20. Dezember

Monika Derrix hat eine Wiege gefilzt.

“Ein Ort der Geborgenheit für das kostbarste Geschenk der Natur” hat die Filzkünstlerin zu ihrer Arbeit dazu geschrieben. Was könnte besser in die Adventszeit passen als der sichere Platz für ein neues Leben.

Die Geburt neuen Lebens ist für mich das größte Wunder, dass uns die Natur schenkt. Alles darum herum läuft immer auf diesen einen Moment zu, auf die Geburt eines Lebewesens. Wenn das nicht ein Grund ist zu feiern und den Moment außerordentlich zu genießen, dann weiß ich es auch nicht. Weihnachten ist “die Mutter” aller Geburtsfeste. Dennoch müssen wir warten bis es soweit ist, bis der “Heilige Abend” anbricht. Wir müssen warten und das ist so eine Sache.

Das Warten war noch nie leicht. Das glaube ich bestimmt. In der Geschichte der Menschheit mussten Menschen viel Zeit mit Warten verbringen, sich in Geduld üben. Man wartete auf die Heimkehr der Seefahrer. Ohne jede Nachricht musste man ausharren. Eine Kerze ins Fenster stellen, mehr konnte man nicht tun.

Wochenlang hat man auf Briefe gewartet, auf die Meldungen aus einem Kriegsgebiet, von einer Forschungsreise. Man hat auf die Ernte gewartet oder auf das Frühjahr, dass die Wärme zurückbrachte. Machte das Warten demütig oder traurig, hoffnungsfroh oder einfach nur geduldig, ich weiß es leider nicht?

Wir verlernen langsam das Warten . Wir warten nicht mehr gerne. Weder auf die Erfüllung eines Wunsches, dafür gibt es doch Kredite noch auf ein Paket, dafür gibt es Lieferdienste. Wir warten nicht mehr sehnsüchtig auf die Erdbeerzeit – es gibt sie rund ums Jahr irgendwo auf der Erde. Wir schreiben keine Briefe mehr, auch Mails sind zu langsam. Es muss auch anders gehen und wehe die andere Seite reagiert nicht schnell genug. Selbst das Wunder der Geburt können wir nicht mehr erwarten, wozu gibt es den Kaiserschnitt. In meiner Kindheit gab es die ersten Fernsehsendungen “wir warten aufs Christkind”. Wahrscheinlich haben wir zu oft gefragt, wann das Christkind endlich kommt. Brauchen wir heute auch unbedingt Ablenkung vom Warten?

Weihnachten erwarten können, geduldig und hoffnungsfroh sein und die Ankunft feiern – wirklich feiern, das wäre ein kleines Alltagswunder!

13. Dezember

Diesen magischen Blick auf London verdanken wir Susanne Weber

Ihr seht richtig, Mary Poppins besucht heute den Kalender. Erst 1952 ist das Buch auf Deutsch erschienen und die meisten von uns kennen diese märchenhafte Figur eher aus dem alten Disney-Film als aus dem Buch.

Sie ist so selbstsicher und selbstbewußt und unerschütterlich. Ein wenig Magie ist natürlich auch noch im Spiel Sie rettet einer Familie das Familienleben und bringt Freude, Spiellust und Fantasie ins Haus – gleichzeitig Ordnung und ein klitzekleines Wenig an Disziplin. Und wenn alles wieder in Ordnung ist, dann sorgt sie dafür, dass der Wind sich dreht und mit ihm verschwindet sie so wie sie gekommen ist. Sie ist gar kein Alltagswunder, sie ist ein Wunder, welches einer Familie widerfährt, die es dringend braucht. Wir warten ja irgendwie alle vergeblich auf dieses Wunder und lieben die Geschichte deshalb so sehr, weil sie uns einen Traum schenkt – also eher Zeit zum Träumen…?

Hmh, so kann man das nicht stehen lassen, so kann ich euch nicht ins Wochenende lassen. Mir fällt nämlich ein, dass wir alle etwas von Mary Poppins haben. Zugegeben, ich kann nicht mit Hilfe eines Schirms fliegen (was allerdings eine Menge Transportprobleme lösen würde) aber ich bin doch für meine Familie – wenigstens an manchen Tagen – so eine Art Mary Poppins, und ihr auch für eure Lieben. Wir können Geschichten erzählen, Medizin mit Zucker versüßen und Gute-Nacht-Küsse verteilen. Ich will hier kein Loblied auf hausfrauliche Tugenden halten, denn die Zeiten in denen wir dafür belohnt wurden sind schon lange vorbei. Aber wir sind mehr oder weniger fröhliche Familienmanagerinnen. Aus meiner Sicht gehören diese Talente durchaus in den Bereich der Magie. Mit dem Gedanken an unsere magischen Fähigkeiten kann ich mich nun beruhigt aufmachen auf den Weihnachtsmarkt, denn der Wind hat gedreht…

8. Dezember

Sonntag, zweiter Advent! Noch 16 Tage bis zum Heiligen Abend…

Zeit für die Adventsbäckerei. Wahrscheinlich haben die meisten von Euch bereits Plätzchen gebacken, einen Stollen oder ein Früchtebrot vorbereitet. Und all diejenigen, die noch nicht dazu gekommen sind, die haben vermutlich ein mehr oder weniger schlechtes Gewissen. Man rennt einem laufenden Ziel hinterher, das Jahr über schon und in der Vorweihnachtszeit sowieso. Und nun ist heute Sonntag und entgegen der üblichen Frauenlogik, die sich für so vieles verantwortlich fühlt, machen wir heute mal nur, worauf wir Lust haben. Sonntagsruhe-Lust.

Einfach so sitzen, lesen, Sterne falten oder dem Heimkino die Regie übertragen. Füße hoch, Teetasse in der Hand und sich nur um sich selbst kümmern. Wenn jemand etwas von uns will, soll er es auf seinen Wunschzettel schreiben, vielleicht erfüllt sich der Wunsch ja an Weihnachten. Derjenige oder diejenigen können sich ja neben euch setzen und mit euch gemeinsam nichts tun – jedenfalls nichts Zielführendes, Erwartungen erfüllendes oder gar ein “Muss-unbedingt-gemacht- werden”. Am Anfang fühlt es sich an wie die Reise in ein fremdes Land, doch einmal angekommen lassen sich die Annehmlichkeiten wunderbar genießen.

Macht ihr mit?

Wenn es euch gar so schwer fällt, der hungrigen Meute die küchenkalte Schulter zu zeigen, dann aber keine Plätzchen sondern einen einfachen Apfelkuchen mit viel Zimtsahne. Schmeckt adventlich und geht ganz schnell. Rührteig, gewürfelte Äpfel unterheben und backen. Sahne schlagen und mit Zimt und Schokoraspeln mischen – auf den abgekühlten Kuchen aufstreichen und mit Kakao besteuben. Statt Äpfeln geht auch ein Glas Sauerkirschen… Und falls euch wichtige Zutaten fehlen, dann bene doch “Sonntagsruhe-Lust am Nichtstun” Eigentlich ist die Adventszeit eh eine Fastenzeit.

Ich danke Petra Nasdal für ihre leckeren Äpfel und dem Impuls zur Minirevolution…