noch 20 Tage

Was fangen wir an mit Zeit? Mich bewegt diese Frage schon seit vielen Jahren beruflich wie privat. Es sind 24 Stunden pro Tag, die vergehen, ob ich das registriere oder nicht. Weg sind sie. 24 Stunden müssen reichen für Schlaf, für all die Grundbedürfnisse und für die Sahnehäubchen obenauf. 24 Stunden füllen oder verstreichen lassen, verschlafen oder anpacken. Ist Zeit eigentlich ein Wert an sich? Wird Zeit wertvoller, weil wir sie im Kalender festschreiben, in Scheibchen aufteilen und mit gewichtigen Überschriften versehen? Ich bin keine Philosophin und keine Physikerin. Dennoch gibt es eine Gewissheit – ich kann sie nicht festhalten, die Zeit. Sie vergeht. Selbst Wasser kann ich sammeln, auffangen und speichern. Zeit gewinnen zu wollen ist eine Illusion. Jeder Vorgang, den ich rationalisiere, spart Zeit. Aha! Und dann? Gibt es sie wirklich, die Zeitsparkasse? Ich hab sie noch nicht gefunden. Und dann frage ich in jedem Seminar, was man wohl macht mit der gewonnen Zeit? Wollen sie wirklich mehr Zeit? Was fangen wir an mit Zeit?

Ich bin für ein Experiment: Wir leben ein paar Tage nach unserer inneren Uhr. Wenn Hunger, dann Essen; wenn Neugierde, dann lernen oder forschen; wenn Lust dann lieben; wenn Ruhebedürfnis dann Rückzug und wenn Müdigkeit dann Schlaf. Wir machen einfach mal, was unsere innere Stimme sagt und wenn die tätig sein will, dann wird sie uns das schon spüren lassen. Können wir das überhaupt aushalten? Können wir diese innere Stimme überhaupt noch hören? Wenn nicht jetzt, wann dann?!?

Und wenn ihr den unwiderstehlichen Drang verspürt, Fenster zu putzen, dann macht das. Nicht rechtfertigen, einfach tun. Und wenn ihr lieber sticken wollt, dann stickt. Geben wir unseren inneren Stimmen eine Chance!

Dieser Tage hat in unserer wunderbaren Gemeinschaft ganz spontan jemand auf seine innere Stimme gehört und eine Spende auf den Weg gebracht, damit Kolleginnen, die es gerade besonders “dicke” trifft, keine Sorge haben müssen, wenn sie ihren Vereinsbeitrag zur Zeit nicht zahlen können. Wir wollen zusammen bleiben und füreinander einstehen. Ich hab erst einmal meine Zeit damit verbracht, meiner inneren Stimme die Tränen zu erlauben. Ich bin so dankbar, in einer solchen Gemeinschaft meine Zeit zu verbringen. Wir sind nicht nur kreativ mit Wolle sondern vor allem im Umgang miteinander. Und immer, wenn wir Zeit miteinader verbringen, sind wir anschließend bereichert! Danke an alle, die diese Gemeinschaft durch die Zeit tragen!

noch 21 Tage

Der grüne Frühling von Annemie Koenen

Heute am Sonnatg habe ich einen Grußtext für euch von Annemie Koenen, die schon viele Jahre zu unserer Mitgliedschaft gehört und das Filz-Netzwerk in den Niederlanden bekannt macht. Viel von uns haben durch sie ihre Leidenschaft für das Sticken entdeckt. Schaut einfach mal bei ihr vorbei!

Wir leben gerade in einer unwirklichen Zeit und wissen nicht, wie lange es dauern wird. Aber neben den Sorgen um Gesundheit und Lebensunterhalt entstehen auch viele neue herzerwärmende und kreative Ideen, um den Menschen um uns herum zu helfen.
Lasst uns positiv mit der aktuellen Situation umgehen. Jeder Nachteil hat auch seinen Vorteil.
Und zusammen sind wir stark!
Manchmal kann es sein, wenn wir auf einen solchen Nullpunkt zurückgeworfen werden, um neue Dinge hervorzubringen, an die wir sonst überhaupt nicht gedacht hätten. Der Frühling ist da! Wir können die frische Luft draußen atmen. Mit weniger Stickstoff, weil weit weniger Autos fahren. Die Sonne scheint. Die Knospen entspringen und verkünden neues Leben im Zyklus des Jahres.

Gute Gesundheit und viele kreative Ideen für alle.
Ganz liebe Grüße, Annemie

noch 22 Tage

Zukunft hatte noch selten so merkwürdigen Klang, wie zur Zeit. Zwischen überbordender Hoffnung auf bessere, gar vernünftigere Zeiten und Endzeitstimmung scheinen wir hin und her gebeutelt zu werden. Und da uns keiner so recht erklären kann, was sein wird, blühen die wildesten Theorien erst recht. Je weniger wir die Verlässlichkeiten, auf die wir ein Recht zu haben glauben, in die Hand bekommen, je unsicherer werden wir. Mir fällt dabei eine Filz-Übung ein, die ich, inspiriert durch Petra Kunz, immer mal wieder in Gruppen einsetze. Jede und jeder darf sich einen Stein aussuchen der dann nach und nach mit Wolle umhüllt und zum Schluss fest eingefilzt wird. So weit, so klar. Aber die TeilnehmerInnen dürfen immer nur eine Schicht Wolle auftragen – dann muss der zukünftige Ball weiter gereicht werden, je häufiger, je besser. Irgendwann ist man nicht mehr sicher, wer wessen Stein gerade in der Hand hält. Erst wenn zum Schluss der Filzball aufgeschnitten wird um ihm sein Geheimnis zu entlocken, erst dann könnte der Stein seinen Weg zurück zum Aussuchenden finden. Das gelingt auf unterschiedlichen Wegen und ist dennoch nicht immer das Ziel. Manchmal kann man seinen Stein auch jemand anderem überlassen, loslassen und etwas Neues, unerwartetes bekommen. Sich einlassen auf die Wege, die uns offen stehen und an Verzweigungen nicht stehen bleiben, sondern einfach mal einen Schritt wagen. Gewissheiten und Sicherheiten sind so trügerisch. Und gerade deshalb ist es so wohltuend, der Zukunft zu vertrauen und Pläne zu schmieden. Ich bleibe in Gedanken immer wieder an dem Spruch hängen, dass das Leben passiert, während wir Pläne schmieden. Manchmal passt das zusammen – und manchmal eben nicht. Deshalb keine Pläne und Träume mehr zuzulassen, zu resignieren macht nur müde und krank!

Wir haben immer noch den Plan im Sommer 2020 das Filz-Kolleg in Soltau durch zu führen. Wir werden uns die Hoffnung auch nicht nehmen lassen und zeigen euch deshalb dieser Tage immer wieder mal, was wir uns dafür vorgenommen haben. Heite habe ich Westen-Fotos von Susanne Breuling mitgebracht. Ihr Workshop soll vom 13. bis 15. Juli statt finden. Wie gesagt, wir vertrauen sehr darauf, dass es noch was werden kann mit Soltau. Natürlich wird jede Anmeldung risikolos sein, das bedeutet, wer sich anmeldet kann jederzeit zurücktreten – oder wir werden eben ausgebremst. Doch keine Pläne bedeutet für mich, dass wir kein “Apfelbäumchen mehr pflanzen” würden, dass wir den Dystopien Raum geben. Durch Sorgen machen und sich fürchten ist noch nie etwas gestaltet worden. Macht Pläne, lasst neue Ideen zu und hab ein wenig Vertrauen in die Zukunft. Wir fasten so manches in diesen Tagen, aber die Zuversicht wird nicht gefastet.

noch 23 Tage

Ursula Weber-Hejtmanek hat uns heute Morgen “geweckt” mit der Botschaft, dass heute Frühlingsanfang ist. Mir ist gerade egal, ob es der meteorologische oder der kalendarische Frühlingsanfang ist – Hauptsache das Licht wird heller, die Farben leuchtender und die Luft beginnt zu duften. Sicher, es wird besttimmt noch mal kalt oder es gibt sogar Schnee. Macht auch gar nichts, die Frühblüher sind dafür gemacht, all diese Schwankungen mit zu machen.

Ganz besonders gut können Filzblüten mit den Schwankungen umgehen, wie man an den herrlichen Krokussen von Ina Jeromin sieht. Sich an den Formen der Natur zu orientieren hilft der eigenen Fantasie auf die Sprünge und weckt Gestaltungskraft. Wer jetzt Lust bekommt, sich alleine oder mit seinen Kindern gemeinsam kreativ zu betätigen, der kann sich von unseren erfahrenen Filzerinnen leiten lassen. Ina Jeromin hat dazu einen Vorschlag ausgearbeitet, der hier kurz vorgestellt werden soll: Ina filzt nicht nur seit vielen Jahren, sondern verkauft auch Wolle und Filzzubehör (www.InasFilzshop.de). Solange die Ladenschließung anhält, könnt ihr euch umfangreich telefonisch beraten lassen (0173/563 5406), erhaltet ein Angebot für ein individuell zusammengestelltes Materialpaket und könnt es euch zusenden lassen. Außerdem wird sie kleine Anleitungen für das Filzen mit den Kindern unter “Bunte Truhe” auf Facebook vorstellen.

Ich möchte betonen, dass wir hier was tun, was nicht nur wie Werbung aussieht. Es ist auch Werbung. Werbung für unsere selbstständigen Filzerinnen und für unser aller Handwerk. Seit Wochen brechen den Kunsthandwerkerinnen die Möglichkeiten weg, ihre Kundinnen zu erreichen. Wir wollen gemeinsam kreativ sein nicht nur im Filz sondern auch auf den Wegen uns gegenseitig zu unterstützen.

Ich habe vorhin geschrieben, dass es gut sein kann, sich an der Natur ein Bild abzuschauen. Vielleicht schaffen wir ja auch Gemeinschaftserlebnisse und eine Unterstützungskultur, die der frühlingshaften Aufbruchsstimmung um uns herum alle Ehre macht. Wir sollten gemeinsam gespannt sein, was uns die kommenden Fastentage noch an Ideen bescheren. Ich jedenfalls freue mich drauf und danke Ina für die tollen Aufnahmen!

noch 24 Tage

Meiter-Klasse Ricarda Aßmann
Meisterklasse – Ricarda Aßmann

Heute Morgen durfte ich einem virtuellen Gespräch zweier Frauen lauschen, die ich beide sehr mag und schätze. Die Unterhaltung drehte sich um die Ausnahmesituation, in der wir gerade stecken und um deren Folgen auf die eigene Verfassung. Wir alle tun uns offensichtlich sehr schwer mit diesem Moment. Da kommen zu der berechtigten Sorge um die Gesundheit so viele andere Aspekte dazu, die uns die Zuversicht rauben. Viele unbeantwortete Fragen, Mitmenschen die alles besser wissen, selbsternannte Oberlehrer und bösartige Schuldzuschreibungen… Wir Menschen sind so gestrickt. Negativer Stress schaltet das Großhirn ab und auf uralte Instinkte um – auf Aggressionen, Fluchtinstinkte, Wut und manchmal Verzagtheit bis hin zur Resignation. Um so wichtiger ist es jetzt, dem Großhirn wieder was zu tun zu geben und die Instinkte mal in Urlaub zu schicken – wenn wir selbst schon nicht fahren dürfen.

In den kommenden Tagen werden wir die Urinstinkte mal fasten und uns mit wunderbaren Dingen beschäftigen!” Was haltet ihr davon?

Wir können unser Großhirn herausfordern, indem wir etwas neues lernen! Ricarda Aßmann zum Beispiel hat ein umfangreiches Tutorial erstellt für einen Wandbehang. Es fordert einen heraus und das ist gerade besonders wichtig: Positive Herausforderungen! Hier könnt ihr mehr darüber erfahren: Tutorial Collage. Ihr habt auf diesem Weg die Gelegenheit ein erfahrene Dozentin zu euch nach Hause einzuladen. So spart ihr Fahrtkosten und unterstützt gleichzeitig Ricarda und die hervorragende Plattform.

Die Verbindung zwischen Hand und Hirn stimmuliert die Endorphine und die heben die Stimmung. Und es ist gerade einfach erlaubt, sich für alles Zeit zu nehmen, sich Zeit zu schenken für etwas, was man sonst nie macht. Ihr dürft verrückt sein. Verrückt kommt von verrücken – vom “Anders-Machen”, vom “Gegen den Strom schwimmen”. Auch ohne die besonderen Rahmensetzungen ist die Fastenzeit Raum für einen anderen Lebensstil! Sich auszutesten, den Haushalt links liegen lassen, mal einen Sofatag einzulegen, die Badewanne zu besetzen und mehr Schaum zu schlagen als sonst – und dann etwas Kreatives tun – unbezahlbar – und für alles andere gibt es unsere Freunde und Familien, Briefpapier und Telefone!

Bleibt gesund!