12. Dezember

Diese Lotosblüte von Christine Rusch symbolisiert Vielschichtigkeit und dennoch Einheit.

Ich möchte heute etwas schreiben über all die Filzkünstlerinnen, die sich hier zeigen. Diese Tage leben von den Fotos und die Fotos leben von den Arbeiten, die ihr erst erdacht, dann hergestellt und dann abgelichtet habt, bevor ihr sie vertrauensvoll zur Verfügung gestellt habt. Seit ich diesen Verein kennen gelernt habe, bin ich immer wieder beeindruckt von der Vielfalt und vor allem der Könnerschaft, die unter dem Netzwerkgedanken versammelt ist.

Wir sehen uns viel zu selten und sind doch verbunden. Wenn ich an unser Ausgangsmaterial denke welches allen gemeinsam ist, kann die Unterschiedlichkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und noch etwas hat mich an Filzerinnen immer begeistert. Ihr alle seid wissbegierig, neugierig, wollsüchtig und lernwillig. Jedes Foto auf unserer Website – egal zu welcher Jahreszeit veröffentlicht – spricht für euer kreatives Talent.

Deshalb kann ich nur sagen traut euch raus, macht bei Ausstellungen mit, veröffentlicht eure Arbeiten in Umgebungen, in denen ihnen Wertschätzung zu Teil wird. Wir alle sollten unsere kleinen Filzwunder mehr hinaustragen in die Welt.

Ein guter Anfang wär doch unsere nächste Ausstellung. Traut Euch – auch wenn ihr nicht im Netzwerk sei.

Hier findet ihr sowohl die Ausschreibung als auch das Bewerbungsformular

11. Dezember

Einladung zum Tee von Carola Heuser.

Zucker ist für mich etwas, was einfach in die Adventszeit gehört. Zucker im Tee, ein kleiner Löffel, macht den Tee zu einem ganz neuen Getränk. Zucker in den Plätzchen intensiviert den Geschmack aller Zutaten. Sicher spielt es keine Rolle ob es Rohrzucker, Puderzucker oder Rübensirup ist. Die Lebensmittel zu versüßen geht sicher auch mit Honig. Aber schon um Marmelade einzukochen ist Zucker ein wirklich altvertrautes und vor allem bewährtes Konservierungsmittel, dass sogar schmeckt. Klar, Zucker ist wie so vieles in Verruf geraten, weil es zu viel davon gibt in der Nahrung. Denn wie bei fast allem auf dieser Welt, die Dosis macht es.

Irgendwie erinnert mich die Frage der Dosis an so viele andere Dinge, die uns heute durch den Alltag begleiten. Egal ob das mobile Telefon, das ja schon lange kein Telefon mehr ist sondern mehr und mehr Alltagsfunktionen abdeckt – vom Adressbuch über Kalender bis hin zum Zahllungsmittel – oder Newsletter, die irgendwie gar nicht mehr viel Neues berichten aber immer mehr werden. Zur Zeit werden wir überschwemmt mit Sonderangeboten, mit Versandkostenfreiheit und noch einem Sale.

Und dann die Masse an Adventskalendern. Da stimmt die Dosis gar nicht mehr. Überall kann man, vielleicht, etwas gewinnen wenn man nur seine Adresse hinterlässt und mal kurz ein paar Häkchen macht… Da kommen mir leise Zweifel, ob es richtig ist noch einen Adventskalender zu schreiben. Aber manchmal da schreibt eine von Euch einen Kommentar und ich denke, vielleicht stimmt die Dosis noch.

Apropo Dosis. Gestern habe ich im Bioladen an der Brottheke gestanden und mehr oder weniger geduldig gewartet. Vor mir stand eine ältere Dame – auch ohne Smartphone in der Hand – sie hat mich doch tatsächlich angelächelt. Ich hab einfach zurückgelächelt und schon verging die Zeit schneller. Was so eine unerwartete Dosis Freundlichkeit so alles ausmacht.

10. Dezember

Katja Hannig hat diesen Sessel so stimmungsvoll befilzt. Er sieht so sehr nach Entspannung aus.

Ich habe heute ein ganz merkwürdiges Alltagswunder für euch. Ich hatte eine Arbeitsliste für heute vorbereitet, bin früh aufgestanden und wollte mich sofort ans Werk machen – also an die vielen Werke auf der Liste. Ich habe sie sorgfältigst durchgeplant und gerechnet, mir eine Pause aufgeschrieben und sogar 30% des Tages zur sogenannten freien Verfügung offen gelassen. Ich war (gestern nach einem Chaostag) so sicher, dass ich heute mein Pensum wegarbeiten kann. Dadurch könnte ich mir dann endlich frei nehmen für Freunde und freie Zeit. Das muss doch endlich mal klappen.

Frühstückstisch decken, Nachrichten lesen (sollte man auch mal lassen), Küche aufräumen und ab an den Schreibtisch. 2 Stunden, dann sind alle Punkte abgearbeitet – und immer neben mir die Liste. Kaum sitze ich, da leutet es. Die Post, jetzt schon? Gut, nicht lange fackeln, aufstehen und an die Türe gehn.

So, und da stand das Alltagswunder in Form einer alten Freundin die ich seit Jahren kaum noch sehe, weil zwischen uns 500km liegen. Was soll ich euch sagen, es war ein entspannter Vormittag, es gab so viel zu reden. Am Nachmittag haben dann noch zwei mir sehr vertraute Frauen angerufen, die mich ganz fröhlich gemacht haben. Danke für eure Alltagswundergaben!

Die Liste? Die ist noch voll, aber sie liegt wieder sicher auf dem Schreibtisch und wartet geduldig auf den Rotstift. Ich hatte heute einen entspannten Tag, wer weiß ob ich ihn mir morgen oder wann auch immer genommen hätte.

8. Dezember

Sonntag, zweiter Advent! Noch 16 Tage bis zum Heiligen Abend…

Zeit für die Adventsbäckerei. Wahrscheinlich haben die meisten von Euch bereits Plätzchen gebacken, einen Stollen oder ein Früchtebrot vorbereitet. Und all diejenigen, die noch nicht dazu gekommen sind, die haben vermutlich ein mehr oder weniger schlechtes Gewissen. Man rennt einem laufenden Ziel hinterher, das Jahr über schon und in der Vorweihnachtszeit sowieso. Und nun ist heute Sonntag und entgegen der üblichen Frauenlogik, die sich für so vieles verantwortlich fühlt, machen wir heute mal nur, worauf wir Lust haben. Sonntagsruhe-Lust.

Einfach so sitzen, lesen, Sterne falten oder dem Heimkino die Regie übertragen. Füße hoch, Teetasse in der Hand und sich nur um sich selbst kümmern. Wenn jemand etwas von uns will, soll er es auf seinen Wunschzettel schreiben, vielleicht erfüllt sich der Wunsch ja an Weihnachten. Derjenige oder diejenigen können sich ja neben euch setzen und mit euch gemeinsam nichts tun – jedenfalls nichts Zielführendes, Erwartungen erfüllendes oder gar ein “Muss-unbedingt-gemacht- werden”. Am Anfang fühlt es sich an wie die Reise in ein fremdes Land, doch einmal angekommen lassen sich die Annehmlichkeiten wunderbar genießen.

Macht ihr mit?

Wenn es euch gar so schwer fällt, der hungrigen Meute die küchenkalte Schulter zu zeigen, dann aber keine Plätzchen sondern einen einfachen Apfelkuchen mit viel Zimtsahne. Schmeckt adventlich und geht ganz schnell. Rührteig, gewürfelte Äpfel unterheben und backen. Sahne schlagen und mit Zimt und Schokoraspeln mischen – auf den abgekühlten Kuchen aufstreichen und mit Kakao besteuben. Statt Äpfeln geht auch ein Glas Sauerkirschen… Und falls euch wichtige Zutaten fehlen, dann bene doch “Sonntagsruhe-Lust am Nichtstun” Eigentlich ist die Adventszeit eh eine Fastenzeit.

Ich danke Petra Nasdal für ihre leckeren Äpfel und dem Impuls zur Minirevolution…

7. Dezember

Barbara Eichhorn hat das heutige Foto für den Adventskalender zur Verfügung gestellt. Mich hat die Zartheit dieser Arbeit sofort berührt. Vogelleicht, licht und irgendwie als ob sie tanzen wollte, die Schale.

Sie ist sich selbst genug, muss nichts halten, lässt Licht und Luft durch und doch ist sie ganz präsent. Es gibt Dinge  – und manchmal auch Menschen – auf dieser Welt, die so dringend im Vordergrund stehen wollen, dass sie sich ganz dicht machen, schreiend bunt – im Blocksatz. Man kommt nicht an ihnen vorbei, ohne zu staunen, sich zu wundern oder gar sich zu ärgern. So etwas ist immer gut, wenn die Dinge für den Notfall da sind, z.B. Feuerlöscher, die sollte man sofort sehen und nicht erst suchen müssen. Auch in der Werbung kann es nicht laut, bunt, dicht oder auffällig genug sein.  Wie auch immer die Beweggründe sind, zuviel davon ist unglaublich anstrengend. Gerade jetzt zur Adventszeit haben viele im öffentlichen Raum Verantwortliche verlernt, zart, leise und transparent zu sein. Das Kind, auf dessen Ankunft all diese Tage im Advent vorbereiten sollen, kam nicht mit einem lauten Knall in diese Welt, auch nicht begleitet von tausend Weihnachtsshows und schreiend bunten Lichtern. Es kam in einer stillen Winternacht mit wenig Farbe zur Welt – zart, klein und noch ein wenig transparent – wie wir alle an unserem ersten Tag. Danke Barbara, dass du uns erinnerst, an die Zartheit dieser Tage, dieser Botschaft und das kleine Wunder, das jeden Tag geschieht, wenn sich ein neues Menschlein auf den Weg macht.

Vielleicht habt ihr ja Lust auf eine kleine Aktion, die mir heute spontan beim Screiben eingefallen ist. Eine Maria, nur aus ungefärbten Wollen, ganz zart gearbeitet.