14. Dezember

Angela Teuchert zeigt uns “Das selbstbewusste Chamäleon”

Es gehört zu den verblüffendsten Fähigkeiten im gesellschaftlichen Alltag, dass wir uns verstellen können. Wir können in einer Veranstaltung so tun, als ob wir uns wirklich sehr gerne hier aufhalten. Wir können superfreundlich sein obwohl uns eher danach wäre, laut zu schreien. Wir setzen Masken auf, passend zu jeder Lebenslage. Wenn wir mit Kindern sprechen verändern wir Stimmlage und Wortwahl. Manche Menschen beherrschen das Handwerk der Verstellung, des sich selbst Verbergens so perfekt, dass wir ihre Rollen mit der eigentlichen Persönlichkeit verwechseln. Es war (und ist es vielleicht noch immer) im Laufe der Evolution wichtig, sich tarnen, verstecken und verstellen zu können.

Angela Teuchert hat zu ihrem “selbstbewussten Chamäleon” unter anderem geschrieben: “Chamäleons, die sich auf phantastische Weise farblich ihrer Umwelt anpassen können, versuchen sich dank dieser Mimese für Feinde unsichtbar zu machen. Dieses selbstbewusste Chamäleon hingegen legt seine Verbergetracht ab, passt sich nicht an, zeigt sich wie es ist und versteckt sich nicht. Es bekennt Farbe.”

Es gehört für mich zu den großen Wundern unserer Zeit, dass es immer weniger Gründe gibt, sich zu tarnen, sich zu verbergen, zu tun “als ob”. Sorgen wir dafür, dass uns immer der Raum bleibt eine freie Entscheidung treffen zu können, ob ich mich selbst gerade mal hinter eine Verbergetracht zurückziehe oder mich und alles was mich ausmacht sichtbar werden lasse. Die Freiheit jederzeit frei meine Strategie wählen zu können ist sicher mehr als ein Alltagswunder.

12. Dezember

Diese Lotosblüte von Christine Rusch symbolisiert Vielschichtigkeit und dennoch Einheit.

Ich möchte heute etwas schreiben über all die Filzkünstlerinnen, die sich hier zeigen. Diese Tage leben von den Fotos und die Fotos leben von den Arbeiten, die ihr erst erdacht, dann hergestellt und dann abgelichtet habt, bevor ihr sie vertrauensvoll zur Verfügung gestellt habt. Seit ich diesen Verein kennen gelernt habe, bin ich immer wieder beeindruckt von der Vielfalt und vor allem der Könnerschaft, die unter dem Netzwerkgedanken versammelt ist.

Wir sehen uns viel zu selten und sind doch verbunden. Wenn ich an unser Ausgangsmaterial denke welches allen gemeinsam ist, kann die Unterschiedlichkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und noch etwas hat mich an Filzerinnen immer begeistert. Ihr alle seid wissbegierig, neugierig, wollsüchtig und lernwillig. Jedes Foto auf unserer Website – egal zu welcher Jahreszeit veröffentlicht – spricht für euer kreatives Talent.

Deshalb kann ich nur sagen traut euch raus, macht bei Ausstellungen mit, veröffentlicht eure Arbeiten in Umgebungen, in denen ihnen Wertschätzung zu Teil wird. Wir alle sollten unsere kleinen Filzwunder mehr hinaustragen in die Welt.

Ein guter Anfang wär doch unsere nächste Ausstellung. Traut Euch – auch wenn ihr nicht im Netzwerk sei.

Hier findet ihr sowohl die Ausschreibung als auch das Bewerbungsformular

11. Dezember

Einladung zum Tee von Carola Heuser.

Zucker ist für mich etwas, was einfach in die Adventszeit gehört. Zucker im Tee, ein kleiner Löffel, macht den Tee zu einem ganz neuen Getränk. Zucker in den Plätzchen intensiviert den Geschmack aller Zutaten. Sicher spielt es keine Rolle ob es Rohrzucker, Puderzucker oder Rübensirup ist. Die Lebensmittel zu versüßen geht sicher auch mit Honig. Aber schon um Marmelade einzukochen ist Zucker ein wirklich altvertrautes und vor allem bewährtes Konservierungsmittel, dass sogar schmeckt. Klar, Zucker ist wie so vieles in Verruf geraten, weil es zu viel davon gibt in der Nahrung. Denn wie bei fast allem auf dieser Welt, die Dosis macht es.

Irgendwie erinnert mich die Frage der Dosis an so viele andere Dinge, die uns heute durch den Alltag begleiten. Egal ob das mobile Telefon, das ja schon lange kein Telefon mehr ist sondern mehr und mehr Alltagsfunktionen abdeckt – vom Adressbuch über Kalender bis hin zum Zahllungsmittel – oder Newsletter, die irgendwie gar nicht mehr viel Neues berichten aber immer mehr werden. Zur Zeit werden wir überschwemmt mit Sonderangeboten, mit Versandkostenfreiheit und noch einem Sale.

Und dann die Masse an Adventskalendern. Da stimmt die Dosis gar nicht mehr. Überall kann man, vielleicht, etwas gewinnen wenn man nur seine Adresse hinterlässt und mal kurz ein paar Häkchen macht… Da kommen mir leise Zweifel, ob es richtig ist noch einen Adventskalender zu schreiben. Aber manchmal da schreibt eine von Euch einen Kommentar und ich denke, vielleicht stimmt die Dosis noch.

Apropo Dosis. Gestern habe ich im Bioladen an der Brottheke gestanden und mehr oder weniger geduldig gewartet. Vor mir stand eine ältere Dame – auch ohne Smartphone in der Hand – sie hat mich doch tatsächlich angelächelt. Ich hab einfach zurückgelächelt und schon verging die Zeit schneller. Was so eine unerwartete Dosis Freundlichkeit so alles ausmacht.

7. Dezember

Barbara Eichhorn hat das heutige Foto für den Adventskalender zur Verfügung gestellt. Mich hat die Zartheit dieser Arbeit sofort berührt. Vogelleicht, licht und irgendwie als ob sie tanzen wollte, die Schale.

Sie ist sich selbst genug, muss nichts halten, lässt Licht und Luft durch und doch ist sie ganz präsent. Es gibt Dinge  – und manchmal auch Menschen – auf dieser Welt, die so dringend im Vordergrund stehen wollen, dass sie sich ganz dicht machen, schreiend bunt – im Blocksatz. Man kommt nicht an ihnen vorbei, ohne zu staunen, sich zu wundern oder gar sich zu ärgern. So etwas ist immer gut, wenn die Dinge für den Notfall da sind, z.B. Feuerlöscher, die sollte man sofort sehen und nicht erst suchen müssen. Auch in der Werbung kann es nicht laut, bunt, dicht oder auffällig genug sein.  Wie auch immer die Beweggründe sind, zuviel davon ist unglaublich anstrengend. Gerade jetzt zur Adventszeit haben viele im öffentlichen Raum Verantwortliche verlernt, zart, leise und transparent zu sein. Das Kind, auf dessen Ankunft all diese Tage im Advent vorbereiten sollen, kam nicht mit einem lauten Knall in diese Welt, auch nicht begleitet von tausend Weihnachtsshows und schreiend bunten Lichtern. Es kam in einer stillen Winternacht mit wenig Farbe zur Welt – zart, klein und noch ein wenig transparent – wie wir alle an unserem ersten Tag. Danke Barbara, dass du uns erinnerst, an die Zartheit dieser Tage, dieser Botschaft und das kleine Wunder, das jeden Tag geschieht, wenn sich ein neues Menschlein auf den Weg macht.

Vielleicht habt ihr ja Lust auf eine kleine Aktion, die mir heute spontan beim Screiben eingefallen ist. Eine Maria, nur aus ungefärbten Wollen, ganz zart gearbeitet.

2. Dezember

Wer schon einmal Menschen für ein Thema oder ein Handwerk begeistert hat, wer Kurse gibt, wer Lehererin ist, der kennt den Moment in dem sich die Schülerinnen auf eigene Füße stellen und neue Wege beschreiten. Die ersten zaghaften Lernschritte macht der Mensch oft in der Nachahmung, will sein wie die “Großen”, will können, was die Vorbilder können. Als Teilnehmerin will man gelockt werden durch das Außergewöhnliche, das Besondere. Es soll so perfekt, so großartig sein, was man am Ende mit nach Hause nimmt, wie all die kostbaren Arbeiten der Könnerinnen. Alle Mühe stecken die Studentinnen in die Vervollkommnung des Gesehenen, des bereits von anderen Erprobten.

Und dann passiert es, das Wunder der Idee. Plötzlich wird aus einer ursprünglichen Aufgabe etwas ganz ursprünglich Eigenes, etwas das die Technik nutzt ohne sich am Original abzuarbeiten. Es sind diese Wundermomente, die vom Fisch zur Tasche führen und dabei jedem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Auf eigenen Füßen stehen, die eigene Karft und Kreativität nutzen können und losgehen…

Traut euch, dazu sind Wege da. Vielleicht ist es eine Weile ganz schön auf bereits erforschten und gut ausgebauten Straßen zu gehen. Doch irgendwann ist es der neue, der eigene Weg, der wunderbare Ausblicke bietet. Dort wo schon so viele sind, dort ist auch der Blick verstellt.

Diese herrlich bunte und eigenwillige Tasche entstand unter den Händen von Meike Raßbach. Irgendwie ging es um Fische 😉 – Findet nicht nur euren eigenen Adventsweg!