16. Dezember

Heike Spiekermann gibt Urlaubserinnerungen einen ganz neuen Rahmen.

Der Filz kann so vieles. Er kann als Filzkorb Einkäufe tragen, Filz kann Dinge elegant umhüllen, sich auf Schreibtischen oder unseren Sitzmöbeln nützlich machen und sich sogar mit Füßen treten lassen – und wie man hier sieht, kann er uns ans Meer zurückbringen, unsere Urlaubsfunde bewahren und in die Winterstunden Sonnenstimmung bringen.

Filz kann ziemlich viele “Fremdmaterialien” festhalten, in dem er sie sanft einbettet in seine wachsende Festigkeit. Man weiß auch als Filzerin nie so genau, wer sich da wem anpasst. Eingefilzte Fasern lassen sich vom Filz mitziehen, eingefilzte Haselnüsse formen sich den Filz zurecht? Es wäre so eine Frage, wie die nach Henne und Ei. Sicher ist nur, dass der Filz mit Fremdem nicht wirklich fremdelt aber es sich passend macht. Da ist er so ein wenig wie unser Gehirn. Das macht sich die Dinge auch gerne passend und je länger sich etwas in unserem Kopf aufhält, um so mehr sieht es so aus, wie wir es gerne aussehen lassen wollen. Eigentlich ist das ein wunderbares Geschenk der Natur – und ihr dürft jetzt entscheiden, ob ich den Filz oder uinser Gehirn meine…

15. Dezember

Kerstin Scherr gestaltet Oberflächen auf ganz aufregende Art und Weise. Mich hat fasziniert, wie sauber diese Kreise voneinader abgegrenzt sind. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich fasziniert es immer sehr, wenn Konturen klar zu erkennen sind. Eine hauchdünne schwarze Linie, die ein Muster umschließt macht es so viel sichtbarer, prägnanter manchmal sogar plastischer. Kerstin spielt mit den Linien und “Umrandungen”.

Es drängt sich die Frage auf, wer hier wohl seine Kreise zieht und ob diese Grenzziehung eher künstlerischer Ausdruck, Schutz oder Abgrenzung bedeuten will. Zunächst sind Muster Muster. Zunächst ist ein Kreis ein Kreis und ein Trapez etwas mit 4 Seiten. Doch gerade beim Filzen wird mir das immer wieder bewußt, ohne Linie, ohne Kante kein Muster. Ob diese Abgrenzung unbedingt schwarz sein muss? Nein, muss sie nicht. Doch Abgrenzung gibt dem Auge Halt und hilft bei der Orientierung. Selbst in einem Farbenmeer sind die Übergänge sichtbar und automatisch sucht unser Gehirn die Grenze zwischen den Regenbogenfarben. Auch unsere Haut grenzt uns ab, Kleidung trennt uns von dem Außen. Grenzen sind scheinbar überall im Alltag. Ohne Abgrenzungen auf der Fahrbahn ist Verkehrsteilnehmerinnen nie so ganz wohl, Linien helfen eben “in der Spur” zu bleiben.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum wir glauben, Grenzen beschützen uns und sicherten unseren eigenen Raum. Ich für meinen Teil ziehe lieber Linien im Filz als Grenzzäune zu bauen.

4. Dezember

Heute ist Barbaratag! Nicht zuletzt wegen der Namenspatronin haben wir uns heute für diese blütenreiche Arbeit von Barbara Westerath entschieden. Neben dem Namen schenkt uns der Barbara-Tag auch einen alten Brauch. Ein aus der Natur vom winterruhigen Baum geschnittene Zweig soll bis zum Weihnachtstag Blüten treiben und so ein Botschafter für das sehnlichst erwartete Frühjahr sein. Ein zarter, ein behutsamer Brauch.

Als ich über die Botschaft hinter dem Zweig nachdachte, da kam mir der Gedanke, ich wünsche mir, ich könnte die Welt so nehmen wie sie ist. Es mag sein, dass in früheren Zeiten ein solcher Gruß aus der Zukunft Hoffnung geschenkt hat. Heute habe ich aber manchmal den Eindruck, dass wir es nicht ertragen können, das Heute – das hier und jetzt. Entweder blicken wir zurück und bewerten das Gestern oder wir schauen – je nach Stimmung – positiv oder schwermütig in die Zukunft. Es mag allzu menschlich sein, gesund ist es bestimmt nicht.

Die Heilige Barbara wurde in einen Turm mit zwei Fenstern eingesperrt. Sie hat sich ein drittes Fenster brechen lassen. In unserem Wohnzimmer steht eine Barbara-Statue. Mein Mann ist Bergmann, da begleitet einen die Heilige ohne lange Fragen. Ich hab mich oft gefragt wofür das dritte Fenster im Turm stehen soll. Wofür auch immer es in alter Zeit stand, heute kam mir die Idee, dass es mir den Blick öffnet aus das was ist. Auch wenn es ein kalter trüber Tag ist, Weglaufen – und sei es auch nur in Gedanken – beruhigt. Stärker macht es mich nicht. Zünd dir eine Kerze an und zieh einen warmen Pullover über, nimm die Herausforderungen einfach an. Der Augenblick ist so schnell Vergangenheit.

3. Dezember

So ein Adventskalender hat bekanntlich 24 Elemente, weil unsere Vorväter unbedingt wollten, dass der Heilige Abend am 24. Dezember stattfindet. Beim Osterfest waren sie irgendwie anders pingelig, das hat keinen festen Termin und man kann es doch genau berechnen, wann es sein soll – ähm – statt finden wird. Mathematik ist auch etwas Magisches, also für mich. Es soll Menschen geben für die ist die Mathematik eine Naturwissenschaft. Doch je nachdem in welche Höhen sie sich aufschwingt, wird sie für mich auf alle Fälle magisch. Kennt ihr den Film “Hidden Figures”? Neben all den anderen Aspekten, die der Film berührt, bekomme ich bis heute nicht in meinen Kopf, wie man aus dem Stand und ohne Taschenrechner Parabeln ausrechnen kann. Das muss einfach Magie sein…

Aber erst mal zurück zur 24. Gestern habe ich mit einer Freundin telefoniert und sie fragte doch ernsthaft, ob man nun aufwärts oder abwärts zählt im Advent. Es werden immer weniger Tage bis Weihnachten, aber auch immer mehr offen Türchen oder immer mehr leere Säckchen. Ich bin ja was das angeht dafür, dass wir ganz bewusst zukunftsorientiert zählen sollten – also auf Weihnachten hin und nicht vom 1. Dezember weg oder wie jetzt? Aber Grübeln ist ja nicht verboten.

Es beinhaltet schon ein gewisses Risiko mit einer Filzerin über Mathematik zu sprechen. Nicht das Filzerinnen nicht rechnen könnten, sich grundsätzlich dem Dreisatz verweigern würden oder der Geometrie den Kampf angesagt hätten. Doch manchmal ist die Versuchung groß, mal eben noch eine Handvoll Wolle mehr auszulegen oder sich einzureden, Frau wäre fertig, wenn sie eben fertig ist. Jede von uns kennt das, irgendwie. Doch mit dem Filzen ist es wie mit Weihnachten. Egal von welcher Seite ich meinen Weg denke, er dauert so lange wie er dauert. Ob ich schon 3 Tage Advent geschafft habe oder noch 21 Tage vor mir, Weihnachten ist am 24. Dezember, nicht 3 Tage vorher oder 5 Tage danach.

Margot Krugs “Verborgene Schätze” haben ganz sicher die Mathematik zur Kunst im Filz genutzt oder dem Filz Mathematik eingewalkt! Dank dir für den Gedankenanstoß!

Unser Adventskalender 2020

Auch – vielleicht auch gerade – für den Advent 2020 haben wir uns zusammen getan im Filz-Netzwerk und einen Adventskalender zusammen gestellt. Wir können es kaum noch erwarten – deshalb stellen wir heute schon mal einen Adventskalender auf – dann vergeht die Zeit bis Montag bestimmt schneller!

Mit dieser wunderschönen Filzarbeit eröffnet Susanne Breuling unseren gemeinsamen Weg Richtung Weihnachten!