14. Dezember

Ähnlich und doch nicht gleich, verwandt und doch ganz eigenständig – die beiden Böckchen von Meike Raßbach sehen auf den ersten Blick aus, als seien sie sich nicht grün. Doch das sieht bestimmt nur so aus. Sie stammen nämlich voneinander ab – oder sie sind aus dem gleichen Holz – nein Filz – geschnitzt…

Meike Raßbach hat sich eine uralte Technik zu eigen gemacht und spielt mit neuen Mustern. Das etwas Neues aus Altem entstehen kann, dass wir traditionelle Techniken, Rezepte und Materialien in unsere Zeit holen, vielleicht anpassen oder neu interpretieren, das ist ja wahrlich kein Geheimnis.

Vielleicht berühren mich die beiden Köpfchen deshalb so sehr, weil uns viel zu oft entgeht, dass wir nicht aus der Zeit gefallen sind. Wir stecken im Kontinuum, wir nehmen, ohne es zu registrieren, Worte unserer Großeltern in den Mund, kochen nach Rezepten wie unsere Mütter es taten und sogar unsere Gesten sind ein Erbe unserer Vorfahren. Natürlich ist all das in jedem von uns neu zusammengesetzt, wird unterschiedlich eingesetzt und mit der Zeit werden wir dann selbst zum Anker für die nächste Generation. Wissen, Kenntnisse und Haltungen fallen uns modernen Menschen also nicht in den Schoß, sie haben ihre Wurzeln immer in der Vergangenheit. Ab und zu etwas Bescheidenheit stünde uns deshalb nicht schlecht an.

13. Dezember

Erika Graf zeigt seit vielen Jahren, dass Filzkleidung nicht nur Hülle ist. Die Wolle kann in kundigen Händen fast alles werden – von der Märchenbraut bis zum Ballkleid ist so vieles möglich. Gerade weil der nassgefilzte Handfilz so unendliche Spielräume eröffnet, fiel mir ein Gespräch ein, dass ich vor Kurzem führen durfte. Mir jemand erzählt, dass man beim Filzen jeder Faser Zeit geben muss, sich zu verbinden mit den anderen Fasern. Es sei so ein wenig wie bei uns Menschen. Es gibt scheue und draufgängerische, zaghalte und ruppige Fasern. Doch egal wie, wenn sie sich einmal verbunden haben, dann kann man sie nicht mehr trennen.

Auch wir Menschen brauchen unterschiedlich lange um uns miteinander vertraut zu machen. Dem einen genügt ein gutes Wort, um sich anzuvertrauen, andere suchen lange nach positiven Anzeichen um den Mut für eine Annährung zu fassen. Beziehungen zu begründen ist niemals nur eines Menschen Ding. Wir brauchen das Gegenüber um Verbindung herstellen zu können. Nur so kann Untrennbares entstehen.

12. Dezember

Dagmar Natuschka hat die vier dabei erwischt, wie sie total interessiert auf der Ofenbank sitzen und warten. Auf was warten die Herrschaften eigentlich? Ihr denkt sicher, sie warten aufs Christkind. Tja, ihr Lieben, da müsst ihr noch genau 12 Tage warten. Ihr habt ja noch Glück, ihr sitzt auf dem warmen Ofen und habt einander. Ihr könnt einander Geschichten erzählen, euch an den Händen fassen, miteinander lachen und vielleicht sogar miteinander weinen. Warten will gelernt sein, denn es ist so wichtig heut zu Tage. Wir warten ja nicht nur aufs Christkind, wir warten auf Post, auf der Post, wir warten auf einen Anruf oder eine Antwortmail. Warten muss man oft auch auf Behördentermine und vor allem in Arztpraxen kann man das Warten hervorragend üben. (Hier denk ich manchmal es gehört zum Heilungsvorgang, – wer nicht genug gewartet hat, der kann nicht gesund werden…) Warten scheint wirklich eine Kulturtechnik zu sein, so wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Also jedenfalls wird erwartet, dass du klaglos warten kannst… Ich weiß ja nicht so recht.

Wir warten auch manchmal auf ein Lächeln, auf eine Umarmung oder ein liebes Wort. Wir warten darauf, dass uns ein lieber Mensch anruft und denken im Stillen, wenn wir demjenigen wichtig genug wären, würde er sich sicher melden. Solche Selbst-Verunsicherungen trüben uns den Blick und machen uns so müde. Es gibt wenige Gelegenheiten, bei denen wir ganz viel Einfluss auf die Zeitdauer des Wartens haben, aber in all diesen Fällen schon.

Lächle einfach und ruf an, nimm den Menschen neben Dir in den Arm und sag ein paar freundliche Worte. Du verleihst dem Augenblick Bedeutung – nicht das Warten!

10. Dezember

Wer gut vorbereitet ist, der kommt auch gut ans Ziel. Wer sich alles zurecht legt, der findet auch, was er braucht und kann schnell und zügig arbeiten. Die weihnachtlichen Knopfideen sind auf dem gut präparierten Arbeitstisch von Beate Bossert entstanden.

Wenn man sich die Ergebnisse betrachtet, dann ahnt man vielleicht, wie viele Arbeitsschritte und Handgriffe notwendig sind, um diese Kostbarkeiten entstehen zu lassen. Sie könnten doch glatt als Baumschmuck dienen.

Nun sind in meiner Vorstellungswelt Knöpfe in erster Linie zum Verschließen da. Sie schützen den Inhalt einer Tasche vor fremdem Griff, sie machen einen Mantel erst dicht, sie verstecken den Inhalt einer Aktenmappe und halten Hosen und Röcke an Ort und Stelle. Damit ein Knopf seine Aufgaben wirklich erfolgreich erfüllen kann braucht er immer ein Gegestück, sozusagen. Ein Knopf ohne Knopfloch oder Halteschlaufe ist irgendwie bestenfalls Zierde. Wir alle haben nichts gegen Zierde. Zierde, klug eingesetzt, wertet auf, belebt und verleiht den letzten Schliff. Aber ein Knopf soll doch vor allem praktisch sein. Oder etwa nicht? Hier fällt mir wieder der Satz ein, dass das eine das andere nicht ausschließt. Wenn eine Beziehung aus gegenseitiger Hilfe oder Unterstützung entstanden ist, kann sie dennoch wunderbar föhlich sein und eine tiefe Freundschaft begründen. Ich muss weder Dinge noch Menschen nach irgendwelchen Kriterien in Schubladen sortieren. Manchmal haben nicht nur Knöpfe zwei Seiten!

9. Dezember

Diesen Engel hat uns Ina Jeromin zugeschickt. Sie verbindet in diesem Adventsboten zwei Handwerke, das Filzen und das Klöppeln. Es gibt ihn “nur einmal auf der Welt…” steht im Gedicht. Ich finde, wir können gar nicht oft genug betonen, dass wir Filzerinnen immer etwas Einzigartiges erschaffen. Jedes unserer Stücke ist ein Unikat. Stolz sein auf unsere vielfältigen Talente und Kenntnisse ist das Mindeste, was wir der staunenden Welt zur Kenntnis bringen sollten!

Der Engel

Was an diesem Engel besonders gefällt,

es gibt ihn ein einziges Mal auf der Welt,

von Hand gefertigt, für Dich gemacht

sagt er Dir stets: „Gib auf Dich Acht!“

Er soll Dich mahnen, Dich bewachen,

mit Dir weinen, mit Dir lachen,

soll Dich begleiten in schweren Tagen,

soll Deine Lasten mit Dir tragen.

Zum Schluss noch möchte er Dir sagen:

„Auch andere kennen Angst und Plagen!“

Und so mahnt er ganz nebenbei,

dass einer des anderen Engel sei!

Arno Schmitt