19. Dezember

Heute nimmt euch Katja Hannig mit zu einem ganz außergewöhnlichen Adventskalender in Holzmaden!

Idee und Hintergrund

Die evangelische Kirche in Holzmaden hat in diesem Jahr dazu aufgerufen Adventsfenster zu gestalten. Tatsächlich haben sich in unserem kleinen Ort 24 Familien und Institutionen gefunden die nun in der Zeit von 17 bis 22 Uhr und jeden Tag eines mehr, ein Fenster und damit den Ort erhellen.

Das Fenster symbolisiert für mich eine Barriere zwischen drinnen und draußen. Gerade in der aktuellen Zeit wird diese stärker denn je wahrgenommen. Bis wohin geht mein privater Raum, meine Komfortzone, mein Sicherheitsbereich und wo beginnt der „öffentliche Raum“? Dabei ist der Blick nach vorne in die Weite des Draußens und des Kommenden der Wichtigste.

Der Fünfstern ist schon seit Jahrhunderten ein wichtiges Symbol für die Menschheit. Es möge jedem frei stehen ihn ihm zu sehen, was er möchte.

Schon seit einiger Zeit sind Spiralen aus meinen Filzwerken nicht mehr wegzudenken und daher in allen meinen aktuellen Werken zu finden. Zunächst inspiriert von Hundertwasser hat die Spirale meinen derzeitigen Stil stark geprägt.

Material: Selbstgefärbte, feine Merinowolle (18 mic) und Wollkügelchen für die Sterne. Merino-Seidemischung für die Wollvorhänge und 2 Bahnen Pongeseide für den Sichtvorhang. Das Fenster ist ein altes aus unserem Haus und auf einen roten Holzrahmen geschraubt.

Installation Frei stehend

18. Dezember

Monika Baldauf lässt Rosen entspringen. Zwischen 3.500 und 5000 Jahre soll die Rose als Kulturpflanze sein. So ganz genau konnte ich das nicht herausfinden. Sicher ist, dass sie aus Zentralasien stammt und sich seither in unzähligen Sorten über die Welt verbreitet hat. Ansich ist die Pflanze absolut kein Hingucker, meist ist sie auch noch ruppig und stachelig. Eine englische Gartenarchitektin sagte mal, dass Rosen ohne Begleitpflanzung nicht in ihrte Gärten dürften. Doch wenn sie blüht, die Rose, dann kommt kaum jemand an ihr vorbei. Sie ist trotz ihrer Vielfalt auch immer sofort als Rose zu identifizieren. Ob Wildrose, Kletterrose oder die berühmte Baccara-Rose, sie zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich.

Rosenblüten haben sich auf der ganzen Welt in Geschichten, Gedichte, in Romane, Märchen und auf die Opernbühne gearbeitet. Ihr Anblick wird mit Schönheit assoziiert. In Weihnachtsliedern steht sie als Sinnbild für die Geburt Jesu. Rosen im Winter stehen sinnbildlich für das Leben und die Hoffnung. Sehr berührt hat mich schon als Kind die Geschichte der Elisabeth von Thüringen und das Rosenwunder, dass sie erlebt hat.

Als Elisabeth eines Tages wieder Lebensmittel zu den Armen bringen will, wird sie von ihrem hartherzigen Ehemann gefragt, was sie unter dem Tuch in ihrem Korb trägt. Sie anwortet in ihrer Not “Rosen, mein Herr”, denn sie weiß, dass er ihre Mildtätigkeit nicht billigt. Er schaut in den Korb und statt der Brot und den Lebensmitteln fand er unter dem Tuch duftende Rosen. Das Mittelalter war kein Spaß für Frauen.

Welche Rosengeschichte, welches Bild kommt Dir in den Sinn, wenn du diese zart gefilzten Rosen siehst?

17. Dezember

Allgäuer Nikolausstiefel

Aus Liebe zu ihrer Wahlheimat, dem Allgäu und seinem Braunvieh entwarf und gestaltete Angelika Geißler diese zwei Nikolausstiefel.

In Bayern kommt der Heilige Nikolaus am Abend des 05. oder 06. Dezember zusammen mit dem Krampus in die Häuser der Familien, wobei er aus seinem goldenen Buch die guten wie auch weniger guten Taten der Kinder vorliest und diese dann mit Nüssen, Mandarinen, Äpfeln und Süßigkeiten belohnt. Der heilige Nikolaus überreicht hierbei einen gefüllten Nikolausstiefel oder füllt den, am Vorabend leer vor die Türe gestellten Stiefel. Der Krampus, sein dämonischer, furchteinflößender Begleiter hingegen, rasselt mit der Kette, um die bösen Kinder zu erschrecken. So mancher wurde in der Vergangenheit in den Sack gesteckt und mitgenommen.

Noch ungezähmt vom heiligen Nikolaus jagen die Krampusse am Abend des 05. Dezember durch die Dörfer. Im südlichen Allgäu entstand daraus das sogenannte Klausentreiben, bei dem sich junge Männer mit Holzmasken, Fellen und fellbedeckten Helmen mit Hörnern verkleiden. Schellen und Glocken ergänzen die Verkleidung und verstärken den furchteinflößenden Eindruck durch ihren Lärm. Der kalte und dunkle Winter war für die Menschen beherrscht von Geistern, Dämonen und Hexen. Das Läuten, Kettenrasseln, lautes Rufen sowie das Schlagen von Passanten und Gegenständen sollte diese fernhalten und verjagen. Im Alpenraum wurde dieses Klausentreiben im 20. Jahrhundert wieder neu belebt und findet in großen Umzügen seine Umsetzung.

Seit zwei Jahren arbeitet Angelika Geißler in ihrer WollFühlFactory im eigenen Hof in Stetten, Unterallgäu. Ihre Filzarbeiten machen  geistliche Wahrheiten er-fass-bar, die ihr tief ins Herz fallen und über den Filz einen Weg ins Aussen finden.  Vom Herz in den Kopf und dann in die Hand – Wolle fühlen und wohlfühlen, wohlfühlen beim Wollefühlen. TeilnehmerInnen ihrer Kurse erleben sie als intuitive Workshopleiterin, die neben der Vermittlung des Filzhandwerks immer ein Herz für den Menschen selber hat.

Danke, liebe Angelika für die tolle Einführung in das original Brauchtum und die Beschreibung deiner Anliegen! Herzensgruß

16. Dezember

Heike Spiekermann gibt Urlaubserinnerungen einen ganz neuen Rahmen.

Der Filz kann so vieles. Er kann als Filzkorb Einkäufe tragen, Filz kann Dinge elegant umhüllen, sich auf Schreibtischen oder unseren Sitzmöbeln nützlich machen und sich sogar mit Füßen treten lassen – und wie man hier sieht, kann er uns ans Meer zurückbringen, unsere Urlaubsfunde bewahren und in die Winterstunden Sonnenstimmung bringen.

Filz kann ziemlich viele “Fremdmaterialien” festhalten, in dem er sie sanft einbettet in seine wachsende Festigkeit. Man weiß auch als Filzerin nie so genau, wer sich da wem anpasst. Eingefilzte Fasern lassen sich vom Filz mitziehen, eingefilzte Haselnüsse formen sich den Filz zurecht? Es wäre so eine Frage, wie die nach Henne und Ei. Sicher ist nur, dass der Filz mit Fremdem nicht wirklich fremdelt aber es sich passend macht. Da ist er so ein wenig wie unser Gehirn. Das macht sich die Dinge auch gerne passend und je länger sich etwas in unserem Kopf aufhält, um so mehr sieht es so aus, wie wir es gerne aussehen lassen wollen. Eigentlich ist das ein wunderbares Geschenk der Natur – und ihr dürft jetzt entscheiden, ob ich den Filz oder uinser Gehirn meine…

15. Dezember

Kerstin Scherr gestaltet Oberflächen auf ganz aufregende Art und Weise. Mich hat fasziniert, wie sauber diese Kreise voneinader abgegrenzt sind. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich fasziniert es immer sehr, wenn Konturen klar zu erkennen sind. Eine hauchdünne schwarze Linie, die ein Muster umschließt macht es so viel sichtbarer, prägnanter manchmal sogar plastischer. Kerstin spielt mit den Linien und “Umrandungen”.

Es drängt sich die Frage auf, wer hier wohl seine Kreise zieht und ob diese Grenzziehung eher künstlerischer Ausdruck, Schutz oder Abgrenzung bedeuten will. Zunächst sind Muster Muster. Zunächst ist ein Kreis ein Kreis und ein Trapez etwas mit 4 Seiten. Doch gerade beim Filzen wird mir das immer wieder bewußt, ohne Linie, ohne Kante kein Muster. Ob diese Abgrenzung unbedingt schwarz sein muss? Nein, muss sie nicht. Doch Abgrenzung gibt dem Auge Halt und hilft bei der Orientierung. Selbst in einem Farbenmeer sind die Übergänge sichtbar und automatisch sucht unser Gehirn die Grenze zwischen den Regenbogenfarben. Auch unsere Haut grenzt uns ab, Kleidung trennt uns von dem Außen. Grenzen sind scheinbar überall im Alltag. Ohne Abgrenzungen auf der Fahrbahn ist Verkehrsteilnehmerinnen nie so ganz wohl, Linien helfen eben “in der Spur” zu bleiben.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum wir glauben, Grenzen beschützen uns und sicherten unseren eigenen Raum. Ich für meinen Teil ziehe lieber Linien im Filz als Grenzzäune zu bauen.