Februar 2018 – Zackelschaf – Walachenschaf

Zackelschafherde – Yasmin Groß

Das Zackelschaf

Geschichte:

Der Ursprung aller Zackelschafe geht auf das Wildschaf Urial, welches im südwestasiatischen Raum domestiziert wurde, zurück und dürfte es seit ca. 5000 Jahren geben. Das heutige ungarische Zackelschaf entstand vermutlich vor ca. 1100 Jahren durch die Vermischung einiger Karpatenrassen. Damals gab es in Südost Europa eine Vielfalt von verschiedenen lokalen Rasseschlägen, von denen aber nur wenige erhalten geblieben sind. Anfang des 19.ten Jahrhunderts galten Zackelschafe vom Aussterben bedroht und nach dem zweiten Weltkrieg waren auch von dieser Rasse nur noch eine geringe Zahl von Tieren erhalten geblieben. Durch intensive Zuchtbemühungen in Deutschland und Ungarn beträgt der gesamte Bestand der   ungarischen Zackelschafe derzeit ca. 3500 Tiere.

Rassebeschreibung:

Das bekannteste und sichtbarste Merkmal dieser mittelgroßen, robusten und sehr widerstandsfähigen Tiere sind die korkenzieherförmig gedrehten Hörner. Die V-förmig abstehenden Hörner sind bei dieser Rasse nicht nur bei den Böcken anzutreffen, sondern ebenfalls auch bei den weiblichen Tieren. Sie werden bei den Auen bis zu 40cm lang und bei den Böcken können sie bis zu einem Meter Länge erreichen. Das Zuchtziel dem ungarischen Rasseschlag ist, dass die Hörner in einem Winkel von 90 Grad auseinander stehen. Es gibt aber häufig Tiere, bei denen sie auch weiter auseinander stehen.
Zackelschafe sind nicht nur äußerst genügsam was den Futteranspruch angeht, sondern auch sehr lebhafte und wachsame Tiere, die schnell flüchten. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen und selten trifft man auf sehr zutrauliche Tiere.
Die Rasse gilt als mäßig fruchtbar und ist streng saisonal brunftig. Die Auen bekommen im zeitigen Frühjahr meist nur ein Lamm, welches sie fürsorglich aufziehen.

Es gibt Zackelschafe in einem dunklen und einem hellen Farbschlag. Während die Lämmer des dunklen Farbschlages mit seidig schwarz glänzenden Locken auf die Welt kommen und im Laufe der Jahre immer mehr ergrauen, haben die Lämmer des hellen Farbschlages zu Beginn eine rötlichbraune Färbung, die mit der Zeit immer stärker aufhellt.
Als wirtschaftlicher Fleischlieferant gilt diese Rasse nicht. Die Auen werden meist 35-50kg schwer und die Böcke können ein Gewicht von ca. 55-75kg erreichen. Besonders hervorstechen diese Schafe durch ihre gute Resistenz gegen Klauenerkrankungen wie Moderhinke.

Viele Menschen sprechen bei Zackelschafe von sehr eleganten Schafe. Wer einmal eine Gruppe dieser Tiere beobachten durfte, wie sie mit hoheitsvoll gehobenen Kopf und den beeindruckenden Hörnern laufen, weiß genau was damit gemeint ist.

Zackelschafrauen – Foto Yasmin Gross

Walachenschaf:

Geschichte

Das Walachenschaf wurde vor ca. 300 Jahren mit dem Stamm der Walachen in die mährischen Beskiden, Tschechien, eingeführt und dort als genügsames Milchschaf gehalten. Daher stammt auch der Beiname mährisches Zackelschaf. In diesen drei Jahrhunderten entwickelte sich so in Tschechien, der Slowakei und Südpolen eine eigenständige Rasse.
Leider wurde dieser Typ durch Einkreuzungen von Milch- und Fleischschafen in den frühen 1980zigern wirtschaftlicher gemacht und zu den Rassen Valaskaschaf und Cakiel umgezüchtet.
Nur eine sehr kleine reinrassige Restpopulation konnte erhalten werden und bildet den Ursprung der gesamten heutigen Population. Der deutsche Bestand geht auf zwei Böcke und sechs Auen zurück.
Und auch heute sind in Tschechien und Deutschland nur noch jeweils ca. 250 Muttertiere und rund 50 Zuchtböcke verzeichnet. Diese geringe Zahl macht einen bewusst wie selten diese Tiere sind.

Rassebeschreibung

Diese Schafe aus der Gruppe der Zackelschafe ist ebenfalls mittelgroß und feingliedrig. Im Gegensatz zu den ungarischen Zackelschafen ist hier oft nur der Bock gehörnt. Diese haben ausgeprägte, spiralförmig gedrehten Hörner, welche seitlich abstehen und sind bis zu 50cm lang werden. Die weiblichen Tiere hingegen sind nicht immer gehörnt, aber wenn sie es sind, dann sind die Hörner meist wesentlich kürzer und weniger gewunden. Die Tiere sind am Körper weiß bewollt, lediglich der Kopf ist häufig dunkel gesprenkelt oder gefleckt. Früher gab es oft auch dunkle Tiere in braun oder grau, aber erst langsam gibt es wieder ein paar dunkle Schafe in den heutigen Zuchten. Der Charakter der Tiere zeichnet sich durch ihre temperamentvolle und ebenfalls sehr wachsame und scheue Art aus. Sie sind genügsame und widerstandsfähige Landschafe eignen sich besonders gut zur Landschaftspflege auf extensiven, trockenen Flächen.

Die Altböcke haben eine Schulterhöhe von ca. 70cm und können zwischen 65-75kg schwer werden. Die Auen bleiben oft 10-15cm kleiner und sind mit einem Körpergewicht von 40-55kg leichter.

Zackelschafherde – Foto Julius Richter

 

Wolle:

Die Wolle beider Rassen ist mischwollig und zählt zu den groben Wollsorten. Vor allen Walachenschafwolle ist oft mit Wolle von Schnucken zu vergleichen. Aus diesem Grund ist die Wolle, ebenso wie die Schnuckenwolle, häufig als Abfallprodukt angesehen.

Zackelschafwolle filzt so gut, sodass sie oft schon am Schaf verfilzt und das Vlies an einem Stück vom Schaf geschoren wird.

Beide Rassen haben sehr lange Grannen (Meist bis zu 30cm), die je nach Tier mehr oder weniger lockig am Körper herabfallen. Über den Durchmesser der Wollsorten ist wenig zu finden. Die Unterwolle der Zackelschafe hat einen Durchmesser von 16-30 mic und die Grannenhaare 40-60mic. Allein diese Spanne zeigt wie unterschiedlich die Wolle dieser Rasse ist.

Der Wollertrag liegt meist bei:

Zackelschaf:  Altböcke – 3-4kg, Mutterschafe –  1-2kg
Walachenschaf: Altböcke 4- 5kg, Mutterschafe –  2kg

Text Yasmin Gross

Zackelschafwolle – Foto Margit Röhm

Filzeigenschaften der Wolle vom Zackelschaf

Wolleigenschaften und Besonderheit

Lockere Zackelschafwolle aus Frühjahrsschur nicht verfilzt

Bevor wir uns mit den Filzeigenschaften der Wolle beschäftigen, möchte ich die Wolle erst einmal eingängig betrachten. Wenn wir Zackelschafwolle  von verschiedenen Tieren haben, dann stellen wir fest, dass diese nicht nur eine breite Farbvielfalt aufweisen, auch die Haptik und die Lockenform können stark variieren. Zackelschafwolle gibt es in fast schwarz bis weiß in allen grau-Silberschattierungen. Teilweise finden wir an einem einzigen Schaf Schattierungen von schwarz bis silbergrau.

vollständig verfilztes Vlies aus später Frühjahrsschur

Außerdem sind die Locken teils stark gekräuselt und teilweise fast glatt. Und genau so verhält es sich auch mit der Feinheit der Wolle. Natürlich hat das einerseits mit dem Alter der Tiere zu tun und Wolle vom Bock ist oft gröber wie die der Schafe, tatsächlich entwickelt aber jedes einzelne Tier seine charakteristische Wolle und Farbe. Beim Einkauf ist also dringend dazu zu raten, die Wolle anzusehen.

Eine weitere Eigenschaft der Zackelschafwolle sollte dringend berücksichtigt werden, Zackelschafe werden teilweise zwei  Mal im Jahr geschoren. Dabei ist die Qualität der beiden Schuren komplett anders. Während die Wolle der Frühjahrsschur sehr viel Unterwolle aufweist  und ein schönes zusammenhängendes, teilweise verfilztes Vlies bildet, lassen sich bei der Herbstschur nur einzelne Locken, nicht aber ein zusammenhängendes Vlies finden. Die Verarbeitung der Herbstschur ist deshalb ganz anders, als das der Frühjahrsschur.

Eine letzte Eigenheit der Wolle läßt sich zwar bei vielen Schafrassen beobachten, beim Zackelschaf kommt es aber leider sehr häufig zu diesem Phänomen. „Die Dreigeteilte Wolle“

Ich habe hier das Vlies eines etwas in die Jahre gekommenen Zackelschafbockes, das sich im Rückenbereich zu einem brettharten Stück  Fell verfilzt hat. Wenn ich  nun einen Stapel der Wolle losreiße, so stelle ich fest, dass die dickste Stelle nicht wie zu vermuten an der Schnittkante liegt, sondern ca. 2cm davor. Wir haben also die langen Locken, dann einen dicken Bereich Unterwolle und danach wieder nur die Grannenhaare mit nur sehr wenig Unterwollhaaren.

Die Erklärung ist dabei sehr einfach: Das Zackelschaf gehört zu den eher ursprünglichen Schafrassen, die bei der ersten Hitzewelle des Jahres die Unterwolle verlieren. Da die langen Haare aber nicht mit ausgehen, bleibt die Unterwolle im Fell hängen. Die langen Haare wachsen, mit ein wenig Sommerunterwolle weiter und bilden das Sommerfell. Wenn die Schafe jetzt nicht bald geschoren werden können, so verfilzt die lose Unterwolle zwischen den Granenhaaren zu einem dicken festen Filz. Leider hatten wir in den vergangenen Jahren häufiger eine kurze Hitzeperiode schon im April und dann einen sehr kühlen und nassen Mai, so dass die Schafe teilweise erst im Juni geschoren wurden. Die Wolle war dann schon ca. 2cm nachgewachsen und das führt zu dieser Dreiteilung der Wolle. Deutlicher ist dieses Phänomen bei der Moorschnuckenwolle zu sehen, bei der allerdings die Unterwolle nicht zu Verfilzungen neigt.

Die Verarbeitung einer solchen Wolle ist extrem schwer, was die Qualität extrem mindert.

 

Filzeigenschaften

Nach dieser etwas längeren Betrachtung der Wolleigenschaften, müssen wir dies auch bei den Filzversuchen berücksichtigen. Wir haben also einerseits normal geschorene Frühjahrswolle mit viel Unterwolle und langen Locken, außerdem die deutlich kürzere Zweitschur mit wenig Unterwolle und zum Schluss möchte ich versuchen die reinen Locken des verfilzten Vlieses abzuschneiden und zu verfilzen.

Nachdem die Wolle sehr locker und auch erstaunlich sauber vorliegt, ist das Auslegen erstaunlich einfach. Nur bei den abgeschnittenen Locken müssen die einzelnen Stapel mit etwas mehr Sorgfalt auseinandergezupft werden.

Auch beim Nässen zeigt sich die Wolle erstaunlich kooperativ und es bedarf nicht sonderlich viel Seife, um sie nass zu bekommen. Es ist auch schon bei der vorherigen Betrachtung aufgefallen, dass Zackelschafwolle nicht sonderlich viel Wollfett aufweist.

Erstaunlich ist schon beim Anfilzen, dass sich alle drei Flächen ganz ähnlich verhalten. Auch erstes Reiben zeigt sehr schnell gute Filzerfolge. Bis die Flächen allerdings schrumpfen und einen festen, belastbaren Filz ergeben, bedarf es einige Zeit. Die Ergebnisse betätigen dann aber endgültig, dass  bei der Zackelschafwolle nicht nur die Unterwolle gute Filzeigenschaften aufweist sondern auch die langen Locken. Es handelt sich dabei also streng genommen nicht um Granenhaare, sondern um lange Wolllocken.

Diese besondere Eigenschaft der Zackelwolle macht uns deshalb das Filzen eines schönen Filzfelles deutlich schwerer, als wir es z.B. von der Heidschnucke kennen. Wer beim Filzen nicht gut aufpasst, dem kann es durchaus passieren, dass die Locken mit einfilzen und nur eine dicke Filzfläche entsteht.

Da wir aber die Wolle nicht dachziegelartig auslegen sondern senkrecht auf die Unterlage stellen, ist diese durch etwas Sorgfalt und zeitweises Lösen der Locken auch leicht zu vermeiden.

Fazit:

Zackelschafwolle ist zwar etwas zickig und nicht so sehr weich, bietet aber durch seine Varietät so viele Möglichkeiten, dass sie sich wie kaum eine zweite für besondere Fell- und Lockeneffekte eignet. Die Farbliche Vielfalt und auch die unterschiedlichen Locken lassen die unterschiedlichsten Fellstrukturen entstehen. Allerdings ist der Einkauf von Zackelschafwolle  mit Vorsicht zu genießen, da die Qualität, Farbe und Weichheit von jedem Vlies extra bewertet werden muss und von Jahr zu Jahr stark variiert.

Die Länge des vorliegenden Textes mag den interessieten Lesern aber zeigen, dass sowohl Yasmin, als auch ich vollkommen verliebt in diese Wolle sind und sie immer wieder mit großer Leidenschaft verarbeiten.

Text und Fotos – Margit Röhm

FNW 300 +

Dieser Freudensprung kommt aus tiefstem Herzen – seit heute hat das Filz-Netzwerk mehr als 300 Mitglieder!

Wir finden, dass das einfach ein Grund zum Feiern ist!

Wie auch immer es weiter geht, wir sind eine ständig stärker werdende Gemeinschaft – in jeder Beziehung! Wir verstehen es, jeder und jedem den Raum zu lassen, den sie/er für sich braucht und dennoch Unterstützung, Klärung und Weiterentwicklung anzubieten. Wir stärken nicht nur den Filz – wir stärken vor allem die FilzerInnen! Danke für euer Vertrauen, für eure Kraft, den Ansporn und die unfassbar große Zahl von Ideen. Lasst uns die 400 angehen 😉

Steffi Holzgräwe, Barbara Steffen-Munsberg, Susanne Schächter-Heil, Susanne Breuling, Kathrin Bauerrichter, Ulrike Wieland!

Einladung zur Ausstellungsteilnahme – Verlängerung

Ausstellung: Steampunk – Verfilzt!

…Wenn Steampunk auf Filz trifft, könnten sich interessante Kunstwerke daraus ergeben…

Der Altstadtverein Buxtehude und die Veranstalter des 5. AETHERCIRCUS-Festivals möchten Filz-Kunsthandwerker und -Künstler einladen, das Thema „Steampunk“ in ihren Werken zu verarbeiten, um sich damit für die Ausstellung anzumelden. 

Die Ausstellung beginnt Anfang April 2018 anlässlich des 5. AETHERCIRCUS Steampunkfestivals in Buxtehude. Die Ausstellung schließt ab mit dem Ende des AETHERCIRCUS-Festivals (der AETHERCIRCUS findet vom 28. Bis 29. April 2018 in der Innenstadt von Buxtehude statt)

Bis zum 20. Februar kann man sich noch anmelden!

Anmeldeformular und Info über die Filzausstellung bei Birgit Deutschmann, Tel. 04141 511713 oder unter: tanzwerkstatt@t-online.de

Januar 2018 – Heidschnucke – Moorschnucke

Geschichte:
Die Schnucken gehören, wie die Skudden und andere Rassen zu den nordischen Kurzschwanzschafen, und somit zu den ältesten Schafrassen in Mitteleuropa. In Deutschland trat die Heidschnucke erstmals in der Lüneburger Heide in Erscheinung und prägt das Bild der Heidelandschaft. Durch die Schafe wird die Verbuschung der Heidegebiete verhindert. Und durch ihre Wanderung durch die blühende Heide im Spätsommer zerreißt sie Spinnenwegen zwischen den Blütenständen und ermöglicht so Bienen und anderen Insekten, den wertvollen Nektar zu sammeln.

 Es gibt inzwischen drei verschiedene Schnuckentypen, die aber als eigenständige Rassen geführt werden:

  • Die Graue Gehörnte Heidschnucke
  • Die Weiße Gehörnte Heidschnucke
  • Die Weiße Hornlose Heidschnucke = Moorschnucke
Graue gehörnte Heidschnucke – Foto Monika Gierer

Damals wurden alle Schnuckentypen als eine Rasse betrachtet. Die graue gehörnte Heidschnucke war der übliche Typ und somit auch der älteste. Erst ab der Mitte des 19ten Jahrhunderts kamen weiße Tiere immer häufiger vor, bis man schließlich zu Beginn des 20ten Jahrhunderts die beiden Farbschläge als eigene Rassen betrachtete. Erst knapp 20 Jahre danach wird die weiße hornlose Heidschnucke in einem Zuchtverein als weitere Rasse anerkannt. Die Zahl der grauen gehörnten Heidschnucken ist derzeit so stabil, dass sie nicht zu den vom Aussterben bedrohten Rassen zählt. Viele kleine Züchter trugen auch hier dazu bei, dass diese Rasse nicht mehr vom Aussterben bedroht ist. Die jüngeren Rassen der weißen gehörnten sowie der weißen hornlosen Heidschnucke zählen zu den vom Aussterben bedrohten Schafrassen.

 Der Name der Heidschnucken kommt von dem Wort „schnucken“, welches mit naschen gleichzusetzen ist.

 Rassebeschreibung:
Die Heidschnucken sind sehr widerstandsfähige und eher anspruchslose Schafe, welche am häufig in großen Herden zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Auch diese Rasse fühlt sich am liebsten in einer größeren Gruppe wohl. Da sie saisonal brunftig werden kommen die Lämmer im Frühjahr.

Die grauen gehörnten Heidschnucken haben eine Schulterhöhe von ungefähr 60-70cm und können zwischen 50kg(Auen)- 85kg(Altböcke) Kilo Gewicht erreichen. Die Auen haben sichelförmige nach hinten gebogene und die Böcke schneckenartige Hörner. Die Lämmer kommen mit schwarzer gelockter Wolle auf die Welt, welche sich im Laufe des ersten Lebensjahrs verfärbt und erst nach der ersten Schur nehmen sie die Rassetypische Graue Vliesfarbe an.

Graue gehörnte Heidschnucke – Foto Monika Gierer

Die weißen gehörnten Heidschnucken haben als größten Unterschied zur GGH(Graue gehörnte Heidschnucke) ein weißes Wollvlies . Bei Ihr sind ebenfalls beide Geschlechter gehörnt und sie sind etwas kleiner und auch etwas leichter als die GGH.

Die weißen hornlosen Heidschnucken / Moorschnucken werden gerne aufgrund ihrer besonderen Widerstandsfähigkeit gegenüber Nässe und ihren festen Klauen auf Moorlandschaften eingesetzt. Sie ist die kleinste der drei Schnuckenarten und im Gegensatz zu den anderen sind beide Geschlechter hornlos. Diese Moorschnucken sind seit Jahrhunderten im Raum Diepholz heimisch.

Die Böcke können ein Gewicht von 60-70kg und die Auen ein Gewicht von ca. 40-50kg erreichen.

http://www.moorschaefer.de/mediapool/79/791989/resources/8861290.JPG

Die Wolle 

Heidschnucken haben als Landschafe eine typische Mischwolle. Die Wolle dieser Rassen zählen zu den groben Wollsorten und ist leider auf dem Weltmarkt nichts wert, weswegen sie von den Züchtern und Haltern oft direkt entsorgt wird.

Die Unterwolle ist oft sehr weich und zwischen 20-25mic fein, Die Grannen dagegen sind sehr starr und können bis zu 40mic dick sein. Im Durchschnitt wird bei den meisten Quellen eine Wollfeinheit bei ca. 38mic angegeben. Diae Moorschnucken haben meist feinere Wolle.

Der Wollertrag liegt meist bei: 

Grau Gehörnte Heidschnucke: Mutterschaf – 1,5-2,5kg, Böcke – 3-4kg
Weiß gehörnte Heidschnucke: Mutterschaf –   1,5 – 2kg, Böcke – 3-3,5kg
Weiße hornlose Heidschnucke: ca. 2-3kg

Text Yasmin Groß

 

Wollverarbeitung

Heidschnuckenwolle steht gemeinhin im Verdacht zu nichts zu gebrauchen zu sein. Trotzdem oder genau deshalb wollen wir sie uns mal genauer anschauen. Sie hat nämlich so manche Überraschung zu bieten.

Wolle von GGH – WGH – Moorschnucke

Es ist kein Kunststücke, die Wolle der grauen gehörnten Heidschnucke und die der weißen gehörnten Heidschnucke zu unterscheiden, der Unterschied liegt lediglich in der Farbe. Anders hingegen bei der weißen hornlosen Heidschnucke, die Moorschnucke, ihre Wolle ist nicht nur deutlich weicher, sie ist vor allem sehr viel lockiger als bei ihren gehörnten Verwandten. Bei der weiteren Verarbeitung wird dies noch eine wichtige Roll spielen.

Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass sich alle Schnuckenwolle durch sehr lange Grannenhaare auszeichnet. Die Verdickung der Wollsträhnen in Richtung der Schnittkante zeige aber auch eine gehörige Portion Unterwolle an.

Unterwolle GGH
Grannenhaare GGH

 

 

 

 

 

 

 

In der Detailaufnahme wird  deutlich, dass wir es hier mit zwei Haartypen mit sehr unterschiedlicher Strukturen zu tun haben. Die Grannenhaare dominieren das Bild und zeigen sich in typischer Heidschnuckenoptik – Dick, lang und glatt. Der einzige Reiz dieser Haare scheint in ihrem wunderbaren Farbenspiel zu liegen. Die Unterwolle ist dagegen sehr viel kürzer und dünner, mit einer feinen Kräuselung.

Das Geheimnis der Heidschnuckenwolle liegt nun darin, dass sich diese beiden Haartypen vergleichsweise leicht trennen lassen.

Wolle Trennen:

Der Vorgang ist leicht erklärt, bedarf aber etwas Übung, um es problemlos zu bewerkstelligen.

Von einer handlichen Portion Rohwolle wird die eine Seite mit den Grannenhaaren sehr fest gehalten, während mit der zweiten Hand die Unterwolle herausgezogen wird. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis nur noch die Grannen übrig sind.

Je kleiner die bearbeiteten Strähnen sind, umso einfacher und sauberer läßt sich die Unterwolle herausziehen.

Natürlich gilt die gleiche Vorgehensweise auch für die Weiße Heidschnucke sowie für die Moorschnucke. Bei letzterer ist aber die Unterwolle deutlich langfasriger, und üppiger, was den Trennvorgang ungünstig beeinflusst.

Getrennte Wolle von Moorschnucke, Weiße gehörnte Heidschnucke und Grauer gehörnter Heidschnucke,

Filzeigenschaften

Nach dieser Prozedur liegen uns nun für jede Schafrasse zwei Wolltypen vor. Dabei stellt sich natürlich trotzdem noch die Fragen, wie sich die ungetrennte Wolle beim Filzen verhält. In der Tat hatte ich das bislang für vollkommen abwegig gehalten und nie versucht. Aber Versuch macht ja bekanntlich klug, deshalb werde ich ungeachtet aller Vorurteile versuchen einen Filz aus der Heidschnuckenwolle herzustellen.

Wer Heidschnuckenwolle kennt, wird sich nicht sonderlich über das Ergebnis wundern. Es ist vollkommen unmöglich, aus der ungetrennten Heidschnuckenwolle einen einigermaßen vernünftigen Filz herzustellen. Es entsteht zwar tatsächlich so etwas wie Filz zwischen den langen Haaren, diese stören den Vorgang aber derart, dass keine feste Verbindung entsteht. Schon nach dem Auswaschen lassen sich die einzelnen Haare wieder problemlos aus der Fläche lösen und herausziehen.

fertiger Filzversuch – GGH

Aber es ist ja teilweise Filz entstanden, das kann nur mit der Unterwolle zusammenhängen. Es lohnt sich also, den Versuch mit der Unterwolle zu wiederholen.

 

 

Ausgelegte GGH-Unterwolle

Da der Versuch mit Rohwolle durchgeführt wird, fällt beim Auslegen der Unterwolle die enorme Menge an Wollfett auf, die Fasern kleben teilweise buchstäblich zusammen. Sie lassen sich trotzdem zu einer gleichmäßigen Fläche auslegen. Es fallen aber nach wie vor Grannenhaare ins Auge und natürlich sind in der Unterwolle auch noch kurze Spickelhaare versteckt.

Es bedarf etwas Geduld, bis sich die Wollen entscheidet zu verfilzen, aber nach intensiver Bearbeitung entsteht tatsächlich ein einigermaßen fester Filz. Unter Umständen wäre dieser noch besser, wenn die Unterwolle noch etwas sauberer von den Störfasern befreit worden wäre. 

fertiger Filz aus GGH-Unterwolle

Moorschnucken-Unterwolle verhält sich hier leider nicht so kooperativ. Sie ist durch die längeren Fasern nicht nur schwerer auszulegen, ihre Haare verfilzen auch sehr viel schwerer und ergeben am Ende keinen so festen Filz.

 

 

 

Fell filzen

Was  viel von uns schon aus Heidschnucken oder Moorschnuckenwolle hergestellt haben sind Filzfelle. Hier entpuppt sich die gut filzenden und üppige Unterwolle der Heidschnucke als wahrer Segen, weswegen sie sich gut als “Anfänger” Wolle für Filzfelle eignet.

Eine Deckschicht Bergschafwolle aufzulegen ist trotzdem ratsam, da der Untergrund so sehr viel fester wird und das Filzfell schneller verfilzt.

Da bei der Heidschnuckenwolle die Deckhaare gar nicht filzen, besteht nicht die Gefahr, dass das Fell verknotet oder gar die Haare einfilzen. Es kann somit sehr schnell und robust bearbeitet werden. Anschließendes kräftiges Schütteln reicht vollkommen aus, um die Haare wieder voneinander zu trennen und glatt zu werden.

Leider haben Heidschnuckenfellen den entscheidenden Nachteil, dass die Grannenhaare nur sehr schlecht oder gar nicht im Filz halten. Schon durch festes Schütteln oder leichtes Ziehen, lösen sich die ersten Haare und fallen aus. Das wiederholt sich zwar nicht mit allen Haaren, es ist aber extrem lästig und vor allem im Verkauf ein echtes Problem.

 

 

 

 

Ganz anders stellt sich hier die Moorschnucke dar. Moorschnuckenfelle lassen sich ebenso einfach herstellen, überzeugen aber durch eine wesentlich vollere Qualität, was an den längeren Unterwollhaaren liegt. Ihr wesentlicher Vorteil liegt aber darin, dass die langen, lockigen Haare sehr viel besser im Filz halten.

Objekte aus WGH – GGH und Moorschnucke Objekte Margit Röhm – Foto Margit Röhm

Fazit:
Heidschnuckenwolle ist etwas für Liebhaber und ist eine perfekte Lernwolle. Sie läßt sich als Rohwolle perfekt zu Fellen verarbeiten und bietet dabei eine wunderschöne Optik. Die einzelnen Haartypen sind wunderbar zu erkennen und zu trennen. Persönlich bin ich der Meinung, dass sich Heidschnuckenobjekte leider nicht zum Verkauf eignen, da es dem Kunden kaum zuzumuten ist, dass das Objekt ewig haart. Die Moorschnucke bietet dazu eine echte Alternative, auch wenn die Farbe natürlich nicht mit dem wunderbaren Graumelange der Heidschnuckenwolle konkurrieren kann.

30. Dezember

An dieser Stelle und an diesem besonderen Tag sei uns ein kleine Rückblick gestattet.

Das Filz-Netzwerk, dass nun schon seit mehr als 10 Jahren besteht und dem ich seit nunmehr 6 Jahren angehören darf, hats sich aus einer Ideenblüte zu einem bunten Strauß an Möglichkeiten entwickelt. Die leuchtenden Impulse kommen aus allen Teilen Deutschlands, zunehmend auch aus der Schweiz und Österreich. Einer solch lebendigen Gemeinschaft anzugehören, ist ganz großartig.

Wir hatten in diesem Jahr 2017 fast 33000 Besucher auf unserer Hompage! Es sind mehr als 1200 Abonnenten auf Facebook zu verzeichnen und das Netzwerk hat aktuell mehr als 290 Mitglieder!

Wir hatten eine wunderbare Filz-Begegnung im März in Hohebuch, zwei mal anregende und weiterbildende Filz-Kolleg-Veranstaltungen. Ganz besonders freuen wir uns über weit mehr als 10 Regionaltreffen! Es wurde ein Spende-Filz-Projekt ins Leben gerufen und wir haben viele Kinder-Filz-Kisten verliehen!

Wir sind ganz schön filzaktiv! Das alles geht nur, weil Menschen nicht nur am Handwerk sondern auch aneinander interessiert sind!

Ein ganz herzliches Dankeschön für ein wunderbares Filz-Netzwerk-Jahr an alle, die mitgeholfen, unterstützt, gelobt, genossen, gewalkt und gewuchtet, im Stillen mitgelesen und geschmunzelt, die konstruktiv kritisiert, die gespendet, gelehrt und begleitet haben – und an diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen zurück ziehen mussten!

Danke!

Barbara Steffen-Munsberg, Steffie Holzgräwe, Ulrike Wieland, Sabine Schöhl-Gallisch, Kathrin Bauerrichter, Susanne Breuling, Susanne Schächter-Heil

Für die Fotso bedanken wir uns bei Annemie Koenen, Elisabeth Grates, Kerstin Scherr und Helene Weinold

29. Dezember

Symbole und Zeichen sind vielleicht älter als die Sprache, so genau weiß ich das nicht. Mich fasziniert immer wieder aufs Neue, wie sich Filzerinnen dieser “Ursprache” bedienen und uns damit wirklich anregende Kunststücke präsentieren. Eine Tasche, die Zuneigung feiert, ein Sonnenrad, das Heilung verspricht, ein Winter an der Donau und der Stern, der für so vieles im Leben stehen kann – sind nur einige Beispiele, wie bereichernd es für die eigene Arbeit sein kann, sich mit Symbolen und Zeichensprache zu beschäftigen. Kennt ihr das Buch von Adrian Frutiger mit dem Titel “Symbole”? Es ist im Hauptverlag erschienen und wirklich “sehenswert”. Vielleicht habt ihr ja Lust, es euch mal anzuschauen und stimulieren zu lassen – denn das neue Filzerinnen-Jahr steht unmittelbar vor der Türe. Und dann ist da ja noch unsere Mitgliederausstellung in Marienmünster! Da kann es vielleicht auch Mut machen, sich zu beteiligen!

Auf, in ein inspiriertes neues Jahr!

Delia Grimm, Anne Jansen und Annemie Koenen haben uns die heutigen Fotos zur Verfügung gestellt.

28. Dezember

Da lese ich in unserer Tageszeitung heute morgen doch tatsächlich einen Artikel, in dem darüber sinniert wird, wie wichtig gemeinsame Feiertage für die Menschen sind. Es ging dem Autor um Pausen vom Alltag, um Entschleunigung und gemeinsame Zeit mit Gleichgesinnten, Freunden und der Familie. Na ja, und das uns langsam die Vorbilder für all das fehlen würden… Gar nicht wahr, dachte ich. Man muss nur mal raus gehen und Tiere beobachten. Die können das ganz wunderbar. Die brauchen beim Frühstück keine Zeitung, bei der Nahrungssuche kein Navigationsgerät oder gar eine Produktbewertung. Und zum Ausruhen muss kein Entspannungstee getrunken werden. Die sind einfach! Nicht immer, aber ab und zu, wären wir vielleicht alle gerne so bedingslos!

Unsere Bilder verdanken wir heute Monika BaldaufElisabeth GratesRotraud Reinhard, Heike Schneider,  Sandra Struck-Germann,

psst: und wenn man Filzerinnen bei der Arbeit zuschaut, dann kann man auch sehen, was es bedeutet, ganz im Hier und Jetzt zu sein 😉 – meistens jedenfalls!

27. Dezember

Der erste Feiertagsschwung liegt nun hinter uns und dennoch will noch nicht wirklich Alltag einkehren. So kurz vor dem Jahreswechsel geht alles dann doch etwas geruhsamer – oder etwa nicht?

Manch eine ruht sich von den anstrengenden Märkten aus. Manchmal müssen wir uns auch von der Weihnachtstagen ausruhen. Es gab so viel zu erzählen und nicht viel weniger zu essen und das eine oder andere auszupacken 🙂

Und damit ihr mal langsam wieder ans Filzen erinnert werdet und euch so gaaanz behutsam auf das neue Jahr einstellen könnt, zeigen wir euch noch ein paar Tage lang Arbeiten von Filzerinnen aus dem Netzwerk, die Filzlaune über den Adventskalender hinaus machen sollen.

Heute sehr ihr Arbeiten von Delia Grimm, Helge Stoffel und Doris Kunz!