19. Dezember

Angelika Bonas hat Bäumchen filzen lassen von klitzekleinen Filzerinnen

Habt ihr schon einen Weihnachtsbaum? Ja? Wie schön für euch…

Einen Baum aussuchen, ihn bestellen, selber schlagen – mit oder ohne Wurzel, Ökobaum oder konventionell. Den Schönsten oder einen, den jemand anderes nicht kaufen würde? Sooo viele Fragen und jeder findet eine andere Antwort.

Manchmal habe ich den Verdacht, dass wir selbst die einfachsten Dinge nicht mehr einfach lassen können. Ich verfolge eine Radiosendung im Auto bei der ein Experte (was für einer genau erschließt sich mir nicht) datrüber spricht, wie gut es wäre, einen Plastikbaum zu kaufen – für Klima und Umwelt natürlich – für mich nicht.

Abends in einer Ratgebersendungt im Fernsehen sagt jemand vom wwf genau das Gegenteil. Ein Plastikbgaum müsste 19 Jahre halten um die Ökobilanz von 18 gezüchteten Bäumen zu übertreffen. Aha… Und jetzt?

Kaufen wir nun eine Nordmanntanne, die nicht aus dem Norden kommt sondern nach Herrn Nordmann benannt ist oder etwa einen künstlichen Baum?

Mir wäre es nur lieb wenn es nicht nach dem Motto ginge: “Wenn ich nicht überzeugen kann dann verwirre ich wenigstens”. Ich hab mal gelernt, Ratschläge sind auch Schläge. Wenn ich Informationen möchte, dann wäre es prima, wenn ich Informationen bekomme um mir selbst ein Bild zu machen. Egal…

Wir werden auf jeden Fall unseren Baum beim Gärtner unseres Vertrauens aussuchen und ihn mindestens bis zum 6. Januar genießen. Das hat er sich verdient.

Der kleine Weihnachtsbaumwald stammt von Karin Twelkemeier

17. Dezember

Karin Twelkemeier hat diese hinreisenden Gänschen für uns eingefangen

Aha, also es sind noch 7 Tage bis Weihnachten. Davon ist ein Tag ein Sonntag, da kann man nix mehr besorgen, also eigentlich sind es nur noch 6 Tage an denen alles eingekauft werden kann, was man so zum Weihnachtsessen und drum herum benötigt. Und Morgen müssen unbedingt die letzten Weihnachtskarten geschrieben werden – also nur noch 5 Tage. Am 24. wird der Baum geschmückt, da geht man nicht mehr in die überfüllten Läden und am Samstag besser auch nicht – also nur noch 3 Tage Zeit. War da nicht noch die Weihnachtsfeier der Schule der Kinder oder des Heimatvereins – also noch ein Tag weniger…

Wir haben uns so daran gewöhnt zu fast jeder Zeit “Bedarf” decken zu können und geraten dennoch regelmäßig in so was wie Atemlosigkeit, wenn Festtage auf uns zurasen. Da spielt es wirklich kaum noch eine Rolle, dass wir über Tiefkühler, Kühlschränke, Einmachgläser und Vakumiergeräte verfügen. Wir setzen uns selbst so unter Druck, dass alles perfekt sein soll, dass da plötzlich trotz aller Planung ein Gewürz fehlt, der Göttergatte dann doch die Milch vergessen hat und sich am Tag vor dem Fest eine vertwandte ansagt, die ganz sicher keine Nüsse verträgt.

Und jedes Jahr sitzen wir nach dem Fest auf unseren Resten und schwören uns, dass wir diesen Wahnsinn im kommenden Jahr auf keinen Fall so noch einmal mitmachen. Was kocht ihr eigentlich an den Festtagen? Gehört ihr zu den Traditionsessern oder den Experimentalköchinnen? Habt ihr eine Festtafel oder ein Buffet? Vertraut ihr den Kochkünsten eurer Männer und Kinder oder steht ihr lieber selbst am Herd?

Ich will euch von einer alten Freundin erzählen, die sich jedes Jahr einen kitschigen Weihnachtsroman kauft. Sie kauft alles ein, was ihr ihre Lieben auftragen, schleppt es zum Auto und packt es auch aus. Alles eine Woche vor Weihnachten. Und dann schmückt sie den Baum, kocht einen Eintopf für den letzten Tag vor dem Fest und dann… setzt sie sich in ihre Stube und ließt ihren Roman. Am Heiligen Abend geht sie mit zur Kirche und freut sich auf die Bescherung. Aber die Küche die betritt sie erst nach Weihnachten wieder. Sie erzählt gerne von den kulinariuschen Experimenten, deren Produkte sie genießen durfte und lacht viel dabei. Am Ende der Feiertage hat sie einen entspannenden Roman zu Ende gelesen und viele verrückte Gerichte gekostet, die sie niemals selbst gekocht hätte. Und sie bekommt noch etwas – nämlich eine ganz fröhliche Familie, die mit einer entspannten Mutter viel Mut zum Risiko gewagt hat, Spaß hatte und jedes Jahr ein etwas anderes Weihnachtsfest erlebt. Vielleicht wär das ja mal was für uns?

Und jetzt fragt mich bitte nicht, wie ich von Gänsen auf Weihnachtsessen gekommen bin!

16. Dezember

Sterne für die Weihnachtszeit hat Barbara Steffen-Munsberg gearbeitet.

Sterne gehören zur Weihnachtsdekoration dazu, so einfach ist das. Aus Stroh, aus Glas, wunderbare Faltsterne aus Goldpapier oder transparente Fenstersterne. Kaum ein Haushalt, der ohne Sterne auskommt. Und so ganz grundsätzlich kommen wir sowieso nicht ohne Sterne aus. Sie umhüllen unsere Erde. Egal wo immer wir stehen auf unserem kugeligen Planeten, des Nachts sehen wir sie. Sie haben die Seefahrer jahrtausendelang geleitet, beschwören das Schiksal in Form von Sternbildern und vollbringen als Schnuppen wahre Wunschwunder. Vielleicht ist es so, dass es für jeden von uns einen Stern gibt, der von Ferne über uns wacht.

Die Geburt des Christkinds soll von einem Stern angezeigt worden sein. Heute behaupten die Wissenschaftler ja, es sei ein Komet gewesen, aber wir wissen das besser. Es war ein ganz besonderer Stern, der ist nicht nur einfach zufällig vorbei gehuscht. Unvorstellbare Zeiträume lang stehen die Himmelsboten da im All und lassen sich von uns betrachten und mit Deutungen überfrachten, ganz geduldig und ohne Widerspruch. Angeblich gibt es so manche schon gar nicht mehr und wir können ihr Licht dennoch immer noch sehen, weil das Licht so lange braucht, bis es bei uns ankommt.

Sehen, was andere nicht sehen, das gehört für mich zu den kleinen Alltagswundern. Im Sternenhimmel ein Bild entdecken, aus einer Wolkenformation eine ganze Geschichte herauslesen, in einer Baumrinde ein Gesicht entdecken. Was sind wir doch für wundersam begabte Wesen. Wir sind voller Eindrücke und Ausdrucksmöglichkeiten, voller Erinnerungen, Geschichten und Zukunftsbilder.

Vielleicht sind Sterne für uns, gerade auch in der Weihnachtszeit so symbolträchtig, weil sie etwas Ewiges verkörpern. Etwas was sich so oder so unserem Zugriff entzieht und doch für uns präsent ist. In diesem Sinne mag jeder Stern am Fenster oder am Baum für eine Person stehen, die uns wichtig ist oder war (was einander nicht ausschließt, wenn ich es recht bedenke) und uns an sie erinnern. Sie stehen für all jene, die warum auch immer, nicht mit uns feiern können. Sie sind eben dennoch da, in uns und in den Sternen.

13. Dezember

Diesen magischen Blick auf London verdanken wir Susanne Weber

Ihr seht richtig, Mary Poppins besucht heute den Kalender. Erst 1952 ist das Buch auf Deutsch erschienen und die meisten von uns kennen diese märchenhafte Figur eher aus dem alten Disney-Film als aus dem Buch.

Sie ist so selbstsicher und selbstbewußt und unerschütterlich. Ein wenig Magie ist natürlich auch noch im Spiel Sie rettet einer Familie das Familienleben und bringt Freude, Spiellust und Fantasie ins Haus – gleichzeitig Ordnung und ein klitzekleines Wenig an Disziplin. Und wenn alles wieder in Ordnung ist, dann sorgt sie dafür, dass der Wind sich dreht und mit ihm verschwindet sie so wie sie gekommen ist. Sie ist gar kein Alltagswunder, sie ist ein Wunder, welches einer Familie widerfährt, die es dringend braucht. Wir warten ja irgendwie alle vergeblich auf dieses Wunder und lieben die Geschichte deshalb so sehr, weil sie uns einen Traum schenkt – also eher Zeit zum Träumen…?

Hmh, so kann man das nicht stehen lassen, so kann ich euch nicht ins Wochenende lassen. Mir fällt nämlich ein, dass wir alle etwas von Mary Poppins haben. Zugegeben, ich kann nicht mit Hilfe eines Schirms fliegen (was allerdings eine Menge Transportprobleme lösen würde) aber ich bin doch für meine Familie – wenigstens an manchen Tagen – so eine Art Mary Poppins, und ihr auch für eure Lieben. Wir können Geschichten erzählen, Medizin mit Zucker versüßen und Gute-Nacht-Küsse verteilen. Ich will hier kein Loblied auf hausfrauliche Tugenden halten, denn die Zeiten in denen wir dafür belohnt wurden sind schon lange vorbei. Aber wir sind mehr oder weniger fröhliche Familienmanagerinnen. Aus meiner Sicht gehören diese Talente durchaus in den Bereich der Magie. Mit dem Gedanken an unsere magischen Fähigkeiten kann ich mich nun beruhigt aufmachen auf den Weihnachtsmarkt, denn der Wind hat gedreht…

10. Dezember

Katja Hannig hat diesen Sessel so stimmungsvoll befilzt. Er sieht so sehr nach Entspannung aus.

Ich habe heute ein ganz merkwürdiges Alltagswunder für euch. Ich hatte eine Arbeitsliste für heute vorbereitet, bin früh aufgestanden und wollte mich sofort ans Werk machen – also an die vielen Werke auf der Liste. Ich habe sie sorgfältigst durchgeplant und gerechnet, mir eine Pause aufgeschrieben und sogar 30% des Tages zur sogenannten freien Verfügung offen gelassen. Ich war (gestern nach einem Chaostag) so sicher, dass ich heute mein Pensum wegarbeiten kann. Dadurch könnte ich mir dann endlich frei nehmen für Freunde und freie Zeit. Das muss doch endlich mal klappen.

Frühstückstisch decken, Nachrichten lesen (sollte man auch mal lassen), Küche aufräumen und ab an den Schreibtisch. 2 Stunden, dann sind alle Punkte abgearbeitet – und immer neben mir die Liste. Kaum sitze ich, da leutet es. Die Post, jetzt schon? Gut, nicht lange fackeln, aufstehen und an die Türe gehn.

So, und da stand das Alltagswunder in Form einer alten Freundin die ich seit Jahren kaum noch sehe, weil zwischen uns 500km liegen. Was soll ich euch sagen, es war ein entspannter Vormittag, es gab so viel zu reden. Am Nachmittag haben dann noch zwei mir sehr vertraute Frauen angerufen, die mich ganz fröhlich gemacht haben. Danke für eure Alltagswundergaben!

Die Liste? Die ist noch voll, aber sie liegt wieder sicher auf dem Schreibtisch und wartet geduldig auf den Rotstift. Ich hatte heute einen entspannten Tag, wer weiß ob ich ihn mir morgen oder wann auch immer genommen hätte.