Waldschaf

Hans Kjäer – www.waldschaf.at

Geschichte und Herkunft:

Das Waldschaf stammt vom bereits ausgestorbenen Zaupelschaf ab. Dieses Zaupelschaf war damals eine der häufigsten Schafrassen in Süddeutschland, Böhmen und Mähren (heutiges Tschechien), da es meist in kleinen Gruppen zur Selbstversorgung gehalten wurde. Aufgrund der Zunahme von Merinoschafen und Fleischschafen wurde es immer mehr in die raueren Gegenden zurückgedrängt. Da sich diese Schafrasse immer auf die Bedürfnisse der Bauern einstellen musste, wurde in das Zaupelschaf(und somit auch das Waldschaf) vermutlich eher planlos eingekreuzt als das einem bestimmten Zuchtziel zu gefolgt wurde.

Die Nachkommen des Zaupelschafs hatten somit auch keinen einheitlichen Rassenamen. Ende des 19ten Jahrhunderts wurde das erste Mal der Name ‚Wäldlerschaf‘ erwähnt, welches sich aber eher auf die Region des Bayerischen Waldes bezog. In Anlehnung an diesen Namen wurde der Name Waldschaf später dann als Rassebezeichnung festgelegt.

Die Erhaltungszucht begann bei dem Waldschaf erst sehr spät. In den späten 1980ziger Jahren begann man die letzten Lebendbestände in Deutschland, Österreich und Tschechien zu suchen und begann mit ca. 100 Tieren die Erhaltung der Rasse. Leider gab es schon rasch Inzuchtprobleme, da die Ursprungstiere offenbar schon sehr eng untereinander verwandt waren. Erst ab Ende der 90ziger Jahren begann man zumindest in Österreich mithilfe eines speziellen PC-Programms die Abstammung der Tiere zu dokumentieren und so durch Berechnungen und vielen weiteren Maßnahmen gezielt die Vermeidung von Inzucht. Seitdem erholen sich die Bestände in Deutschland und Österreich stetig.

Dadurch, dass diese Schafe damals „nur“ der Selbstversorgung galten, mussten sie robust und ohne Aufwand zu halten sein. Es wurden das Fleisch und die Wolle verwertet. Häufig wurde früher das weibliche Leitschaf an einer langen Kette angepflockt und der Rest der Herde entfernte sich nie weit von diesem Leitschaf.  So entwickelte sich eine Rasse, die als robust, unkompliziert, fruchtbar, standorttreu und sehr umgänglich beschrieben wird.

Foto Anna Aumayer-Hinterreiter

Aussehen und Wolle:

Das Waldschaf gehört zu den kleinen bis mittelgroßen Landschafen. Die Böcke wiegen zwischen 60-80kg und haben eine Widerristhöhe von ca. 65cm. Die Auen sind ca. 60cm hoch und wiegen zwischen 40-55kg. Der Kopf des Waldschafes ist recht kurz, die Stirn ist bewollt und die kleinen Ohren stehen seitlich, fast gerade ab. Diese Rasse besitzt einen langen bewollten Schwanz und gilt als feingliedrig. Beide Geschlechter können gehörnt sein. Bei den Böcken sieht man meist schön gedrehte Schneckenhörner. Die Hörner der Auen sind, sofern vorhanden, deutlich kleiner und zierlicher und erinnern oft an die Hörner weiblicher Heidschnucken.

Die Wolle des Waldschafes ist charakteristisch für alte Landschafrassen mischwollig. Sie besteht aus Stichelhaaren, Grannenhaaren und feinen Wollfasern, welche den Hauptanteil bilden. Besonders häufig ist das Waldschaf mit weißer Wolle anzutreffen. Allerdings kommen ebenso braune, graue, schwarze oder gescheckte Tiere vor. Man merkt, dass das Waldschaf ein sehr untypisches Landschaf im Sinne seines Aussehen ist, denn es kommen viele Größen- , Woll- und Farbvariationen vor.

Hans Kjäer – www.waldschaf.at

Text Yasmin Gross

Wollbetrachtung und Filzversuche

Waldschaf Teilvlies Rücken- und Flankenstück

zugegebenermaßen macht das mir vorliegende Stück braunes Walsschafvlies einen eher rustikalen Eindruck. Da sich das Stück auch als sehr schmutzig erweist, wird es wohl eher nicht zu vielen Projekten herangezogen werden. Allerdings lässt sich an diesem Stück Vlies sehr schön erkennen, dass auch das Waldschaf sehr unterschiedliche Wollqualitäten aufweist. Die Rückenpartie hier ist sehr kurzfasrig, stark ausgebleicht und struppig, während wir an dem kleinen Flankenstück lange Haare entdecken.
Es war außerdem vergönnt, ein wenig sehr schöne weiße Waldschafwolle zu bekommen, die zwar sehr viel kürzer, aber auch sehr viel sauberer ist, so läßt sich die Wolle deutlich besser beurteilen. Ich werde die Versuche also einmal mit langer brauner – und kurzer weißer Wolle durchführen.

Die weitergehende Wollbetrachtung zeigt bei beiden Farben sehr deutliche Faserunterschiede. Es sind sehr deutlich die fein gekräuselten Wollhaare zu erkennen und die etwas dickeren grobgelockten Grannen, die bei der Weißen Wolle deutlich kürzer sind und sich deshalb nicht von den Wollhaaren trennen lassen. Gut zu erkennen sind außerdem die, teils sehr kurzen Stichelhaare.

Spickelhaare schwarz
getrennte Wolle

Da die braune Wolle sehr viel länger ist, kann der Versuch gewagt werden, die einzelnen Fasern zu trennen. dabei stellt sich schnell heraus, dass sich auch die langen Haare ncoh einmal in verschiedene Fasertypen unterteilen, was ich hier aber nicht näher untersuchen möchte. Zu sehen ist schön die Farbunterschiede der einzelnen Fasertypen. Die Grannen erscheinen in hellem beige, die Wollhaare sind braun und schließlich die Spickelhaare sind tief schwarz.

Filzversuche

Wie immer, wurden einmal 10 g Wolle und einmal 3 g Wolle auf einer Fläche von 20x20cm ausgelegt und bis zum Ende geschrumpft. Bei der langhaarigen braunen Wolle, dient der Versuch mit 3 g allerdings nur dazu, zu zeigen, wie es nicht geht. Beim Auslegen dieser geringen Menge, habe ich die Wolle immer so plaziert, dass die filzende Unterwolle an den Rändern zu liegen kam. So verblieben in der Mitte lediglich die langen Grannen, die gar nicht filzen. So scheint es, als wäre die Probe nur sehr wenig geschrumpft. Stattdessen, ist sie aber sehr wenig verfilzt. Bei der Weißen Probe mach ich das besser.

es zeigt sich deutlich, dass auch bei geringer Dicke ein schöner Filz entsteht, wenn die Störfasern nicht zu dominant sind.

Es ergeben sich nachfolgende Werte:

Farbe und
Anfangsgewicht
AusgangsmaßEndmaßSchrumpfungs

faktor
braun 3g20x20cm============
braun 10g20x20cm13×13,5cm1,54
weiß 3g20x20cm9×9,5cm2,1
weiß 10g20x20cm13,5×13,51,35

Abschließend lässt sich bemerken,
auch Waldschafwolle ist ein ganz ordentliche Filzwolle. Wie so oft, kommt es vor allem auf die Qualität des Lieferanten an. Die weiße Wolle filzt wunderbar, ergibt einen schönen, gleichmäßigen festen Filz, der eine einigermaßen geschlossene Oberfläche aufweist. Bei der langen, braunen Wolle dominieren die Störfasern so, dass der Filz eher offen und fasrig wirkt und nicht belastbar erscheint.


Fazit:

grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jede Wolle für was zu gebrauchen ist. Waldschafwolle wird aber, auch in guter Qualität nicht zu meinen Favoriten werden.

Text und Bilder Filzversuche und Wollbetrachtung Margit Röhm