1. Dezember

Eigentlich ist es ja ein Tag wie jeder Andere. Ein Freitag, der uns auf das Wochenende einstimmt, der für viele der “letzte Arbeitstag der Woche” ist. Und doch ist der Tag heute ein klein Wenig besonders. Er eröffnet den letzten Monat des Jahres, bringt uns den Advent – eine Zeit im Jahr, die uns alle als die “besinnliche” bekannt ist. Vielleicht wird uns gerade heute klar, dass es nur noch 23. Tage bis zum Weihnachtsfest sind und schon kommt Betriebsamkeit auf, bei manchem sogar Hektik.

Nimm Dir einen Tee und 10 Minuten Zeit – deine ganz persönliche Zeit! Ab heute, jeden Tag 10 Minuten für Dich selbst. Egal ob beim Blick aus dem Fenster oder mit geschlossenen Augen. Dies ist ein Gutschein für “Deine 10 Minuten”! Vielleicht hilft Dir ja das gefilzte Bild von Annette Prüße ein wenig zu träumen, die Gedanken ziehen zu lassen, wie ein Schiff vor dem Wind! Mal nicht sofort ankommen müssen, sich treiben lassen … wir kommen darauf zurück.

Habt eine gute Adventszeit!

Filzige Aussichten

Ab Morgen wollen wir wieder mit unserem gefilzten Adventskalender einen Einblicke in die handwerklichen und künstlerischen Werkräume unserer Mitglieder gewähren. Es soll für jeden Tag etwas zum Anschauen dabei sein, zum Innehalten und Pause machen anregen und Euch ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern!

Doch zuvor möchten wir unbedingt noch auf zwei Termine aufmerksam machen, die uns im kommenden Jahr viel Filzglück bescheren werden:

Im März kommenden Jahres treffen wir uns vom 15. bis 18.03.18 zur 23. Filzbegegnung in Detmold/Lippe. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir uns wieder einmal persönlich begegnen könnten. Einfach nachfolgenden Flyer anklicken und die Einezelheiten studieren – es finden auch noch ein paar Kurse im Anschluss statt, die unabhängig gebucht werden können! Außerdem findet in diesen Tagen auch wieder eine freiwillige Qualitätssicherung statt!

Filzen-Flyer-WEB 2018 Anmeldung zur 23. Filzbegegnung

Und dann wird es ab dem 20. Juli 2018 wieder unser Filz-Kolleg geben. Wir haben uns wieder für das felto in Soltau als einem bewährten und anregenden Veranstaltungsort entschieden!

Mit von der Partie sind

Kathrin Bauerrichter – “Filz-Skulpturen” 23./24.Juli
Christiane Claren – “Oberflächenlabor” 24. bis 27.Juli – täglicher Beginn möglich
Barbara Eichhorn – “Jacken, nahtlos gefilzt” 20. bis 22. Juli
Stefanie Hofmann – “geflochten und gefilzt” Einführung und Tasche 22. /23. und 24./25.Juli
Petra Nasdal – “Kugeliges – innen hohl außen spannend” 26. bis 28. Juli
Petra Sommer – “Stoffe filzen” und “Kleidung nähen” 25./26. und 27.29.Juli
Barbara Westerrath – “Filz als Landschaft” und “Zwillingsblüten” 23./24. und 25.Juli
Ulrike Wieland – “Körbe mit Holzgriffen” 26. bis 28. Juli

Mehr Infos und die Buchungshinweise folgen in aller Kürze!

So – und jetzt warten wir auf den Advent – Bis Morgen!

Regionaltreffen Hohenlohe-Tauber

Unser erstes Regionaltreffen Hohenlohe-Tauber am 18.11.17 in Boxberg war super.
Wir haben gefaltet, gebunden, gefilzt, gegessen, getrunken, ausgetauscht…..und der Spaß kam auch nicht zu kurz.
Es entstanden wieder neue Kontakte und das Netzwerk Filz wurde für Jede erweitert.
Danke an alle Mitfilzerinnen! Danke an Iris!
Wollige Grüße von Doris Kunz

Inspirierende Symbiose – ein kleiner Bericht

Verschmelzung zweier Fachbereiche zu einer effektiven Einheit

Ich möchte mich kurz vorstellen und Ihnen von einer erfolgreichen Zusammenarbeit berichten.
Mein Name ist Maria Radewahn und ich bin gelernte Produktdesignerin. Ich setze mich mit verschiedenen traditionellen Handwerkskünsten und Materialien auseinander.
Mein Schwerpunkt  liegt in der Verarbeitung von Schafwolle. Letztes Jahr, während meiner Abschussarbeit, entfachte die Leidenschaft für das Material und deren Weiterverarbeitung zu Filz. Mir liegt es am Herzen, dass das Material einen Platz im Alltag der Menschen wiederfindet. Es ist ein nachhaltiges Material und zukünftig für Mensch und Natur unverzichtbar. Daher ist es wichtig das Handwerk und das Material zu aktualisieren und es überzeugend in das zukünftige Leben zu integrieren.
Dies gelingt, wenn von Beginn an ein aussagekräftiges und überzeugendes Image entsteht.
Mittels  Produkte,  welche wir für das alltägliche Leben benötigen, möchte ich das Ziel erreichen.
Doch gelingt die Überzeugung nicht nur mit einem wirkungsvollen Design und einer verständlichen Kommunikation, sondern auch mit einer qualitativ hochwertigen Entwicklung und Fertigung der Produkte.
In Zusammenarbeit mit zwei ausgebildeten Filzerinnen, Ulrike Wieland und Susanne Breuling, entstand ein werthaltiger Austausch.
Ihr detailliertes Fachwissen über das Material und die Fertigung sind eine bereichernde Ergänzung meiner Arbeit. Die Entwicklung der neuen Produkte, wie auch die Fertigung, ermöglichen eine strukturierte Vorgehensweise. Daraus folgen optimale Ergebnisse.
Die entstandenen Produkte spiegeln die fundierte Arbeit in jedem Detail wieder.
In unserer gemeinsamen Arbeit entstehen gegenwärtig zwei verschiedene Produkte.
Wenn Sie neugierig sind besuchen Sie mich gern an den ersten beiden Adventswochenenden auf dem Markt in Potsdam im Garten der Kolonie Alexandrowka. Dort können Sie die Produkte von Ulrike, Susanne und mir mit eigenen Augen bestaunen.

November 2017 – Ostpreußische Skudde

Die Ostpreußische Skudde – Schaf des Jahres 2017

 Geschichte:

 Die Ostpreußische Skudde gehört zu den ältesten Hausschafrassen Europas und war vor allen in Ostpreußen und den baltischen Ländern angesiedelt. Sie zählt als kleinste deutsche Landschafrasse zu den nordischen kurzschwänzigen Heideschafen, diesen Schafstyp gibt es schon seit mindestens 3000 Jahren.

Bunte Skudden Foto Kirstin Piert

 

Nach dem ersten Weltkrieg verringerte sich der Bestand der Skudden zügig. Da sie zum „veredeln“(einkreuzen) nicht interessant waren, hielten sie der raschen landwirtschaftlichen Entwicklung nicht stand. Leider überlebten noch weniger Tiere den zweiten Weltkrieg. Aufgrund dessen gehört diese Rasse zu den von Aussterben bedrohten Nutztierrassen.

Der heutige deutsche Bestand geht im Wesentlichen auf wenige Tiere zurück, die 1941 vom Münchner Zoo gekauft worden waren. Ursprünglich gedacht zum Verfüttern an Tiger, aber einige Tiere wurden für die Zucht zurückgehalten. Und von dort aus fanden die Skudden ihren Weg in andere Tiergärten und später dann auch zu Einzelzüchter. Durch die wichtige Arbeit von Zoos, Tiergärten und inzwischen hauptsächlich Hobbyzüchtern bekommen Rassenbestände bedrohter Nutztiere, wie die der Skudde, die Möglichkeit sich wieder zu erholen.

 

Rassemerkmale:

Foto Kirstin Piert

Die Skudde ist ein sehr robustes, widerstandsfähiges und ursprüngliches Landschaf. Sie können das gesamte Jahr lang im Freien gehalten werden, sind standorttreu und kommen sehr gut auf mageren Weiden zurecht. Daher werden sie oft als Anfängerschaf empfohlen. Allerdings sind Skudden von Natur aus eher scheu, sehr lebhaft und ungeheuer aufmerksam. Berührungen weichen Skudden am liebsten aus und betrachten Ungewöhnliches aus sicherem Abstand. Sie haben ein ausgeprägtes soziales Wesen und fühlen sich erst ab einer Herdengröße von 8-10 Tieren wohl und sind ruhiger.

Die weiblichen Tiere (Aue oder Zibbe genannt) erreichen eine Widerristhöhe von maximal 50cm und ein Lebendgewicht von ca. 25-40kg. Die Böcke werden bis zu 60cm groß und 35-50kg schwer. Die Böcke haben meist ein beeindruckendes Schneckenförmiges Gehörn und eine regelrechte Mähne, wohingegen die Auen selten nur kleine Hörner haben, meist aber hornlos sind.

In den meisten Zuchtvereinen sind inzwischen 4 Farbschläge anerkannt: Weiß, Braun, Schwarz und seit kurzem auch Graue Tiere. Bei Hobbyhaltern werden aber auch bunte und gescheckte Skudden immer beliebter und auch die Nachfrage nach der Wolle ist stark gestiegen.

Skuddenlamm Foto Yasmin Gross

Die Wolle:

Farbschläge Foto Kirstin Piert

 Auch an der Wolle erkennt man, dass die Rasse sehr ursprünglich ist. Die Wolle der Skudden ist mischwollig, sie setzt sich also aus kurzen Stichelhaaren, feinen Wollhaaren und langen Grannenhaaren zusammen. Die Unterwolle der Skudden allein genommen ist sehr fein und weich, allerdings wird die Wolle in der Industrie nicht getrennt und vor allen die kurzen, borstigen Stichelhaare machen die Gesamtheit der Skuddenwolle nicht sonderlich beliebt. 

Einige Züchter achten inzwischen bei ihrer Zucht vermehrt auf weniger Stichelhaare im Wollvlies.

 Altböcke erreichen ein Vliesgewicht von 2-2,5kg Wolle und Mutterschafe ein Vliesgewicht von 1-2kg Wolle.

Text: Yasmin Groß

 

Erscheinungsbild Rohwolle Foto Margit Röhm

Filzbarkeit

Wie schon eingangs erwähnt, handelt es sich bei der Skuddenwolle um Mischwolle. Diese stellt an die Verarbeitung besondere Ansprüche. In den nebenstehenden Fotos sind die  unterschiedlichen Fasern gut zu erkennen. Dabei ist auffällig, dass sich die Woll- und Grannenhaare in ihrer Länge nicht so deutlich unterscheiden, dass sich die Wolle trennen ließe. Es sei an dieser Stelle festgestellt, dass Grannenhaare sowie Stichelhaare dafür bekannt sind, dass sie nicht filzen. Ungeachtet dieser Tatsache, werde ich die Filzversuche trotzdem durchführen.

Flächenfilz:

Es zeigt sich schon beim Auslegen der Rohwolle, dass es beliebig schwer ist, diese unterschiedlichen Haarlängen und Strukturen in eine ordentliche Fläche auszulegen. Es ist folglich auch schwer möglich, die vorgegebenen Maße 10x10cm einzuhalten. Ein standarisiertes Vorgehen bleibe ich diesem Projekt also vorläufig weiter schuldig.  Angepasst an die vorliegende Haarlänge von ca. 22cm,  wird jetzt eine Fläche von ca. 4dm² (also 20x20cm) ausgelegt, mit drei dünnen Schichten auseinandergezupfter Rohwolle.

Versuch Flächenfilz 1: Ausgelegte Fläche – 2: genässte Wolle – 3. fertiger Filz

Schon beim Nässen der Wolle zeigt sich, dass sich die Grannenhaare wieder zusammenlegen und Strähnen bilden. Anschließendes vorsichtiges Reiben verstärkt diesen Effekt noch und führt zu deutlichen Strähnen im Filz. Es empfiehlt sich also, von reibenden Arbeitsschritten gänzlich abzusehen und den Filz ausschließlich zu rollen. Schon nach wenigen Minuten schrumpft die Fläche deutlich und verfestigt sich zusehens. Das gilt aber sichtlich nicht für alle Fasern. Es kann der gleiche Effekt beobachtet werden, wie beim Einfilzen nicht filzender Pflanzenfasern. Die Grannenhaare werden von den Wollhaaren zwar festgehalten und filzen so mit, es entsteht aber durch die vielen Störfasern kein fester Filz. Die eher lose im Filz festgehaltenen Grannen, könnten problemlos ausgezupft werden. Die Stichelhaare sind auf den ersten Blick nicht auszumachen, stehen aber bei genauer Betrachtung oft deutlich aus dem Filz hervor, was die Haptik des Filzes sehr negativ beeinflusst.

Fell-filz

Schnittfläche des Rohwollvlieses

In der Schnittfläche der Skuddenrohwolle ist noch einmal deutlich die Fasermischung zu erkennen. Wird diese auf eine gut filzende  Unterlage aufgebracht, verfilzt die Skuddenwolle sehr schnell zu einem schönen Filzfell.
Auffallend ist, dass ich auch hier sehr schnell Strähnen bilden, es scheint fast, als verfilzten die langen Locken miteinander.
Dieser Schein trügt aber.

Rohwolle auf Bergschafwolle aufgesetzt

Beim Auswaschen und vor allem beim anschließenden Schütteln des Probestückes zeigt sich die Qualität von Grannenhaaren. Sie verfilzen nicht nur nicht, sie sorgen auch dafür, dass die verbleibenden Haare nicht zu Stapeln zusammenfallen. Das Fell wird ganz ohne Kamm und Zupfen locker und wunderbar weich. Die leichten Locken der Grannen, bilden eine wunderbare Optik, die im Zusammenspiel mit der Farbvielfalt der Haare ein sehr effektvolles Fell ergeben.

 

Fertiges Filzfell Probestück

 

Schlussbilanz: (Kommentar)

Skuddenwolle als Filzwolle zu verwenden ist nur mäßig erfolgreich. Die Mischwolle ergibt niemals einen homogenen, festen Filz und macht zudem viel Arbeit. Wer aus der Wolle aber Felle filzen möchte oder sie als Effektwolle einsetzt, wird sie sehr schnell lieben lernen. Kaum eine andere Wolle hat solch eine Farbvielfalt. Dabei sind nicht nur die einzelnen Schafe sehr unterschiedlich im Farbschlag, auch die einzelnen Haare eines Vlieses zeigen sich sehr fassettenreich. Ein Filzfell aus Skuddenwolle ist auf eine sehr natürliche Art meliert und gehört deshalb zu den beliebtesten Fellen überhaupt.

Text Margit Röhm

Filzfell graue Skudde Foto: Margit Röhm