noch 18 Tage

Hasimir von Bettina Caspari, der übt schon mal Sonnenbaden für Ostern

Der Tag heute begann mit etwas Technikstress und dann wurde aus dem Technikstress “Filzerglück”. Ich habe einen Live-Online-Kurs gebucht. Das war jetzt in kurzer Zeit das zweite Mal, dass ich “digitalen” Unterricht hatte. Ich dachte mir, was die Kids können, das müssen wir doch auch hinbekommen. Siehe da, es hat geklappt und war eine gute Erfahrung. Ausbaubar! Wir werden sehen, was wir aus diesen Erfahrungen neues bauen können.

Kennt ihr das? Man macht eine neue Erfahrung, hört etwas Neues und stunden später erscheint – wie aus dem Nichts – eine Idee. Meistens tun wir sie als Spinnerei ab und leider verschwindet die so Geschmähte dann ins Gedankenparadies, weil sie immer noch hofft, entdeckt zu werden – nur eben nicht mehr von mir. Was wäre eigentlich, wenn Otto Lilienthal oder Alexander Bell ihre Ideen als Spinnereien abgetan hätten? Was, wenn Robert Koch, Louis Pasteur oder Christiaan Barnard ihre Ideen ins Gedankenparadies gescheucht hätten? Wirklich sagen kann das niemand. Es kann auch niemand sagen, dass es heute weder Flugzeuge noch Telefone und schon gar keine Herztransplantationen gäbe. Vielleicht sähe das alles etwas anders aus, aber irgendwer hätte sich darn gemacht, die Idee aus dem Gedankenschloss zu sich einzuladen. Nun erfinden wir vielleicht nicht gleich eine Bratkartoffelwendemaschine, auf die die Welt seit jahrzehnten so sehnsüchtig hofft. Dennoch könnte es doch sein, dass eine Idee, die gerade jetzt vorbei kommt, deine ungeteilte Aufmerksamkeit verdient hat. Wer weiß, welches Geschenk sie Dir oder uns allen macht.

Ich werde meine Ideen einfach mal ernster nehmen, sie nehmen uns ja auch ernst, sonst kämen sie sicherlich gar nicht erst vorbei. Und wie Hasimir können wir das Gesicht in die Sonne halten, die Augen schließen und die Idee zurt Serienreife zu Ende denken!

noch 19 Tage

Was aussieht, wie ein Ausstellungsstück aus einem Technik-Museum ist eine Präsentation vielfältigster Taschenverschlüsse, die unser Mitglied Monika Derrix im Angebot hat. Es ist zwar durchaus möglich, alles, wirklich alles zu filzen. Knöpfe, Verschlüsse, Schuhsohlen, Frühstücksbrötchen, Lakritzkonfekt … Es ist wahr.

Dennoch hat die Filzerin manchmal das Bedürfnis, sich mit anderen Gewerken zu verbinden, ihren Filz zu ergänzen. So am Rande sei der Werbehinweis gestattet, dass wir in unseren Reihen Kolleginnen haben, die uns mit diesem Zubehör versorgen – so z.B. Monika Derrix. (Wer Bedarf hat, kann sich gerne an sie wenden!)

Etwas aufwerten, etwas ergänzen, einen Arbeitsschritt von Fachleuten machen lassen. Wir Filzerinnen sind schon lange im arbeitsteiligen Zeitalter angekommen. Sich von Schustern, Schneiderinnen oder Schnitzern unterstützen zu lassen, ist schon länger Usus und ganz sicher ein Zeichen von Vernunft, Qualitätsbewußtsein und Gestaltungsspaß. Lange sind die Zeiten der Selbstversorger vorbei. Spätestens mit der Eroberung der Welt durch den Ackerbauern wurde für uns Menschen Arbeitsteilung immer wichtiger, Berufe entstanden… Nein, ich will jetzt hier keine Geschichtsstunde halten, dafür bin ich nicht gebildet genug. Nur mit euch gemeinsam darüber nachdenken, was für ein Segen es sein kann, gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Ich hatte es bestimmt schon mal geschrieben im Adventskalender, dass ich eine wunderbare Freundin hatte, die mit mir gemeinsam Plätzchen gebacken hat. Wir nahmen uns beide ein Wochenende gemeinsam frei und ich hab die Teige gerührt, Zutaten vorbereitet, den Ofen überwacht und meine liebste Karin hat geformt, ausgestochen, geflochten und vor allem den Zuckerguss auf die Zimtsterne aufgebracht. Diese Arbeitsteilung war ein großer Spaß und ein Glück. Wir waren ein eingespieltes Team. Seither habe ich in den verschiedensten Lebensbereichen Arbeitsteilung erlebt und kann es gut genießen, dass andere Menschen einfach andere Kompetenzen haben als ich.

Was zu all den Talent- und Ausbildungsunterschieden dazu kommt, ist der Kontakt und die gegenseitige Wertschätzung. Ich hab eine Partnerin im Filz-Netzwerk, die ist organisiert, strukturiert und hat immer Ordnung in ihren Unterlagen. Ohne sie wäre ich verloren. Ich vertraue ihr voll und ganz und so entstand eine Arbeitsteilung, die ich als Superteam bezeichne und die uns in eine echte Freundschaft geführt hat.

Wie sehr wir alle aufeinander angewiesen sind, das wollen wir manchmal einfach nicht wahr haben. Wir denken, dass kann ich allein vielleicht sogar viel besser. Ich hab dieser Tage von einer Mutter gelesen, die immer von Homeschooling geträumt hat, gar dafür gekämpft hat und jetzt gerade sieht, wie anstrengend es sein kann. Der Respekt vor den “Profis” im System nimmt wieder zu. Mal abgesehen von uns als Handwerkerinnen, die Zusammenarbeit so dringend brauchen – ich kann kein Schaf scheren- ist Arbeitsteilung eben unbedingt die Grundlage für Kompetenz und wachsendes Erfahrungspotential und Wissen.

Im Netz sind gerade wieder so viele unterwegs, die behaupten, sie hätten die Antwort aus alle Lebensfragen und führen uns damit an der Nase herum! Wenn ich einen Schuster brauche, dann frag ich keinen Koch. Also lasst uns nur denen trauen, die nicht von sich behaupten sie wüssten und könnten alles, sondern wendet euch an diejenigen, die bei ihrem “Leisten bleiben”!

noch 24 Tage

Meiter-Klasse Ricarda Aßmann
Meisterklasse – Ricarda Aßmann

Heute Morgen durfte ich einem virtuellen Gespräch zweier Frauen lauschen, die ich beide sehr mag und schätze. Die Unterhaltung drehte sich um die Ausnahmesituation, in der wir gerade stecken und um deren Folgen auf die eigene Verfassung. Wir alle tun uns offensichtlich sehr schwer mit diesem Moment. Da kommen zu der berechtigten Sorge um die Gesundheit so viele andere Aspekte dazu, die uns die Zuversicht rauben. Viele unbeantwortete Fragen, Mitmenschen die alles besser wissen, selbsternannte Oberlehrer und bösartige Schuldzuschreibungen… Wir Menschen sind so gestrickt. Negativer Stress schaltet das Großhirn ab und auf uralte Instinkte um – auf Aggressionen, Fluchtinstinkte, Wut und manchmal Verzagtheit bis hin zur Resignation. Um so wichtiger ist es jetzt, dem Großhirn wieder was zu tun zu geben und die Instinkte mal in Urlaub zu schicken – wenn wir selbst schon nicht fahren dürfen.

In den kommenden Tagen werden wir die Urinstinkte mal fasten und uns mit wunderbaren Dingen beschäftigen!” Was haltet ihr davon?

Wir können unser Großhirn herausfordern, indem wir etwas neues lernen! Ricarda Aßmann zum Beispiel hat ein umfangreiches Tutorial erstellt für einen Wandbehang. Es fordert einen heraus und das ist gerade besonders wichtig: Positive Herausforderungen! Hier könnt ihr mehr darüber erfahren: Tutorial Collage. Ihr habt auf diesem Weg die Gelegenheit ein erfahrene Dozentin zu euch nach Hause einzuladen. So spart ihr Fahrtkosten und unterstützt gleichzeitig Ricarda und die hervorragende Plattform.

Die Verbindung zwischen Hand und Hirn stimmuliert die Endorphine und die heben die Stimmung. Und es ist gerade einfach erlaubt, sich für alles Zeit zu nehmen, sich Zeit zu schenken für etwas, was man sonst nie macht. Ihr dürft verrückt sein. Verrückt kommt von verrücken – vom “Anders-Machen”, vom “Gegen den Strom schwimmen”. Auch ohne die besonderen Rahmensetzungen ist die Fastenzeit Raum für einen anderen Lebensstil! Sich auszutesten, den Haushalt links liegen lassen, mal einen Sofatag einzulegen, die Badewanne zu besetzen und mehr Schaum zu schlagen als sonst – und dann etwas Kreatives tun – unbezahlbar – und für alles andere gibt es unsere Freunde und Familien, Briefpapier und Telefone!

Bleibt gesund!

19. Dezember

Angelika Bonas hat Bäumchen filzen lassen von klitzekleinen Filzerinnen

Habt ihr schon einen Weihnachtsbaum? Ja? Wie schön für euch…

Einen Baum aussuchen, ihn bestellen, selber schlagen – mit oder ohne Wurzel, Ökobaum oder konventionell. Den Schönsten oder einen, den jemand anderes nicht kaufen würde? Sooo viele Fragen und jeder findet eine andere Antwort.

Manchmal habe ich den Verdacht, dass wir selbst die einfachsten Dinge nicht mehr einfach lassen können. Ich verfolge eine Radiosendung im Auto bei der ein Experte (was für einer genau erschließt sich mir nicht) datrüber spricht, wie gut es wäre, einen Plastikbaum zu kaufen – für Klima und Umwelt natürlich – für mich nicht.

Abends in einer Ratgebersendungt im Fernsehen sagt jemand vom wwf genau das Gegenteil. Ein Plastikbgaum müsste 19 Jahre halten um die Ökobilanz von 18 gezüchteten Bäumen zu übertreffen. Aha… Und jetzt?

Kaufen wir nun eine Nordmanntanne, die nicht aus dem Norden kommt sondern nach Herrn Nordmann benannt ist oder etwa einen künstlichen Baum?

Mir wäre es nur lieb wenn es nicht nach dem Motto ginge: “Wenn ich nicht überzeugen kann dann verwirre ich wenigstens”. Ich hab mal gelernt, Ratschläge sind auch Schläge. Wenn ich Informationen möchte, dann wäre es prima, wenn ich Informationen bekomme um mir selbst ein Bild zu machen. Egal…

Wir werden auf jeden Fall unseren Baum beim Gärtner unseres Vertrauens aussuchen und ihn mindestens bis zum 6. Januar genießen. Das hat er sich verdient.

Der kleine Weihnachtsbaumwald stammt von Karin Twelkemeier

17. Dezember

Karin Twelkemeier hat diese hinreisenden Gänschen für uns eingefangen

Aha, also es sind noch 7 Tage bis Weihnachten. Davon ist ein Tag ein Sonntag, da kann man nix mehr besorgen, also eigentlich sind es nur noch 6 Tage an denen alles eingekauft werden kann, was man so zum Weihnachtsessen und drum herum benötigt. Und Morgen müssen unbedingt die letzten Weihnachtskarten geschrieben werden – also nur noch 5 Tage. Am 24. wird der Baum geschmückt, da geht man nicht mehr in die überfüllten Läden und am Samstag besser auch nicht – also nur noch 3 Tage Zeit. War da nicht noch die Weihnachtsfeier der Schule der Kinder oder des Heimatvereins – also noch ein Tag weniger…

Wir haben uns so daran gewöhnt zu fast jeder Zeit “Bedarf” decken zu können und geraten dennoch regelmäßig in so was wie Atemlosigkeit, wenn Festtage auf uns zurasen. Da spielt es wirklich kaum noch eine Rolle, dass wir über Tiefkühler, Kühlschränke, Einmachgläser und Vakumiergeräte verfügen. Wir setzen uns selbst so unter Druck, dass alles perfekt sein soll, dass da plötzlich trotz aller Planung ein Gewürz fehlt, der Göttergatte dann doch die Milch vergessen hat und sich am Tag vor dem Fest eine vertwandte ansagt, die ganz sicher keine Nüsse verträgt.

Und jedes Jahr sitzen wir nach dem Fest auf unseren Resten und schwören uns, dass wir diesen Wahnsinn im kommenden Jahr auf keinen Fall so noch einmal mitmachen. Was kocht ihr eigentlich an den Festtagen? Gehört ihr zu den Traditionsessern oder den Experimentalköchinnen? Habt ihr eine Festtafel oder ein Buffet? Vertraut ihr den Kochkünsten eurer Männer und Kinder oder steht ihr lieber selbst am Herd?

Ich will euch von einer alten Freundin erzählen, die sich jedes Jahr einen kitschigen Weihnachtsroman kauft. Sie kauft alles ein, was ihr ihre Lieben auftragen, schleppt es zum Auto und packt es auch aus. Alles eine Woche vor Weihnachten. Und dann schmückt sie den Baum, kocht einen Eintopf für den letzten Tag vor dem Fest und dann… setzt sie sich in ihre Stube und ließt ihren Roman. Am Heiligen Abend geht sie mit zur Kirche und freut sich auf die Bescherung. Aber die Küche die betritt sie erst nach Weihnachten wieder. Sie erzählt gerne von den kulinariuschen Experimenten, deren Produkte sie genießen durfte und lacht viel dabei. Am Ende der Feiertage hat sie einen entspannenden Roman zu Ende gelesen und viele verrückte Gerichte gekostet, die sie niemals selbst gekocht hätte. Und sie bekommt noch etwas – nämlich eine ganz fröhliche Familie, die mit einer entspannten Mutter viel Mut zum Risiko gewagt hat, Spaß hatte und jedes Jahr ein etwas anderes Weihnachtsfest erlebt. Vielleicht wär das ja mal was für uns?

Und jetzt fragt mich bitte nicht, wie ich von Gänsen auf Weihnachtsessen gekommen bin!