Wensleydale – Teeswater – die Edellocken

Wenslaydale-Schaf – Foto Yasmin Groß

Wensleydale

Geschichte

Häufig spiegelt der Name englischer Rassen auch den Ursprung wieder. Die Wensleydaleschafe stammen aus den Tälern Yorkshires in Nordengland. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sie aus dem Wensleydale ( Dale= Tal) stammen. . Ende der 1830ziger ist der Beginn dieser Rasse zu verzeichnen. Sie geht auf eine Kreuzung von einem Dishley Leicester-Bock(Vorfahre der heutigen BlueFaceLeicester) und einer örtlichen Langwoll- Rasse namens Muggs, welche vermutlich Teeswaterschafe waren, zurück. Das berühmteste Schaf aus jener ersten Kreuzung, auf welches man in jeder Rassebeschreibung trifft, ist der Bock Bluecap.

Foto Yasmin Groß

 

Wensleydales zählen zu den englischen Langwollschafen und sind im Vergleich zu den alten Landschafrassen, welche in Deutschland zu finden sind, eine sehr junge Rasse. Erst 1876 wurde sie offiziell unter dem Namen „Wensleydale“ als Rasse eingeführt.

Bis zu den 1920zigern wuchs die Zahl der Züchter bis auf ca. 180 registriere Zuchtbestände an, dann gab es ab 1930 auch bei dieser Rasse einen massiven Einbruch der Zucht. So wurde diese Rasse 1973 vom Rare Breeds Survival Trust auf die Liste der gefährdeten Rassen gesetzt.

Ab 1980 wuchs der Bestand langsam wieder, aber noch immer zählt die Rasse zu den seltenen und gefährdeten Rassen Großbritanniens.

In den späten 1990zigern wurde unter anderem diese Rasse durch künstliche Besamung in Amerika eingeführt.

In Deutschland sind es inzwischen vermutlich ca. 300-400 Tiere. Wobei das lediglich eine Schätzung ist, denn die meisten Tiere dieser Rasse leben in sehr kleinen Beständen und nur ein kleiner Bruchteil wird im Herdbuch gezüchtet.

 

Rassebeschreibung

Wenn man als Filzer/in Wensleydale hört denkt man sofort an wunderschöne weiße Korkenzieherlöckchen. Diese sind wohl auch das bekannteste Merkmal der Rasse.

Foto Yasmin Groß

Der Großteil des Wensleydaleschaf-Bestandes ist vom weißen „Farbschlag“, aber es gibt auch dunkle Wensleydaleschafe, deren Farbvariationen von Schwarz über Braun zu Grau alles bereithalten. Da aber erst in den 90zigern in England ein Zuchtbuch für Schwarze Tiere zugelassen wurde ist der Bestand an dunklen Tieren sehr gering.

Die Schafe dieser Rasse gehören mit zu den schwersten Schafen Großbritanniens, sie haben einen breiteren Körperbau und einen starken Nacken. Die Auen werden laut diverser Rassebeschreibungen bis zu 90kg schwer und die Böcke bis zu 130kg. Aufgrund dessen gehört diese Rasse auch zu den Zweinutzungsrassen: Wolle und Fleischertrag.  Von einigen Züchtern in Deutschland weiß ich aber, dass die Auen eher um die 70kg liegen.

Wensleydales sind erst mit 3 Jahren vollständig ausgewachsen. In ihrer Heimat werden sie als sehr robust bezeichnet. In Deutschland gelten sie als anspruchsvolle Rasse, aber sie kommen trotzdem wunderbar mit einem Offenstall zurecht. Sie benötigen gutes Futter, vor allem auch im Winter. Des Weiteren ist der Kupferbedarf bei dieser Rasse erhöhter als bei anderen Schafrassen. Kupfermangel macht sich beispielsweise durch weniger stark gelockte Wollstapel sichtbar.

Foto Yasmin Groß

Im Wesen gibt es glaube ich große Unterschiede. Es gibt die zutraulichen und verschmusten Tiere, aber auch die “scheueren“ Exemplare mit einem stärker ausgeprägten Fluchtreflex. Im Vergleich mit Rassen wie die Zackelschafe oder Skudden sind sie allerdings deutlich ruhiger im Wesen.

 

Wolle

Typisch für englische Langwollschafe haben auch die Wensleydales wunderschöne Locken. Die Locken sind sehr gleichmäßig gebogen, nur bei der Wolle von Jährlingen hängen die Spitzen vielleicht ein wenig aus.

Bei dunkleren Tieren gibt es offenbar von Tier zu Tier häufiger Variationen von Locken, während die weißen Tiere immer diese typischen Korkenzieherlocken ausbilden.

Die Locken können bei Jährlingen der ersten Schur zwischen 25-35cm lang werden, länger habe ich sie bisher noch nicht in der Hand gehabt. Und bei den erwachsenen Schafen erreichen die Locken bei einer Schur im Jahr eine Länge zwischen 12-20cm, bei zweimaliger Schur sind die Locken kürzer und erreichen meist nur bis ca. 12-15cm Länge. Wobei ich persönlich hier noch keine Erfahrungen sammeln konnte, da alle Züchter bei denen ich kaufte nur einmal im Jahr scherten.

Die Angaben der Wollerträge schwanken stark, aber 5-7kg bringt so ein Vlies in der Regel bei einmaliger Schur im Jahr auf die Waage, wenn es ein sogenanntes Shearlingsvlies (ein Jährlingsvlies) dann können es auch 7-8kg werden. Allerdings fällt hier auch mehr Abfallwolle an als bei anderen Rassen, da die Wensleydales bis auf wenige Stellen überall bewollt sind.

Die Feinheit wird in allen Quellen zwischen 33-35micron benannt.

 

Teeswater

Geschichte

Anders als die Wensleydaleschafe, bei denen die Herkunft genau belegt ist, heißt es bei den Teeswaterschafen nur, dass sie von einer von Römern eingeführten großen Schafrasse abstammen. Aus dieser großen Schafrasse entwickelten sich laut dem englischen Zuchtverein auch andere Langwollrassen wie auch Lincoln, Devon, Cotswold oder Leicester Longwools.

Erste Aufzeichnungen über die Teeswater gibt es offenbar Anfang des 18. Jahrhunderts als sie nach Tasmanien exportiert wurden.

Benannt wurden Teeswaterschafe nach Fluss Tees, weshalb es hierbei aber Teeswater und nicht wie bei den Wensleydales Teesdale heißt, konnte ich nicht herausfinden. Damals wurden sie bei den dortigen Bauern allerdings nur Mug Tups genannt und auch heute heißen sie bei Menschen in Nordengland noch häufig Mugs.

Die Rasse stand in den 1920zigern kurz vor dem Aussterben bis es sich herumsprach, dass sich die Böcke hervorragend dafür eignen in Gebirgs-Rassen einzukreuzen. Diese Kreuzungsrasse ist unter dem Namen Masham bekannt. Die bekannteste Rasse, die aus einer Kreuzung mit einer Mugg-Aue herausgegangen ist dürften allerdings die Wensleydales sein. Durch diese Kreuzungsmöglichkeiten erfreut sich die Rasse immer mehr an Beliebtheit, dennoch steht sie noch auf der Liste der gefährdeten Rassen und tatsächlich wurde erst 1949 ein Zuchtverband für diese Rasse gegründet.

Rassebeschreibung

Teeswater Schafe – Foto Yasmin Groß

Während die anderen Langwollrassen weiße Köpfe behielten, entwickelte sich bei dem Teeswater ein weißes Gesicht mit dunkler Nase , dunklen Haaren um die Augen und teilweise dunkle Ohren und Beine.  Im Gegensatz zum Wensleydaleschaf ist das Gesicht behaart und nicht teilweise bewollt, das war zumindest meine Beobachtung in England.

Und auch diese Rasse zählt zu den größten Rassen, die Auen können bis 90kg und die Böcke bis 120kg schwer werden.

Auch sie gelten als sehr robust, müssen aber ebenfalls im Winter gutes Futter erhalten. Diese Rasse wird auch als sehr fruchtbar gewertet, denn die Ablammquote bei den Auen liegt bei 200%. Dies bedeutet, dass Zwillingsgeburten die Regel sind. Diese Fruchtbarkeit wird bei der Einkreuzung in andere Rassen mit übergeben.

Wolle

Teeswaterschafe haben ebenfalls überall lange weiße Locken am Körper, die aus meiner Sicht aber nicht so stark korkenzieherartig wirken, wie die Wolle der Wensleydales. Die Locken haben einen schönen Glanz und erreichen eine Länge bis zu durchschnittlich 20-25cm bei erwachsenen Tieren. Die Schur der Jährlinge wird auch hier deutlich länger.

Die Faserstärke beträgt 32-53 Micron und das Vlies hat ein Gewicht von 4-8kg.

Text Rassebeschreigungen Yasmin Groß

 

 

Wollbetrachtung  und  Filzbarkeit

Die Filzversuche werden hier für beide Rassen gleichzeitig vorgestellt, zumal sich zeigte, dass sie sich ganz ähnlich verhalten.

Foto Margit Röhm

Wie bei den vergangenen Proben auch, werden hier je Schafrasse je zwei Filzproben mit unterschiedlichem Gewicht erstellt. Bei der Wensleydale-Wolle liegt mir eine lange schwarze und eine deutlich kürzere weiße Wolle vor. Es ist anzunehmen, dass die kurze Wolle von einer Zweitschur stammt. Leider kann ich keine ganzen Vliese begutachten, da Wensleydale im Allgemeinen als Einzellocken verkauft wird. Die Betrachtung der Gesamtmenge zeigt aber durchaus unterschiedliche Qualitäten aus einem Vlies. Die Schwarze Wensleydale hat eine gezogene Faserlänge von ca. 30cm, die weiße Wensleydale von ca. 17cm und die Teeswaterwolle hat eine Faserlänge von ca. 25cm. Die starkte Verschmutzung der weißen Wensleydale Wolle macht es sehr schwer, hier einigermaßen zuverlässig 3g Wolle abzuwiegen. Ich gehe davon aus, dass es sich nach dem Filzen um weniger als 2 g handeln wird. Hier zeigt sich ein weiteres Problem unserer Versuchsreihe, wir hatten vereinbart, die Wolle als Rohwolle zu gegutachten und zu verfilzen. Das steigert aber die Fehlerquote beim wiegen erheblich. Für zukünftige Versuche muss dies noch überarbeitet werden. In jedem Fall wurden jeweils eine Filzprobe mit 3 Gramm und eine mit 10 g auf eine Fläche von 20x20cm ausgelegt und fertig geschrumpft. die unten stehende Tabelle zeigt die Ergebnisse.

Die erstaunlichste Erkenntnis bei den Wensleydalewolle war, dass beide eine etwa gleich große Schrumpfung ergeben. Bei der extrem unterschiedlichen Faserlänge hätte etwas anderes vermutet werden können. Die Wolle weist bei der Verarbeitung keine erwähnenswerten Besonderheiten auf. Die Wolle wird sehr schnell nass, was auf wenig hartnäckigem Wollfett schließen läßt. schon die erste Betrachtung der Wolle zeigte eine leichte Fettigkeit an der Schnittkante, es handelt sich aber um eine eher ölige Substandz und nicht um das gelblich klebrige Lanolin.

Gleiche Beobachtungen lassen sich auch bei der Teeswaterwolle machen und auch die Filzbarkeit verhält sich ähnlich.

 

Wollsorte Anfangs-gewicht Anfangsgröße Endgewicht Endgröße Schrumpfungsfaktor
Wensleydale schwarz 3g 20×20 cm 9 x 8,8 cm 2,2
Wensleydale schwarz 10g 20×20 cm 12,5 x 12,5 cm 1,6
Wensleydale weiß 3g 20×20 cm 9,5 x 9,3 cm 2,1
Wensleydale weiß 10g 20×20 cm 12,5 x 12,5 cm 1,6
Teeswater 3g 20×20 cm 8,5  x 8,8 cm 2,35
Teeswater 10g 20×20 cm 12,5 x 12,5 cm 1,6

Besonders zu erwähnen ist natürlich die außerordentlich schöne Struktur der fertigen Filze. Gerade für durchscheinende Objekte eignet sich deshalb die Wensleydalewolle sehr.

 

Felle Filzen:

die Wolllocken dieser Schafrassen werden wegen ihrer außerordentlich schönen Optik vorzugsweise als Locken aufgefilzt. Es ist dabei gar nicht so einfach, die Locken auf den Filz aufzubringen, da der Wolle die Unterwolle fast vollständig fehlt und deshab die Locken selbst für die nötige Haftung sorgen müssen. Das führt aber fast zwangsläufig dazu, dass die Locken selbst verfilzen und sich Threadlocks bilden. Das sorgfältige auseinanderziehen der Stapel während des Walkens führt aber leider zum Verlust der Lockigkeit. Es gilt also, den goldenen Mittelweg zu finden. Trotzdem ist es mit etwas Sorgfalt natürlich möglich und bringt außerordentlich schöne Felle hervor.

Fazit

diese Edellocken sind aus der Filzwelt nicht wegzudenken. Sie sind sehr fein und fühlen sich sehr weich an. Gerade für Kleidung perfekt geeigent und auch als aufgefilzte Locken für Puppen und Dekoration sehr schön geeignet. Allerdings macht es mir der Preis der Wolle sehr schwer, mich für diese edlen Löckchen zu einscheiden.

 

Text und Fotos Versuchsreihe:  Margit Röhm