15. Dezember

Manchmal hält man eine ganze Welt in der Hand als Filzerin, so wie hier Delia Grimm

An manchen Tagen haben die “wahrhaft großen Aufgaben” solch eine Aufmerksamkeit von den Medien, von mir, von so vielen Menschen, dass sie scheinbar übermächtig erscheinen. Wir leben in einer Zeit für die das Kleine, das Schaffbare kaum von Interesse ist. Nur wenn die Anspruchsfantasien und die Katastrophenvorhersagen riesig genug sind, schier unmöglich zu bewältigen sind, dann sind “wir” zufrieden. Es gibt unendlich viel Diskussionbedarf, Beschimpfungsstoff, Unfähigkeitsvorwürfe und zugleich das beruhigende Gefühl, doch nicht wirklich etwas erreichen zu können dank der übermächtigen Problematik. Und so wächst neben hilfloser Wut auch der Zorn auf irgendwen und die Idee, dass man selbst viel zu unbedeutend ist um irgendetwas ändern zu können.

Keine Angst, ich werde jetzt keine Vorschläge unterbreiten, was jeder zur Rettung des Weltfriedens, zum Schutz des Klimas oder gegen die Plastikflut machen kann. Das können andere viel besser als ich, das gebe ich neidlos zu.

Doch wenn es zum Beispiel um den Umgang mit unserem persönlichen Zeitmanagement geht, habe ich mal gelernt, dass es Sinn macht das Wichtige vom Dringenden zu unterscheiden. Zusätzlich wäre ich dafür zu schauen, worauf habe ich Einfluss, was hat für mich und mein Handeln Bedeutung. Letzendlich geht es auch in der Betrachtung meiner Welt darum, wieder den Blick zu schärfen für die vermeintlich kleinen Dinge, die Welten die mich beherbergen und auf die ich Einfluss habe. Gelegenheiten, die ein ehrliches Lächeln und bleibende Erinnerungen in sich bergen, zu schaffen oder zu suchen. Eine Aufgabe zu meistern, sich selbst erfolgreich zu erleben oder auch mal zu scheitern. Den ein oder anderen Schritt mit Aufmerksamkeit gehen und beim Autofahren mal keine Nachrichten hören, die jemand formuliert hat um meine Aufmerksamkeit auf fremde Ziele zu lenken. Mal den Kindern zuhören statt sie mit Antreibern aller Arten auszustaffieren.

Es mag euch merkwürdig vorkommen, doch in der Arbeit mit der Wolle, in dem Prozess der jedes Mal etwas “Erschaffendes” hat, im Filzen, verschieben sich für mich die Kategorien und geben mir die Gewissheit, dass ich Einfluss habe – auf mich, meinen Alltag und die Definitionen von Wichtig/Dringend/Groß/Bedeutsam …

Die Woche vor dem Fest ist vielleicht eine gute Zeit den inneren Kategorien mal wieder mehr zu vertrauen. Im Kleinen haben wir sicher die Welt in der Hand.

8. Dezember

Sonntag, zweiter Advent! Noch 16 Tage bis zum Heiligen Abend…

Zeit für die Adventsbäckerei. Wahrscheinlich haben die meisten von Euch bereits Plätzchen gebacken, einen Stollen oder ein Früchtebrot vorbereitet. Und all diejenigen, die noch nicht dazu gekommen sind, die haben vermutlich ein mehr oder weniger schlechtes Gewissen. Man rennt einem laufenden Ziel hinterher, das Jahr über schon und in der Vorweihnachtszeit sowieso. Und nun ist heute Sonntag und entgegen der üblichen Frauenlogik, die sich für so vieles verantwortlich fühlt, machen wir heute mal nur, worauf wir Lust haben. Sonntagsruhe-Lust.

Einfach so sitzen, lesen, Sterne falten oder dem Heimkino die Regie übertragen. Füße hoch, Teetasse in der Hand und sich nur um sich selbst kümmern. Wenn jemand etwas von uns will, soll er es auf seinen Wunschzettel schreiben, vielleicht erfüllt sich der Wunsch ja an Weihnachten. Derjenige oder diejenigen können sich ja neben euch setzen und mit euch gemeinsam nichts tun – jedenfalls nichts Zielführendes, Erwartungen erfüllendes oder gar ein “Muss-unbedingt-gemacht- werden”. Am Anfang fühlt es sich an wie die Reise in ein fremdes Land, doch einmal angekommen lassen sich die Annehmlichkeiten wunderbar genießen.

Macht ihr mit?

Wenn es euch gar so schwer fällt, der hungrigen Meute die küchenkalte Schulter zu zeigen, dann aber keine Plätzchen sondern einen einfachen Apfelkuchen mit viel Zimtsahne. Schmeckt adventlich und geht ganz schnell. Rührteig, gewürfelte Äpfel unterheben und backen. Sahne schlagen und mit Zimt und Schokoraspeln mischen – auf den abgekühlten Kuchen aufstreichen und mit Kakao besteuben. Statt Äpfeln geht auch ein Glas Sauerkirschen… Und falls euch wichtige Zutaten fehlen, dann bene doch “Sonntagsruhe-Lust am Nichtstun” Eigentlich ist die Adventszeit eh eine Fastenzeit.

Ich danke Petra Nasdal für ihre leckeren Äpfel und dem Impuls zur Minirevolution…

16. Dezember

Seit wann auch immer, das Rotkehlchen gehört zum Advent dazu wie z.B. der Stechpalmenzweig. Vielleicht weil es Farbe bringt oder weil es schnell zutraulich wird oder einfach unsere Sehnsucht nach der heilen Welt verkörpert – ich weiß es nicht genau.

“Wenn du dein Leben so intensiv und vollständig leben möchtest, wie es geht,
dann sei dort, wo es stattfindet: Im Hier und Jetzt!” (Doris Kirsch)
Nun ist ja gerade der Advent eine Zeit, die davon zu leben scheint, dass wir Sehnsucht nach der Zukunft entwickeln, uns auf die Weihnacht einstellen und uns freuen. Also, was nun? Hier und Jetzt oder in 8 Tagen oder am ersten Januar oder was?

Vielleicht hilft ja das Rotkehlchen die Pause des heutigen Tages zu füllen und uns im Hier und Jetzt zu entspannen – denn eines kann man von den Piepmätzen wirklich lernen, wenn man sie beobachtet. Sie leben uns diese Worte.

Dieses kleine Kerlchen hat uns Monika Baldauf zur Verfügung gestellt.

Filz-Kolleg 2017 -Soltau- Workshop-Vorschau – 2. Teil

Der zweite Workshop im Rahmen des Filz-Kolleg, den wir euch hier vorstellen wollen, findet auch unter der Leitung von Beate Bossert in Soltau statt!

Unter der Überschrift Märchenhafte Nadelwelt können wir uns am 13.07 im Nadelfilzen üben!

Mit der Filznadel tauchen wir ein in die Welt der Glücksgeister und Fabelwesen. Dabei konzentrieren wir uns auf die kleinen Gesichter und die Möglichkeiten, die uns das Arbeiten mit der Filznadel eröffnet.
Und plötzlich betrachten wir unser Gegenüber oder die Nachbarin mit ganz anderen Augen: was macht dieses eine Gesicht so einzig? Sind es Die Augen? Die lange, kurze, dicke oder gar die Stupsnase? Hohe Wangenknochen? Dicke Bäckchen? Kleiner oder großer Mund? Gesichter sind mit das Faszinierendste, das es gibt. Je mehr die kleinen Gesichtchen Gestalt annehmen, desto lebendiger werden sie.
Materialkosten je Gesichtchen ca. 5 -10 € .

Teilnahmegebühr für Mitglieder 60,00 Euro, für Externe 80,00 Euro

 

Der dritte Workshop, den ihr bei Beate in Soltau besuchen könnt, ist “steinig”!

Faszination Steine
„Nicht Hammerschläge, sondern der Tanz des Wassers rundet den Kiesel zur Schönheit.“ (Tagore)

 

Die Faszination der Kieselsteine kennen wir alle. Das Auge verliert sich in der Vielfalt, denn keiner ist dem anderen gleich. Diese Vielfalt greifen wir im Filz auf und lassen kleine und groß, längliche, ovale, unförmige, hellgraue, sandsteinfarbene etc. Steine entstehen, die dann mit Dinkelspelz „steinhart“ gestopft werden um uns als Wohnaccessoire treu zu dienen.
Materialkosten ca. 50 – 100 €

Der Workshop beginnt am 14.07., geht über 2 Tage und kostet für Mitglieder 120,00 Euro, für Externe 160,00 Euro

Mehr Infos: FILZ_KOLLEG_SOLTAU