noch 8 Tage

Für Anke Güttler – Lebensrad

Anke schrieb zu dem Rad, dieses Geschenk erinnere sie immer daran, dass sich das Rad immer wieder weiter dreht – auch wenn wir mal am Rad drehen.

Voller Blüten ist dieses Rad, voller Leben und gefüllt mit Abwechslung – genau wie ein Garten. Gabriella Pape, eine Gartenkünstlerin die ich sehr bewundere, hat mal geschrieben, wir würden uns oft wie Bienen verhalten, wenn wir einen Garten zum ersten Mal betreten. Uns würden die Farben magisch anziehen, an ihnen würden wir uns orientieren. Erst mit der Zeit könnten wir erkennen, wo die Wege sind, woher das Licht kommt und könnten vielleicht sogar Absichten erkennen.

Letztendlich passen Rad und Garten wunderbar zusammen. Der Garten verändert sich mit dem Jahreszeitenrad beständig. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz, ihre Farben und ihre Ausstrahlung. Und mit den Veränderungen, mit den Wachstumszeiten und Erntezeiten ändern sich die Anforderungen. Es gibt Zeiten, da muss man ganz schön Arbeiten und sich mühen, den Spaten und die Hacke einsetzen damit der Garten einem treu bleibt, denn Vernachlässigung mag er gar nicht. Er will uns bei sich haben, aber nicht nur in der Hängematte. Doch es gibt auch die Zeiten, in denen man die Hände in den Schoß legen muss, da ist Geduld und Warten angesagt. Wenn wir ihn beim Ruhen stören oder zu früh Ertrag fordern, dann “lacht er uns aus”, der Garten und wir stehen mit leeren Händen da.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass ein Garten ein Lebenswerk ist, dass man nie den Punkt erreicht an dem nichts mehr getan werden muss. Irgendwie finde ich trifft das auch auf unser Leben zu. Wenn wir es vernachlässigen, es aus den Augen verlieren und nicht ab und zu umgraben, dann mag das Rad sich nicht mehr drehen.

Wer weiß schon, welche Schätze durch einen weiteren Spatenstich ans Tageslicht kommen. Kommt gut in den Palmsonntag!

noch 9 Tage

Von Wölfen und Schafen von Claudia Hecker

Schafe und Wölfe – Wolfsschafe oder Schafswölfe. Im Märchen frisst der Wolf Kreide um seine Beute, die Zicklein, zu täuschen. Na ja, und wie im Märchen so üblich, hilft es ihm wenig. Er ist zu gierig und kann aus seiner Täuschung am Ende keinen Profit ziehen. Wer das Märchen kennt, der weiß wie der Wolf endet.

Ob man immer so erfolglos ist, wenn man mal “Kreide frisst”? Manchmal scheint es angebracht zu sein, seiner Stimme einen lieblicheren Klang zu verleihen, sich gar zu verstellen. Es gibt Situationen, in denen man Nerven, Stimme und Kraft schont, wenn man nicht mit gleicher Münze zurück zahlt oder gleich aus der berühmten Haut fährt. Pampige, unfreundliche Menschen gibt es schon genug, das Spiel muss ich nicht mitspielen. Ich kann auf mich achten, manches vor der Tür lassen, nicht an mich herankommen lassen, nicht zu allem meinen Senf geben. Man kann sich den Preis überlegen, den man zahlen würde, wenn man auf die Kreide verzichtet, wenn mit “gleicher Münze” zurück zahlt. Doch jetzt mal ehrlich, es gibt auch Augenblicke im Leben, da ist ein hartes, ein klares Wort wichtiger als die gute Stimmung. Dann legt man den Schafsmantel mal ab und darf sich “Luft” verschaffen, sich den Balast von der Seele reden. Und das tut man besser, bevor der andere denkt, er könne einen zum Frühstück verspeisen. Ihr merkt schon, ich bin heute irgendwie in “sprichwörtlicher” Laune, weil es mir so leichter fällt, ruhig zu bleiben. Ich bin mal gespannt, wie lange unsere Kreidevorräte noch ausreichen in diesen Tagen.

Die beiden ausdrucksstarken Skulpturen gehören übrigens auch zu den Arbeiten, die in unserer Ausstellung gezeigt werden sollen und jetzt vermutlich noch länger auf ihren Auftritt warten müssen. Wieder ein Stück Kreide weniger!

Bleibt gesund!

noch 10 Tage

Gänseblümchen von Beate Bossert

“Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…” Ein kleines Blümchen als Orakel, zauberhaft. Vielleicht auch ein wenig irrational, doch manchmal brauchen wir Antworten, die uns keiner geben will oder kann. Dann hilft das Irrationale doch immerhin ein wenig. Auf der Suche nach Antworten in ungewissen Zeiten sind Orakel willkommen. Wissenschaftliche, irrationale oder auch statistische Vorhersagen erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit.

Es scheint zutiefst menschlich, gerne mal einen Blick in die Kristallkugel zu wagen. So ganz ohne Sicherheiten in die Zukunft zu gehen, wer will das schon. Da lesen wir lieber Prognosen oder lassen uns von Zukunftsforschern ein Wolkenkuckucksheim bauen. Und weil es so nett ist, darf sich jeder mal daran beteiligen sich selbst oder anderen mit grollendem Unterton eine eher dunkle Zukunft vorherzusagen.

Selbst in Erziehungsfragen spielen diese Prognosen eine lebensprägende Rolle. “Wenn du nicht lernst, dann wirst du als Müllmann enden” sagte der Vater eines Freundes immer wieder zu ihm. Heute sind Müllwerker systemrelevant und hoch geschätzt. Ich bin mir sicher, der strenge alte Herr hatte ein anderes Bild vor Augen, sonst wäre die düstere Zukunftsdrohung irgendwie wirkungslos gewesen.

Ist es einfach nur zu wenig Vertrauen in Gott und die Menschen, dass wir lieber den warnenden, dunklen Vorhersagen zuhören als auf unsere eigene Kraft zu vertrauen und der Zukunft eine Chance zu geben? Genau weiß ich es nicht, ich ahne nur, dass mir ein Gänseblümchenorakel allemal lieber ist. Gerade jetzt sind wir. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Gute Nacht!

noch 11 Tage

Frühling – eine Projektarbeit von Carola Heuser

Noch 11 Tage! Eine kurze Distanz bis zum Osterfest…

Hellle, lichte Farben – gerahmt und in gebührender Distanz zueinander, so dass jede einzelne ungestört ihre Wirkung entfalten kann. Ich denke in den letzten Tagen oft über das Wort Distanz nach.

Abstand, Messgröße, Zeitraum oder gar seelische Zustandsbeschreibung? Es gibt Distanzscheiben, damit etwas passgenau zusammengesetzt werden kann. Mit Distanz zu spielen kann ein künstlerisches Stilmittel sein, als Autofahrer sollte man immer Distanz halten zum Vordermann sonst könnte der Bremsweg nicht ausreichen. Brücken überwinden Distanzen. Bei Gesprächen vis a vis empfinden wir eine Armlänge Abstand angenehmer als Distanzlosigkeit. Einem Menschen “auf die Pelle zu rücken” schafft in der Regel innere Distanz und man versucht auszuweichen. Distanzlosigkeit, körperliche wie verbale, weckt Abwehrgefühle bis hin zur Aggression. Jeder von uns hat seine eigene Distanzlinie und die Erlaubnis diese zu überschreiten zu dürfen ist ein großer Vertrauensbeweis. Distanz und ihr Gegenteil, die Nähe, sind irgendwie allgegenwärtig. Nähe kann beruhigen oder verwirren, Fragen aufwerfen…

Na gut! Nun wird Distanz gerade zum Zauberwort, zur Aufforderung und zum Rettungsanker in ungewissen Zeiten. Mir geht das Bild eines Seiltänzers nicht aus dem Kopf. Vor vielen Jahren haben wir mal an einer Veranstaltung teilgenommen, in deren Verlauf wir auf einem sehr schmalen Brett balancieren sollten. Zunächst lag das Brett auf dem Boden und die Distanz zu überwinden war ganz einfach. Niemand verlor das Gleichgewicht oder hatte Angst von einem Ende zum anderen zu schreiten. Merkwürdigerweise wurde die Unsicherheit geradezu sichtbar größer je höher das Brett gelegt wurde. Vielleicht ist es wirklich eine Frage unserer Vorstellungen, wie hoch wir das Risiko einschätzen, Distanzen zu überwinden. Wenn die vorgegebene Höhe uns zu groß erscheint, trauen wir uns die Wegstrecke nicht mehr zu.

Gerade jetzt, wo räumliche Distanz so wichtig zu sein scheint, wünschte ich mir mehr Fantasie in der Überwindung von von seelischer und psychischer Distanz.

Distanz ist ein gutes Stilmittel und in vielen Bereichen wirklich wichtig, aber von Mensch zu Mensch ist sie ungeheuer anstrengend. Vielleicht brauchen wir alle eine Balacestange oder ein rosa Schirmchen um die Distanzen zu überwinden und zu überstehen. Und wenn ihr jemanden habt, der nicht Distanz halten muss, dann nehmt ihn mal stellvertretend für die vielen, die gerade auf dem Seil Halt suchen, in den Arm!

Schlaft gut!

noch 12 Tage

Hier ist er also, der erste Beitrag zu unserer virtuellen Ausstellung “Vom Virus und andern Tieren” ! Vielen Dank Karin Twelkemeier für den Startschuss!

So, und jetzt seid ihr daran, ihr lieben Filzerinnen – wir sind auf euer Fotos mit und um den Virus gespannt… Sie werden regelmäßig veröffentlicht werden! Versprochen 🙂