänge sichtbar und automatisch sucht unser Gehirn die Grenze zwischen den Regenbogenfarben. Auch unsere Haut grenzt uns ab, Kleidung trennt uns von dem Außen. Grenzen sind scheinbar überall im Alltag. Ohne Abgrenzungen auf der Fahrbahn ist Verkehrsteilnehmerinnen nie so ganz wohl, Linien helfen eben “in der Spur” zu bleiben.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum wir glauben, Grenzen beschützen uns und sicherten unseren eigenen Raum. Ich für meinen Teil ziehe lieber Linien im Filz als Grenzzäune zu bauen.

14. Dezember

Ähnlich und doch nicht gleich, verwandt und doch ganz eigenständig – die beiden Böckchen von Meike Raßbach sehen auf den ersten Blick aus, als seien sie sich nicht grün. Doch das sieht bestimmt nur so aus. Sie stammen nämlich voneinander ab – oder sie sind aus dem gleichen Holz – nein Filz – geschnitzt…

Meike Raßbach hat sich eine uralte Technik zu eigen gemacht und spielt mit neuen Mustern. Das etwas Neues aus Altem entstehen kann, dass wir traditionelle Techniken, Rezepte und Materialien in unsere Zeit holen, vielleicht anpassen oder neu interpretieren, das ist ja wahrlich kein Geheimnis.

Vielleicht berühren mich die beiden Köpfchen deshalb so sehr, weil uns viel zu oft entgeht, dass wir nicht aus der Zeit gefallen sind. Wir stecken im Kontinuum, wir nehmen, ohne es zu registrieren, Worte unserer Großeltern in den Mund, kochen nach Rezepten wie unsere Mütter es taten und sogar unsere Gesten sind ein Erbe unserer Vorfahren. Natürlich ist all das in jedem von uns neu zusammengesetzt, wird unterschiedlich eingesetzt und mit der Zeit werden wir dann selbst zum Anker für die nächste Generation. Wissen, Kenntnisse und Haltungen fallen uns modernen Menschen also nicht in den Schoß, sie haben ihre Wurzeln immer in der Vergangenheit. Ab und zu etwas Bescheidenheit stünde uns deshalb nicht schlecht an.

13. Dezember

Erika Graf zeigt seit vielen Jahren, dass Filzkleidung nicht nur Hülle ist. Die Wolle kann in kundigen Händen fast alles werden – von der Märchenbraut bis zum Ballkleid ist so vieles möglich. Gerade weil der nassgefilzte Handfilz so unendliche Spielräume eröffnet, fiel mir ein Gespräch ein, dass ich vor Kurzem führen durfte. Mir jemand erzählt, dass man beim Filzen jeder Faser Zeit geben muss, sich zu verbinden mit den anderen Fasern. Es sei so ein wenig wie bei uns Menschen. Es gibt scheue und draufgängerische, zaghalte und ruppige Fasern. Doch egal wie, wenn sie sich einmal verbunden haben, dann kann man sie nicht mehr trennen.

Auch wir Menschen brauchen unterschiedlich lange um uns miteinander vertraut zu machen. Dem einen genügt ein gutes Wort, um sich anzuvertrauen, andere suchen lange nach positiven Anzeichen um den Mut für eine Annährung zu fassen. Beziehungen zu begründen ist niemals nur eines Menschen Ding. Wir brauchen das Gegenüber um Verbindung herstellen zu können. Nur so kann Untrennbares entstehen.