Gotlandschafe – Guteschaf und gotländisches Pelzschaf

Alles Gotland oder was???

Beim Thema Gotlandschaf entbrennen regelmäßig Diskussionen welches Schaf denn nun gemeint ist. Dabei ist es eigentlich recht einfach. Es handelt sich um zwei vollkommen unterschiedliche Rassen, die sich beide aus den gotländischen Wildrassen, den gotländischen Freiweideschafen entwickelten und vollkommen eigenständige Rassen bilden. Wir sprechen heute auf der einen Seite vom Gehörnten Gotlandschaf, das auch als Guteschaf bekannt ist und vom Gotländischen Pelzschaf mit seinen charakteristischen Löckchen.

Guteschaf Böcke – Foto Igor Heinzel – www.Guteschaf-ig.de

Oft wird angenommen, dass das Guteschaf die ältere Rasse darstellt, weil es optisch deutlich näher an den Wildrassen liegt als das Pelzschaf. Tatsächlich begannen die Zuchten beider Rassen etwa zur selben Zeit. Wer also die älteren Rechte auf den Namen Gotlandschaf hat, wird sich daraus nicht ableiten lassen. Unbestritten haben aber beide Rassen gleichermaßen eine Daseinsberechtigung und werden deshalb beide hier gleichberechtigt vorgestellt.

Gotländisches Pelzschaf Aue mit Lämmern – Foto Angelika Baumgart

 

Zuchtgeschichte:

Die Geschichte beider Rassen beginnt in den 1920er Jahren. Damals wurde mit der Zucht des heutigen Pelzschafes durch gezielte Auswahl bestimmter Eigenschaften begonnen. Gleichzeitig wurden die wild lebenden gehörnten Freiweideschafe zum heutigen Guteschaf zusammengeführt.

 

Das Guteschaf – gehörnte Gotlandschaf

Rassebeschreibung

Guteschaf – Foto Igor Heinzel – Guteschaf-ig.de

Beide Geschlechter tragen schwach gedrehte, konvergierende oder divergierende Hörner, die überwiegend kräftig gerillt sind; der jährliche Zuwachs ist gut erkennbar. Der knapp mittelgroße Körper ist von grazilem Bau. Auch bei starker Bewollung des Körpers ist das an den schlanken Beinen und dem langen, relativ schmalen Kopf mit seiner breiteren Stirn und ausgeprägten Augenbögen sichtbar. Sowohl Beine als auch Kopf sind unbewollt, ebenso die Schwanzspitze (Edberg 1996). Die Ohren sind relativ klein, insbesondere bei den Böcken.

Guteschaf Aue mit Lämmern – Foto Heter Tompen
Guteschaf Bock – Foto Heike Anders

Das Fell besteht aus Unterwolle, Deckhaar und markhaltigen Stichelhaaren, bildet also ein typisches mischwolliges Vlies, was die Tiere ziemlich widerstandsfähig gegenüber Kälte, Wind und Nässe macht. Böcke tragen eine ausgeprägte Mähne aus dunkleren, oft schwarzen drahtigen Haaren. Bei weiblichen Tiere ist der Mähnenbereich nur kräftiger bewollt. Die Farben sind für Züchter streng selektierter Rassen verwirrend. Lämmer kommen schwarz, teils mit weißen Abzeichen, schwarz-weiß gescheckt, graumeliert oder ähnlich wie Mufflonlämmer gezeichnet, oft auch mit braunen Tönen, zur Welt. Die Farben erwachsener Tiere variieren über die gesamte Grauskala, nicht selten kommt ein bräunlicher Anflug hinzu. Ganz weiße und ganz schwarze Tiere sind rar. Gewöhnlich ist die äußere Wolle heller als die unbewollten Körperpartien. Um Maul und Augen sind bei dunkleren Tieren normalerweise hell behaarte Bereiche vorhanden. Vom Lammfell bis zum Haarkleid des erwachsenen Tieres können sich die Haarfarben und auch die Zeichnung des Gesichts ändern.

 

Das Gotländische Pelzschaf

gotländisches Pelzschaf – Foto Marlene Tyssen

Rassebeschreibung

Das gotländische Pelzschaf ist ein Kurzschwanzschaf aus der Gattung nordische Schnucken. Es ist ein mittelgroßes, anspruchloses Landschaf, das sowohl in großen Herden als auch in kleinen Gruppen gehalten werden kann. Beide Geschlechter sind hornlos, mit schmale Kopf und langer, leicht geramster Nase. Der Kopf ist mit schwarzen Stichelhaaren besetzt und wie die Beine unbewollt. Die Klauen sind pigmentiert.

Das mischwollige Vlies ist langsam wachsend und stark gelockt. Die Fasern variieren dabei je nach Tier von sehr fein bis grob, Bei den Böcken läßt sich leichte Mähnenbildung erkennen. Die Lämmer kommen mit schwarzem Vlies zur Welt und färben sich bis zum zweiten Lebensmonat silbergrau. Wenige bleiben schwarz.

Herde gotländische Pelzschafe – Foto Angelika Baumgart
Foto Angelika Baumgart www.gotlandpelzschafe.de

 

Bereits diese Beschreibungen machen deutlich, dass  sich in nur 100 Jahren Zuchtgeschichte zwei vollkommen unterschiedliche Rassen herausgebildet haben. Die Betrachtung der Wolle und deren Eigenschaften wird das noch verdeutlichen.

 

Wolle:

Schon der Erste Blick zeigt, dass die Wolle sich erheblich unterscheidet. Während sich die Wolle des Pelzschafes in ihrer charakteristischen Lockung mit den typischen Lockenstapeln präsentiert, zeigt sich die Wolle des Guteschafes in, für Wildschafe typischer, Optik. Mit viel Unterwolle, wenigen Deckhaaren und deutlich erkennbaren, kurzen Stichelhaaren. Letztere werden bei den Filzversuchen noch unangenehm auffallen. Für die Filzversuche wurden von jedem Wolltyp einmal 3 g  und einmal 10 g Wolle auf eine Fläche von je 20x20cm ausgelegt.

Filzversuche Pelzschaf

Stark gelockte Wolle hat immer die unangenehme Eigenschaft, dass die Wolle sehr dichte Stapel bildet, die wir als lockige Strähnen erkennen. Soll nun diese Rohwolle zu gelichmäßigen Flächen ausgelegt werden, so müssen diese Stapel auseinandergezupft werden, was sehr zeitraubend ist. Bei der dickeren Variante habe ich deshalb zur Karde gegriffen, um die einzelnen Stapel zu lockern.

Nun ist die Pelzschafwolle bekannt für ihre hervorragende Filzeigenschaft, es muss also nicht weiter erwähnt werden, dass die Wolle schnell und einfach filzt. Was aber auffällt, vor allem nach unserer Probenserie, ist die unwahrscheinliche Schrumpfung dieser Wolle. Keine der bisher für diese Serie getestete Wolle ist derart intensiv geschrumpft.

Der Filz ist dabei recht glatt und wenig haarig.

Filzversuche Guteschaf

Ganz anders verhält sich die Wolle des Guteschafes. Die Wolle läßt sich deutlich einfacher auslegen, da kaum Stapelbildung vorliegt. Nur die Deckhaare fallen etwas zusammen, lassen sich aber leicht trennen. Sobald die Wolle genässt ist, fallen die dunklen Stichelhaare deutlich ins Auge und lassen schlimmes ahnen.

Ganz kurz sei erwähnt, dass sich ähnlich wie die Grannenhaare auch die Stichelhaare von der Wolle trennen lassen. Das ist aber ungleich schwieriger und wird deshalb nicht für die ganze Probe vorgenommen.

     

Die Filzeigenschaften erweisen sich als erstaunlich gut. Die Wolle filzt bereitwillig und schrumpft ordentlich. Unangenehm ist, wie zu erwarten war, die herausfilzenden Stichelhaare. Beim Walken bleiben sie auf der Arbeitsfläche und an den Händen hängen und machen das Arbeiten unangenehm. Auch aus dem fertigen Filz ragen die Stichelhaare heraus und geben dem fertigen Filz eine haarige Optik. Während des anschließenden Gebrauchs muss damit gerechnet werden, dass ich weitere Stichelhaare lösen und der Filz so weiter haart.

         

 

Wolle Anfangs-gewicht Anfangs-größe Endgröße Schrumpfungs faktor
gotländisches Pelzschaf 3g 20 x 20 cm 7 x 7 cm 2,85
gotländisches Pelzschaf 10g 20 x 20 cm 11,5 x 11 cm 1,8
Guteschaf 3g 20 x 20 cm 8 x 8,5 cm 2,5
Guteschaf 10g 20 x 20 cm 12 x 12 cm 1,6

Fazit:

Wenn die Guteschafe nicht so unsagbar schöne Tiere wären, dann würden mich wahrscheinlich die vielen Stichelhaare derart stören, dass ich die Finger von dieser Wolle ließe. Ich hab mich aber wie so oft in diese Rasse verliebt und werde die Wolle trotz Stolper(Stichelhaaren)steinen weiterhin verarbeiten. Die Gotlandwolle ist n atürlich ein Traum. Der Preis für die Rohwolle wird mir allerdings inzwischen zum Albtraum, weswegen die Wolle weiterhin nur selten auf meinem Tisch zu finden sein wird.

Text Margit Röhm

Filzversuche – Margit Röhm

DANKE

Wie ihr schon festgestellt habt, sind dieses Mal ausgesprochen viele schöne Bilder von Schäfchen im Bericht. Das haben wir alle ein paar sehr lieben Menschen zu verdanken, die mir Ihre Fotos zur Verfügung gestellt haben. Dafür an dieser Stelle nochmal vielen herzlichen Dank. Natürlich gilt dieser Dank auch allen Fotospendern der vergangenen Berichte. Ohne die Fotos wäre diese Serie nicht denkbar.