Bentheimer Landschaf

Geschichte:

http://www.bentheimer-landschaf.de/s/img/emotionheader14582949.jpg?1420904921.920px.442px

Foto: Tobias Böckermann, Land Unter e.V.

Geschichte

Das Bentheimer Landschaf gehört zu den jüngeren Landschafrassen Deutschlands. 1868 wurde in der Literatur erstmals ein Schaf erwähnt, welches dem Bentheimer Landschaf stark ähnelt. Und von dieser Rasse wurden 1867 mehrere tausend Tiere nach Frankreich exportiert, wo sie aufgrund des hohen Schlachtgewichtes und ihrer Anspruchslosigkeit sehr beliebt waren.  Als Bentheimer Schaf wurde die Rasse aber erst 1918 schriftlich benannt. Der Name hat auch hier seinen Ursprung, wie bei den meisten Rassen, von dem Gebiet aus dem die Rasse ursprünglich stammt, nämlich aus der Grafschaft Bentheim im Weser-Emsland.

In Deutschland wurde die Rasse erst 1934 als eigenständige Rasse anerkannt. Und seitdem wird sie als robustes, großrahmiges Moor- und Heideschaf gezüchtet.

Diese Rasse zeichnet die hervorragende Marschfähigkeit, feste Klauen, Widerstandsfähigkeit und Anspruchslosigkeit aus. Des Weiteren haben sie hervorragende Muttereigenschaften, gelten als besonders fruchtbar und das Fleisch soll eine sehr gute Qualität haben.

Foto
Tobias Böckermann,
Land Unter e.V.

Immer wenn man von dem Bentheimer Landschaf liest, wird gleichzeitig die niederländische Rasse Schoonebeeker erwähnt. Diese beiden Rassen werden häufig als Schwesterrassen bezeichnet, weil sie sich genetisch sehr ähnlich sind. Dies ist darauf zurück zu führen, dass das Bentheimer Landschaf sich aus Kreuzungen entwickelt hat, bei denen das niederländische Drenthe Heideschaf eine große Rolle spielt.

Der große Unterschied ist aber, dass beim Bentheimer Landschaf die Wolle am Körper immer reinweiß ist, während es bei den Schoonebeecker‘s eine große Farbvielfalt gibt.

Leider verlor auch diese Rasse mit den Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung und die Zahl der Zuchttiere schrumpfte in den 70ziger Jahren auf nur 50 Herdbuchtiere. Aufgrund der geringen Population war es nicht möglich diese Rasse ohne Inzucht zu erhalten, so entschloss man sich in den 80ziger Jahren Böcke der französischen Rasse Causses du Lot einzusetzen. Diese verbesserten neben dem Muskelansatz auch das Wollvlies. Neben den französischen Böcken kamen vereinzelt auch Rhön- und Drenthe Heideschafböcke zum Einsatz.


Foto Nutztierarche

Edith Kruse-Hinrichs
Foto Nutztierarche

Edith Kruse-Hinrichs

Seitdem steigt die Zahl der Zuchttiere wieder an und ist heute auf knapp 2500 Muttertiere und 120 Böcke angewachsen, dazu kommen noch mehrere Tausend Gebrauchstiere, die nicht in der Herdbuchzucht gezüchtet werden. Die heutige Population geht auf neun Zuchtlinien zurück, von denen aber nur drei Linien aus Deutschland stammen.  Ein großes Thema bei der Zucht dieser Rasse ist die Scrapieresistenz, die nur bei ca. 10% aller getesteten Tiere auftritt. Es wird geschätzt, dass mit dem Schwerpunkt der Zucht auf jene resistente Tiere, wertvolle Eigenschaften der Rasse verloren gehen.

Foto:
Tobias Böckermann, Land Unter e.V

Rassebeschreibung und Wolle

Das Bentheimer Landschaf ist das größte deutsche Heideschaf. Es hat lange Beine, die Böcke haben eine Widerristhöhe von 70-80 cm und wiegen 80-90kg, die Auen sind meist 10cm kleiner und mit 60-70kg entsprechend leichter. Beide Geschlechter sind hornlos und haben einen langen bewollten Schwanz.

Der Kopf ist länglich und schmal, unbewollt und ramsnasig. Um die Augen herum sind schwarze Abzeichen und meist haben die langen, abstehenden Ohren schwarze Spitzen, ebenso sind dunkle Flecken an den Beinen häufig. Die Wolle am Körper des Schafes ist reinweiß und schlichtwollig. Wie bei allen Landschafrassen ist auch hier die Feinheit eher im gröberen Bereich und liegt bei ca. 37 Mikron. Die Böcke liefern ca. 4-5kg Wolle im Jahr und die Auen 2,5-3,5kg.

Text Yasmin Groß

Foto: Tierpark Nordhorn (Franz Frieling

Wolle

Bei der Betrachtung der Wolle ist man versucht, die Wolle des Bentheimer Landschafes als schlichtwollig zu bezeichnen. Auf den ersten Blick sind hier keine unterschiedlichen Fasertypen zu erkennen. Bei genauer Betrachtung lassen sich aber auch hier einzelne weiße Stichelhaare finden. Die langen Grannen und Wollhaare hingegen sind nur sehr schwer zu unterscheiden, zumal auch die langen Grannen zum Schnitt hin eine feine Kräuselung aufweisen und sich deshalb kaum von den nur wenig kürzeren Wollhaaren absetzen. Trotzdem handelt es sich auch bei der Wolle des Bentheimer Landschafes um eine Mischwolle.

Filzversuche

Wie immer werden je 3g Wolle und 10g Wolle auf eine Fläche von 20x20cm ausgelegt und gefilzt. Nachfolgende Fotos entstanden während des Filzprozesses.

3 g Wolle und 10g Wolle je auf eine Fläche von 20x20cm ausgelegt

Wie die Fotos zeigen, filzt die Wolle sehr bereitwillig. Die vergleichsweise einheitlichen Fasern geben dabei ein sehr schönes Filzbild mit einheitlicher schöner Lockenstruktur. Beim dünnen Filz ist diese Struktur besonders schön zu erkennen.

Die fertigen Filze weisen dabei eine Schrumpfung von

Faktor 2 (3g Wolle) Endmass 10x10cm

Faktor 1,6 (10g Wolle) Endmass 12x12cm

Es entsteht ein sehr fester Filz, der eine gute Elastizität aufweist. Die Oberfläche ist leicht haarig und es stehen einzelne Locken ab. Allerdings ist eine deutliche Kratzigkeit nicht zu Leugnen.

Fazit

Eine sehr schöne, wenn auch nicht besonders feine Wolle für robuste Filze gut geeignet.

Filzversuche und Fotos Filzversuche – Margit Röhm

Ein herzliches Dankeschön geht an die Unterstützenden Fotographen:

Tierpark Nordhorn (Franz Frieling)
https://www.tierpark-nordhorn.de/

Land-Unter e.V. Tobias Böckermann
http://www.bentheimer-landschaf.de/

Nutztierarche Kruse
Edith Kruse-Hinrichs