Rauwolliges Pommersches Landschaf

Rauwollige Pommersche Landschafe – Foto Christoph Holler

Geschichte

Ein 3.600 Jahre alter, vor der Ostseeinsel Rügen gefundener, mit einer Bootsbaustelle untergegangener Handschuh erbrachte den Beweis: Die Vliese der heutigen Rauhwolligen Pommerschen Landschafe gleichen denen ihrer Vorfahren aus der Frühzeit im wahrsten Sinne des Wortes bis aufs Haar. Die heutigen Pommerschen Landschafe gehört zu den alten Nutztierrassen und stammt vom Zaupelschaf ab, das früher in Mitteleuropa weit verbreitet war. Heute ist aber auch diese Rasse vom Aussterben bedroht.

Rassebeschreibung

Foto – Christoph Holler – www.rauhwoller-in-rinteln.de

Das Pommernschaf ist ein schönes und genügsames Tier, das in der Landschaftspflege wertvolle Dienste leistet. Die Tiere sind mittelrahmig, sie haben hervorragende Muttereigenschaften und eine gute Milchleistung. Früher wurde es sogar zur Milchproduktion genutzt.
Die Lämmer der Pommern werden schwarz geboren. Kopf und Beine bleiben schwarz, die Wolle wird grau, dabei sollen die Zunge blau und der Gaumen dunkel sein. Beiden erwachsenen Schafen findet man Vliese von silbergrau bis fast schwarz: grau, graublau, blaugrau und blau sind die offiziellen Bezeichnungen, die Übergänge sind fließend. Nicht gewünscht und von der Zucht ausgeschlossen werden schwarze und weiße Vliesträger, erwünscht ist ein einheitliches Grau am Tier. Ein Aalstrich kommt vor und Böcke können eine schwarze Mähne haben. Das Grau der Pommern setzt sich aus weißen und schwarzen Fasern zusammen. Wie hell oder dunkel es wird macht dann die Mischung. Warum die Pommern der Zucht auf weiße Wolle entgingen finde ich ja ziemlich spannend. Die Wolle wurde traditionell von der Landbevölkerung für Arbeitskleidung verwendet, die weiche graue Wolle wurde sehr gelobt.

Die Wolle

Das Vlies des Pommernschafs soll 12-25% Haare enthalten. Frau Kurth-Kun hat 1999 über die Zusammensetzung der Fasern berichtet. Sie hat vier verschiedene Haartypen und Wollfasern am Pommernschaf (u.a. Schafen) gefunden, die bei den Pommern aber in typischer Häufigkeit vorkommen: Kemp/Stichelhaar kommt nur bei wenigen Pommern überhaupt vor. Ein dem Kemp ähnliches Langhaar, das ebenfalls markhaltig ist (und dadurch steif und kratzig) kommt selten vor, aber es gibt immer mal wieder Individuen, die diese Fasern tragen, dann auch in großer Zahl. Weitaus häufiger sind Langhaare, die kaum noch Mark enthalten und hohl sind. Dadurch sind sie flexibler und weicher. Sie bilden im Wesentlichen den „Regenmantel“ der Pommernschafe. Die Langhaare/ das Überhaar, wie es auch genannt wird, wächst besonders in den Sommermonaten, ist dann deutlich länger als die Wollfasern und schützt im Herbst vor dem Regen. Hinzu kommen noch wollige Langhaare und Wollfasern. Die wachsen am besten im Winter und wenn im April/Mai geschoren wird, dann sind sie fast genauso lang wie die Langhaare. Sie bilden den Hauptteil des Vlieses, das eine weiche, wärmende Wolle liefert.
Um das Chaos perfekt zu machen: jede Faser hat eine eigene Struktur, nicht nur markhaltig, hohl, massiv (Wollfasern) sondern auch eine eigene Krümmung. Diese unterschiedlichen
Durchmesser und Krümmungen (ein gleichmäßiger Krimp ist nicht gewünscht!) ergeben das Chaos, das die Luftkammern in der Wolle produziert, und von dem nicht nur das Schaf sondern auch der Pulloverträger profitieren- es wärmt ungemein! Garn aus Pommernwolle ist sehr voluminös und leicht.
In der Zucht wird eine durchschnittliche Feinheit der Wolle in den Feinheitsklassen C und CD angestrebt. Das entspricht einer mittleren Feinheit von 32,1-40μ. Häufig sind die Wollen aber auch feiner- BC und B Wollen sind nicht selten, ein stattlicher Bock kann aber auch mal eine D Wolle haben. Dabei kommen im Vlies Fasern von 4μ bis 60μ, manchmal bis 80μ vor. Ein großer Anteil von feiner Wolle (A-Bereich) ist im Vlies enthalten.

Text – Karin Holler
www.rauhwoller-in-rinteln.de

 

Filzversuche

Wie im Text oben schon eindrucksvoll beschrieben, haben wir es bei der Wolle des Rauwolligen Pommerschen Landschafes mit einer Mischwolle zu tun. Auch wenn das Vlies auf den ersten Blick eine gleichmäßige Faserlänge aufweist, täuscht dieser Eindruck über die Verschiedenartigkeit der einzelnen Fasern hinweg. Bei genauer Betrachtung lassen sich die verschiedenen Fasertypen durchaus erkennen und mit viel Fingerspitzengefühl auch trennen.

Mir liegt Rohwolle in mittlerem Grau und einer Faserlänge von ca. 12cm vor. Das Vlies fühlt sich stark fettig an, ist aber nicht klebrig. Die Stapel lassen sich einfach trennen und dadurch auch leicht auslegen.

Wie üblich werden zwei verschiedene Filzproben erstellt. Eine dünne mit 3g Wolle auf 20×20 cm und eine mit 10g Wolle auf 20x20cm Fläche. Die Ergebnisse finden sich in der unten stehenden Tabelle.

 

Anfangsgewicht Anfangsgröße Endgröße Schrumpfungsfaktor
10g 20×20 cm 10,5×11 cm 1,73
3x 20×20 cm 7,5×7,5 cm 2,66

Auffällig ist hier der enorme Schrumpfungsfaktor der Wolle. Fast macht es den Anschein, als wolle sie gar nicht aufhören zu schrumpfen. Trotzdem bleibt der Filz anschließend erstaunlich flexibel. Was außerdem auffällig ist, die Stickelhaare filzen sich auch während der starken Walkfase nicht aus dem Filz. Es bleiben auf der Arbeitsfläche zwar einzelne kurze Haare zurück, es handelt sich dabei aber eher um abgebrochene oder abgeschnittene Kurzfasern.

Ganz anders verhält sich das beim Filzen eines Felles. Die Technik selbst ist hierbei sehr einfach anzuwenden. Die Pommernwolle lässt sich sehr einfach aufstellen und verhält sich beim Filzen sehr kooperativ, sie filzt zügig auf dem Untergrund fest und gibt Zeit, die einzelnen Haarespitzen wieder zu lösen. Beim Aufzupfen des Felles zeigen sich aber sehr deutlich Stichelhaare und Grannen. Sie filzen so überhaupt nicht im Fell fest. Ständig lösen sich Haare, die dann unangenehm zwischen den Fingern kleben.

Trotzdem ergibt Pommernwolle unglaublich schöne Felle. Sie sind sehr dicht und standfest. Trotz ihrere dunklen Grundfarbe läßt sich Pommernwolle gut färben, weil immer genügend helle Fasern vorhanden sind, dass eine ausdrucksstarke Farbe entsteht.

 

Fazit:

Rauwollige Pommersche Landschafe haben eine wunderbar abwechslungsreiche Wolle, die sich für Gebrauchsgegenstände wunderbar eignet und gar nicht so rau ist, wie der Name vermuten läßt.
Vor allem finde ich aber die Schafe unwahrscheinlich schön und möchte deshalb unbedingt dazu beitragen, diese Rasse zu erhalten.

Filzversuche und Fotos Filzversuche Margit Röhm