Rhönschaf / graues Rhönschaf

Das Rhönschaf

Rhönschaf Herde – Foto Wikimedia – BBB Comons

Geschichte

Das Rhönschaf wurde schon 1846 namentlich erwähnt und in dem vorliegenden Text wurde sogar bis ins 16. Jahrhundert verweisen. Es gehört damit zu den ältesten deutschen Schafrassen. Da die Rhön zu jener Zeit ein sehr abgelegenes Gebiet war und das Rhönschaf durch seine in Deutschland einizartige Färbung auffällt, kann diese Aussage als einigermaßen glaubhaft gelten. Die ersten Abbildungen dieser Schafe zeigen einen Typ, dem es auch heute noch entspricht!E

Das Rhönschaf gilt als ein Schaf mit einem besonderes gutem Fleischgeschmack. Deshalb war es vor allem in Frankreich als Delikatesse sehr beliebt und wurde dort  “Mouton de la reine”, also als königliches Schaf bezeichnet..

Die Rasse fiel dann ab der 2. Hälfte des 19.Jahrh. wie die meisten Schafrassen den Wollimporten zum Opfer. Empfindlich traf das Rhönschaf zu dem, dass Frankreich ab 1878 eine Einfuhrbeschränkung für Schaffleisch erlies. Und schließlich brachten neue Erkenntnisse in der Landwirtschaft nun auch bessere Erträge auf den leichten Böden, so dass man “arme” Schafsböden nun unter den Pflug nahm.

Ein weiterer Tiefschlag war dann die Teilung Deutschlands und somit des damaligen Hauptzuchtgebietes Bayern, Hessen und Thüringen nach dem 2.Weltkrieg. Nach einem weiteren auf und ab in den 1960er und 1970er Jaheren konnte sich die Rasse schließlich wieder einigermaßen im Bestand fangen.

Rhönschaf – Bild Wikimedia Timo 1974

Rassebeschreibung

Das mittelgroße bis große Rhönschaf ist die einzige Schafrasse mit schwarzem Kopf und weißen Beinen. Der hornlose, leicht ramsnasige Kopf ist bis hinter die Ohren behaart, dann erst beginnt die lange, schlichte weiße Wolle.

Die weißen Beine führten in der Rhön zu einem besonders delikaten Streit um die Beine einer Comicfigur.

Rhönhilde

In den letzten Jahren wurde das Rhönschaf im Zuge des Regionalmarketings in der Rhön zu einem Sympathieträger der Region, heute liegt der Gesamtbestand im fünfstelligen Bereich. Ein skurriler Streit um das Comic-Rhönschaf Rhönhilde: Die Frage, ob die Figur mit schwarzen oder weißen Beinen gezeichnet und veröffentlicht werden dürfe, beschäftigte Rechtsanwälte, einen Landrat sowie einen Bundestagsabgeordneten. Letztendlich konnte der Streit ohne die angedrohten Unterlassungs- und Schadensersatzklagen zur Zufriedenheit aller Beteiligten beigelegt werden. Rhönhilde hatte schlicht schwarze Strümpfe an, die lassen sich ja auch ausziehen.

Rhönhilde – Bild Mainpost.de – Gezeichnet
Grafik-Designer sowie Hilde-Erfinder Alexander Ziegler

Nutzung

Rhönschaf Lämmer – Foto Wikimedia Sudorkulus

Das genügsame und widerstandsfähige Rhönschaf ist gut an das raue Mittelgebirgsklima angepasst und eignet sich besonders für die Haltung auf kargen, feuchten Weiden. Die harten Klauen sind wenig anfällig für die Moderhinke. Rhönschafe finden heute auch Verwendung in der Landschaftspflege. Die weiblichen Tiere werden mit zwölf bis 18 Monaten zur Zucht zugelassen, das Ablammergebnis liegt bei 160 Prozent. Rhönschafe erbringen eine jährliche Wollmenge zwischen drei und sechs Kilogramm, das Fleisch ist sehr wohlschmeckend und erinnert an Wild.

Wolle und Filzeigenschaften

Der Wollertrag bei Muttertieren beträgt 3-4 kg, bei Böcken 5-6 kg.
Die Wollfeinheit liegt bei 32-37µ. Es handelt sich um eine Wolle mit einheitlicher Faserstruktur und gleichmäßiger Stapellänge. Sie zeichnet sich durch eine schöne Kräuselung aus und ist im Vergleich zu anderen Wollsorten sehr voluminös.

Filzversuche

Wie immer wurden je 3g Wolle und 10g Wolle auf eine Fläche von 20x20cm ausgelegt und mit Seifenwasser genässt.

Es zeigte sich jedoch schon beim befeuchten der Wolle, dass diese so gar nicht nass werden wollte. Trotz Seife schien das Wasser von der Wolle abzuperlen.

Der Versuch die Wolle in gewohnter Weise zu verfilzen zeigte dann auch wenige Erfolg.
Auch nach intensiver Bearbeitung verfilzt die Wolle nicht wirklich. Es trat zwar so etwas wie Schrumpfung ein, es handelt sich dabei aber eher im ein verknoten und zusammenfallen. Dass es sich nicht um Filz handelt, zeigt der Zupfversuch deutlich. Die Wolle läßt sich problemlos, also zerstörungsfrei wieder auseinander ziehen. Dabei sind die Ränder etwas fester verbunden.


Foto Regine Voss
Foto Regine Voss

Die Verwirrung wurde aber perfekt, als ich mich bei anderen Filzerinnen über die Wolle informierte, war deren Fazit, dass Rhönwolle durchaus zum Filzen geeinet sei. Regine Voss bewies dies auch durch nachfolgenden Filzversuch aus einem Kardenband der Röhnschafwolle.

Der Wolle schrumpfte bei einem Faktor 2 und ergab einen zwar dehnbaren aber festen Filz.

Fazit (reine Spekulation)

So sehr mich die Rhönwolle von ihrer schönen Optik angesprochen hat, die Filzfähigkeit muss in Frage gestellt werden. Die Wolle wird zwar allgemein als mäßig filzfähig beschrieben, es scheint dafür aber auch bei reinrassigen Tieren keine Gewährt zu geben. Einige Berichte über gesponnene Wolle, die mehrfach in der Waschmaschine gewaschen wurde und nicht verfilzte, bestätigen diesen Verdacht.
In jedem Fall kann ich mit Sicherheit feststellen, dass die mir vorliegende Wolle nicht filzt. Es kann hier gemutmaßt werden, dass die vor vielen Generationen eingekreuzten Merinoschafe, die zu besserer Wollqualität führen sollten, hier noch ihre Spuren hinterlassen. Es wurde zwar allgemein wieder zur Reinrassigen Zucht übergegangen, ich würde es jetzt aber nicht ausschließen, dass in einzelnen Linien noch Veränderungen vorliegen, die die Wolle teilweise filzfähig macht.

Text Margit Röhm – Fotos Filzversuche Margit Röhm

Das Graue Rhönschaf

Foto Frieder Beyer

beim grauen Rhönschaf handelt es sich um eine geziehlte
Dreirassenkreuzung von Coburger Fuchsschafen, Rauwolligem Pommerschen Landschaf und Rhönschafen, die inzwischen 10-15 Generationen zurückliegt. Ziel war und ist ein wirtschaftliches, aber genügsames Landschaft mit textiltauglicher grauer Wolle. Die Rasse wird nicht als Herdbuchzucht betrieben, kann aber inzwischen als genetisch gefestigte Rasse bezeichnet werden. Der Körperbau ist hier dem Rhönschaf sehr ähnlich, auch beim grauen Rhönschaf ist der Kopf schwarz. Die Beine hingegen können sehr unterschiedlich gefärbt sein. Nähere Informationen zur Rasse liegen mir leider nicht vor, ich beschränke mich deshalb auf die Wollbeurteilung.

Danke für die Informationen: Frieder Beyer

Die Wolle und Filzfähigkeit

Die Wolle erscheint auf den ersten Blick ähnlich der Rhönschafwolle in gelichmäßiger Stapellänge und feiner Kräuselung. Bei genauer Betrachtung fallen einzelne feine Stichelhaare auf. Diese sind schwarz während die Wollhaare im vorliegenden Vlies gleichmäßig grau sind. Die Farbe der Grauen Rhönschafe kann von Braun über silbergrau bis fast schwarz reichen.

Auch hier wurden einmal 3g und 10g Wolle auf eine Fläche von 20x20cm ausgelegt und auf gewohnte Weise bearbeitet.

Schon beim befeuchten erweist sich die Wolle als wesentlich kooperativer. Die Fasern werden nass und legen sich flach auf die Arbeitsfläche. Die anschließende Bearbeitung zeigt dann auch den gewünschten Erfolg. Die Wolle braucht zwar einige Zeit, bis sie anfängt zu filzen, es ergibt aber einen schönen gleichmäßigen Filz. Trotzdem bleibt dieser Filz eher locker, es wird kein fester, geschlossener Filz. Es entsteht eine lebendige Oberfläche, mit teilweise gut sichtbaren Schlaufen und Wellen.

Fazit

Graue Rhönschafwolle ist meiner Meinung nach eher mit der Pommerschen Wolle zu vergleichen. Sie ist sehr angenehm in der Haptik und weist eine lebendige Farbgebung auf. Auch hier scheint die Filzfähigkeit sehr unterschiedlich zu sein, weshalb ich hier keine abschließende Wertung abgeben möchte. Die mir vorliegende Wolle ist bei größerem Zeitaufwand gut filzfähig und ergibt einen schönen Filz.

Text Margit Röhm – Fotos Filzversuche Margit Röhm