noch 4 Tage

Die Hühnerschar von Heike Spiekermann zeigt deutlich, dass Mitglied in einer großen Gruppe von Gleichen zu sein, nicht bedeuten muss, Individualität zu verlieren. Wenn ich mir eines aussuchen dürfte, hätte ich schon eine Favoritin, denn bei allen Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten sind sie eigensinnig.

Gemeinschaften funktionieren sicherlich dadurch, dass man sich ein wenig anpasst, gemeinsame Werte bewahrt und eine verbindende Geschichte entwickelt, auf die man blicken kann – um dann Zukunft  zu gestalten, sie mit Leben zu füllen. Was soll da Eigensinn für einen Sinn ergeben? Wer dazu gehören will, der passt sich an. Ich bin jetzt 62 Jahre alt und als ich Teenager war, da gab es die Farben der Saison. Mode war so etwas wie ein Diktat. Es gab sogar feste Regeln, welche Farben Frau kombinieren durfte. Da musste man schon sehr mutig oder rebellisch sein, eigensinnig sein, um aus der Reihe zu tanzen. Stellt euch in den frühen Siebzigern einen Mann mit rosa Hemd vor – umöglich. Heute wechseln die Moden fast monatlich, Farben spielen mit uns und wir mit ihnen. Wir haben heute ganz andere “Diktate”. Gesund leben ist so ein Diktat. Es scheint heute  immer noch wichtig, Teil einer Gemeinschaft zu sein, wie eh und je, nur die Erkennungsmerkmale haben sich gewandelt.

Das bedeutet aber nicht, dass wir die Eigenschaften, Fähigkeiten und Ideen, die uns  ausmachen verleugnen sollen. Wir selbst sein zu können, eigensinnig sein zu dürfen ist ein Geschenk unserer menschlichen Existenz und gerade auch in unserer globalisierten Welt. Bewahren wir uns dieses Geschenk auch in Zeiten, in denen alle glauben, gleiches Verhalten und Anpassung würden Zugehörigkeit sichern, Sicherheit garantieren.

Wenn ich dich von anderen nicht mehr unterscheiden kann, wenn deine Arbeit dich nicht mehr identifiziert weil sie anderen zu sehr gleicht, dann verwechsle ich dich nicht nur – ich kann dich nicht erkennen. Nur wenn ich dich an dir selbst erkenne kann, an deinem Ausdruck und deinen Farben, werde ich mir wünschen können, dass wir eine gemeinsame Geschichte erzählen.Wenn du mit allem was du tust, eigensinnig Du bist, kann ich auch ich selbst sein.

Dann stört es auch nicht, wenn wir beide einen roten Hut wählen oder zusammen in einem Boot sitzen – ganz im Gegenteil.

Kommt gut durch die Nacht!

 

noch 16 Tage

Was ihr hier seht, ist ein kostbares Filz-Kunstwerk für unsere geplante und so sorgfältig vorbereitete Wanderausstellung ” Ver-Kleidung”. Ab dem 17.04. sollten in Mindelheim alle weiteren Arbeiten zu betrachten, zu bestaunen, sein. Wir hatten ein umfangreiches Rahmenprogramm geplant und vorbereitet – doch wie so oft in diesen Tagen – der Termin wurde erst einmal abgesagt. Es ist wie es ist – wie und wann es weitergehen kann – wir informieren euch ganz sicher und wir machen euch ein wenig Appetit mit dem einen oder anderen Foto aus dem Katalog.

Jetzt aber mal zu diesem “sportlichen Schweinehund”. Ich möchte nicht wissen, welche Gedanken ihm gerade durch den Kopf gehen, denn ich stelle mir gerade vor, dass er in der Türe steht und überlegt, ob er nun wirklich loslaufen soll oder ob es nicht doch noch etwas zu kühl ist, für solche gewagten Aktionen.

Jetzt gibt es zwei Alternativen, wie so oft im Leben. Einmal entscheidet er sich dafür, all seinen Willen zusammenzuklauben und ganz einfach los zu laufen:

” Ich hab es geahnt, es ist einfach noch zu kühl und diese Straße, nee, das ist nix für meine Füße. Irgenwo gings doch hier ab in den Wald? Ah, da ist ja der Abzweig, hier muss es langgehen. Das soll ein Wald sein? Grün ist hier aber noch nix und die Kieferzapfen pieksen an den Füßen. Warum bin ich nur losgelaufen? Von wegen gesund, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, gehört doch … ach egal. Um Hiommels Willen, jetzt kommen mir auch noch Leute entgegen und einen Hund haben sie auch noch dabei. Platz daaa! Uff, das ist ja noch mal gut gegangen, aber knapp. Irgendwie hab ich mir das alles ganz anders vorgestellt.” Zehn Minuten danach begegnet ihm eine zauberhafte Schweinehunddame im pinken Laufanzug. Die Selbstgespräche werden wir jetzt nicht mehr belauschen. In dieser Geschichte würde er übrigens Abends eher einen Smoking anziehen … aber wer weiß.

Die andere Geschichte endet im Schlafanzug auf dem Sofa mitsamt eine Tüte Chips oder was sportliche Schweinehunde so mögen. “Jetzt lieg ich wieder wie immer hier rum. So ein Quark, kein anständiges Buch zu Hause, nix im Fernsehen und im Radio reden sie über den Wert einer sportlichen Aktivität am Tag. Geht es noch? Ihr spinnt ja wohl, von wegen Sitzen ist das neue Rauchen. Jetzt kann man noch nicht einmal mehr in ruhe irgendwo sitzen und seinen wohlverdienten Feierabend genießen. Frechheit.”

Ach übrigens, die Dame im rosa Laufanzug ist an diesem Abend leider nicht vorbei gekommen. Sie saß in der Oper mit dem Wolf im Schafspelz.

Manchmal ist es doch nicht so verkehrt, wenn man sich einen Ruck gibt. Gebt ihr euch einen Ruck und filzt uns einen Virus oder ein anderes Tier! Maria Sagurna hat sich das gewünscht – wir könnten so eine kleine virtuelle Ausstellung veranstalten. Sagt mal was dazu!