„Von Kopf bis Fuß auf Filzen eingestellt“
Vom 22. bis 27. Juni 2026 wurde in der felto – Filzwelt Soltau wieder ausgelegt, gerollt, geknotet, gestickt, gefärbt und natürlich gefilzt. Das diesjährige Filzkolleg stand unter dem Motto:
„Von Kopf bis Fuß auf Filzen eingestellt – ja, das ist meine Welt und sonst gar nichts …“
Und so drehte sich in dieser Woche vieles um tragbaren Filz: um Hüte und Mützen, Schuhe, Kleidung, Taschen und vieles mehr. Ergänzt wurde das Programm durch Seidenmalerei, Ecoprint, Stickerei, Micro-Makramee und Posamentenknöpfe. Eine Woche, viele Techniken und noch mehr Möglichkeiten, Wolle in Form zu bringen.
Gemeinsam filzen und voneinander lernen
Das Filzkolleg wird einmal im Jahr vom Filznetzwerk e.V. organisiert. Neben der Filzbegegnung ist es einer der Orte, an denen das Netzwerk unmittelbar erlebbar wird.
Willkommen sind alle, die sich für Filz begeistern – Anfängerinnen ebenso wie erfahrene Filzerinnen und ganz unabhängig davon, ob sie bereits Mitglied im Filznetzwerk sind. Die einen sammeln erste Erfahrungen, die anderen vertiefen ihr Wissen oder widmen sich endlich einem Projekt, das schon eine Weile im Kopf herumspukt.
Begleitet werden die ein- bis mehrtägigen Kurse von Dozentinnen und Dozenten, die fachkundig anleiten und zugleich eigene Wege ermöglichen. Neben allem Wissen und handwerklichem Können war es vor allem die besondere Atmosphäre, die in den Rückmeldungen immer wieder hervorgehoben wurde:
„Ich war zum ersten Mal beim Filzkolleg und bin noch gefangen von dieser wunderschönen kreativen Atmosphäre.“
Es wurde konzentriert gearbeitet, gemeinsam nach Lösungen gesucht, bei den Nachbarinnen geschaut und zwischendurch natürlich auch gelacht. Wer durch die verschiedenen Kursräume ging, entdeckte hinter jeder Tür etwas anderes.
Das umfangreiche Programm lässt sich in einem Rückblick kaum vollständig einfangen. Die folgenden Einblicke zeigen deshalb eine Auswahl der Kurse, Werkstücke und Eindrücke, die uns Dozentinnen und Teilnehmerinnen nach dem Filzkolleg mitgegeben haben.
Farbe auf Wolle und Seide
Im Kurs „Stulpenvariationen mit Seidenmalerei“ bei Heike Spiekermann begann alles mit vorbereiteten weißen Probestücken. Sie boten Raum für erste Farbversuche, doch ihre volle Leuchtkraft zeigten die Farben erst auf direkt bemalten Seidentüchern. Zusammen mit feiner Wolle wurden daraus Pulswärmer und Armstulpen gefilzt, jedes Paar mit einer ganz eigenen Farbwirkung.
Eine Teilnehmerin beschreibt den Prozess so:
„War der Umgang mit der Farbe schon spannend, so verwandelte sich die Arbeit mit der Wolle und der Seide in neue Kunstwerke, die uns zum Staunen brachten.“
Der unkomplizierte Umgang mit den Farben machte Lust auf mehr. Und so dürfte es kaum überraschen, wenn spätestens im Herbst die nächsten Stulpen entstehen. An Ideen mangelte es jedenfalls nicht.
Auch beim “Ecoprint auf Leinen und Leder” mit Rachel van der Weerd bestimmten Pflanzen, Farben und natürliche Spuren das Bild. Blätter, Blüten, Tannine und Eisen hinterließen ihre Abdrücke auf Stoff und Leder – mal zart, mal kräftig und nie ganz vorhersehbar.
Der Platz im Hof unter der Ulme kam bei den hochsommerlichen Temperaturen gerade recht. Für eine Teilnehmerin gehörte der Ecoprint-Kurs zu den besonderen Höhepunkten des Filzkollegs.
Taschen mit Struktur und neue Pläne
Im Kurs bei Kerstin Scherr standen Schollen- und Lamellentechnik im Mittelpunkt. Daraus entstanden ganz unterschiedliche Taschen mit lebendigen, plastischen Oberflächen.
Für manche Teilnehmerinnen waren die Techniken neu, für andere eine willkommene Auffrischung. Bereits Bekanntes bekam einen neuen Zusammenhang und aus einer fast vergessenen Idee wurde wieder ein konkretes Vorhaben.
Eine Teilnehmerin fasst es so zusammen:
„Der Taschenkurs hat viel Spaß gemacht und Vergessenes wieder hervorgeholt.“
Ihre kleine Umhängetasche war nach dem Kurs fertig, das nächste Projekt bereits beschlossen: ein Shopper in Lamellentechnik für die Tochter. So wirkt ein Kurs manchmal noch eine ganze Weile weiter. Das eine Werkstück ist beendet, das nächste hat sich schon leise angemeldet.
Hüte, Kragen und besondere Formen
Gleich mehrere Kurse bei Annemie Koenen widmeten sich Formen für Kopf, Hals und Schultern. Es entstanden Hüte in Modistenpräzision, Kragen mit dreidimensionalen Oberflächen sowie Möbiusschals und Halsschmuck. Wer wollte, konnte die gefilzten Stücke außerdem mit traditionellen Sticktechniken ergänzen.
Die Vorhaben innerhalb der Kurse waren sehr verschieden. Während an einem Tisch ein Hut geformt wurde, wuchs daneben ein Kragen oder ein Möbiusschal. Gerade diese Vielfalt machte es möglich, auch die Arbeitsschritte der anderen mitzuerleben.
Eine Teilnehmerin schrieb dazu:
„Trotz unterschiedlicher Werke fühlte ich mich immer gesehen und konnte gleichzeitig am Entstehen der anderen Arbeiten teilhaben.“
Gelobt wurden immer wieder die klare Anleitung, die ruhige Begleitung und die Zeit für individuelle Fragen. Manche Teilnehmerinnen waren selbst überrascht, was in zwei Tagen alles möglich war. Neben einem Kragen oder Möbiusschal blieb mitunter sogar noch Zeit für ein kleines Schmuckstück.
Am Ende standen stolze Sätze wie:
„Ich habe sehr viel dazugelernt.“ & „Wir sind glücklich.“
Mehr muss ein gelungener Kurs eigentlich nicht beweisen.
Spitzenfilz mit Geduld und Leichtigkeit
Drei hochsommerliche Tage widmete sich eine kleine Gruppe im Kurs von Sabine Reichert-Kassube dem Spitzenfilz. Aus zarter Margilanseide, sehr feiner Wolle, Garnen und weiteren Fasern sollten ärmellose Oberteile entstehen.
Zunächst wurden Probestücke angefertigt und gemeinsam betrachtet. Wie wirken Seide und Wolle miteinander? Welche Linien, Kreise und Zwischenräume ergeben ein stimmiges Bild? Und wie wenig Wolle ist gerade noch genug? Nach dem Berechnen und Abwiegen begann das feine Auslegen. Die dünnen Wollstränge verlangten Ausdauer, Genauigkeit und Fingerspitzengefühl. Sabine Reichert-Kassube erklärte die einzelnen Schritte, begleitete jedes Projekt und behielt auch dann die Ruhe, als die Zeit ein wenig schneller lief. Es wurde gerollt und sanft geworfen. Am Samstagabend waren dann tatsächlich alle Stücke fertig und konnten bei der Modenschau getragen werden.
Ein passender Abschluss für drei intensive Kurstage und für Werkstücke, die sich so leicht anfühlen, als hätte die Wolle für einen Moment das Fliegen gelernt.
Das Filzkolleg widmet sich nicht allein dem Nassfilzen. Immer wieder führen die Kurse auch zu benachbarten textilen und handwerklichen Techniken.
Im ungewöhnlichen „Fliegenden Klassenzimmer“ des Spielmuseums Soltau entstanden bei Helene Weinold farbenfrohe Posamentenknöpfe. Aus Holzrohlingen und Garn wurden kleine, kunstvolle Einzelstücke. Im Aufbaukurs beschäftigten sich die Teilnehmerinnen außerdem mit plastischen Gorlknöpfen nach historischen Vorbildern. Für Helene Weinold war es eine besondere Freude, in diesem außergewöhnlichen Raum eine interessierte Gruppe von Teilnehmerinnen zu begleiten.
Auch Micro-Makramee, und die Gestaltung eigener Filzmasken erweiterten das Programm. Daneben gehörten unter anderem Filzschmuck, Barfußschuhe, Mützen, elastische Bündchen und nahtlose Filzbekleidung zu den angebotenen Kursen.
Dieser Rückblick kann deshalb nur einen Ausschnitt zeigen. Wer während der Woche durch die verschiedenen Räume ging, konnte an fast jeder Tür etwas anderes entdecken und blieb vermutlich öfter stehen als ursprünglich geplant.
Am Ende einer solchen Woche werden die Tische wieder freigeräumt. Wolle, Folien, Schablonen und Werkzeuge wandern zurück in Taschen und Kisten. Die fertigen Stücke werden sorgfältig eingepackt und mit nach Hause genommen.
Aber es reisen noch einige Dinge mehr mit: neue Kenntnisse, frische Ideen, Begegnungen und die Erinnerung an viele Stunden gemeinsamen Arbeitens.
Das Filzkolleg lebt vom Weitergeben und Weiterdenken: von erfahrenen Händen, neugierigen Fragen, unterschiedlichen Blickwinkeln und der Freude daran, das Filzhandwerk gemeinsam lebendig zu halten.
Unser Dank gilt Annemie Koenen, die das Filzkolleg seit vielen Jahren organisiert und mit viel Engagement begleitet hat, ebenso wie allen Dozentinnen und Dozenten, Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie den vielen helfenden Händen, die die Veranstaltung mit Leben gefüllt haben.
Ein besonderer Dank geht an die felto – Filzwelt Soltau, die für eine Woche wieder reichlich Raum für Wolle, Ideen und Begegnungen bot.
Text Ina Birke

