Bergschaf – Juraschaf

-weißes Bergschaf

-Braunes Bergschaf

-geschecktes Bergschaf

-schwarzbraunes Bergschaf (Jura- oder Elb-Schaf)

Wobei die ersten drei Rassen in Aussehen und Herkunft ähnlich sind und deshalb gemeinsam beschrieben werden können. Das Juraschaf unterscheidet sich hingegen sehr von den Bergschafrassen und wird gesondert beschrieben.

weiße Bergschafe – Foto Edith Kruse-Hinrichs

Weißes – Braunes – und Geschecktes Bergschaf

Geschichte:

Alle drei Rassen gehen auf  das Zaupel- bzw. Steinschaf sowie insbesondere auf das norditalienische Bergamaskerschaf zurück. Diese breiteten sich von der Lombardei über Oberitalien nach Kärnten und die Steiermark bis in die bayrische Alpenregion aus. Ausgehend von diesen Zuchtlinien gab es ursprünglich viele verschiedene Schläge, die in Deutschland in den 30er Jahren zusammengefasst und vereinheitlich wurden.

Seit etwa den 70er Jahren wurden wieder drei Zuchtlinien unterschieden, das Braune Bergschaf und das weiße Bergschaf verfügen seither über getrennte Herdbücher, wärend das gescheckte Bergschaf als Rasse  zwar anerkannt ist, nicht aber über ein eigenes Herdbuch verfügt.

gescheckte Bergschafe Foto Roman Starbek

Rassebeschreibung:

Das Bergschaf ist vor allem an seiner Kopfform gut von anderen Schafrassen zu unterscheiden. Es hat einen schmalen, ramsnasigen (nach außen gewölbte Stirn-Nasenlinie) Kopf, ist hornlos und trägt lange, breite, hängende Ohren. Das Bergschaf ist mittelgroß bis groß, hat kräftige Beine, mit straffen Fesseln und harten Klauen.

Es zeichnet sich durch seine Trittsicherheit auch im Gebirge aus und eignet sich deshalb auch für unzugängliche Hochlagen. Durch die harten klauen, die Wollstruktur und die gute Trittsicherheit ist das Bergschaf für niederschlagsreiche Gegenden bestens geeignet.

Alle drei Rassen sind asaisonal Brünftig so dass sie auch das gesamte Jahr ablammen und folglich auch ganzjährig Schlachtlämmer angeboten werden können. Jungböcke bringen dabei ein Gewicht von 70-90 kg auf die Waage, Altböcke bis zu 120kg. Weibliche Tiere wiegen zwischen 60 und 85 kg.

Braune Bergschafe Foto GEH Josef Grasegger
Die Wolle:

Alle Bergschafrassen werden in der Regel zweimal im Jahr geschoren. Einmalige Schur bringt eine Wolle mit 15-20 cm Länge hervor, bei zweimaliger Schur 7-9cm. Die Wolle ist schlicht bis leicht gewellt und besteht aus zwei verschiedenen Haartypen. Die Wolle ist grob und hat eine Dicke von 32-39µm. Die mir vorliegende Wolle hat allerdings wesentlich dickere Grannen, die eine Dicke von bis zu 55µm erreichen. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Wollqualität auch innerhalb der Rasse stark variiert.

Wolle weißes Bergschaf – oben gesamt unten getrennt Messschraube zur Ermittlung der Haardicke

Wie auf dem Foto sehr schön zu sehen ist, läßt sich auch Bergschafwolle mit ein wenig Aufwand trennen. Auffällig auch hier, dass wir dicke lange Haare vorliegen haben, die Grannen, die in diesem halben Jahr 16 cm gewachsen ist, während die wesentlich dünnere Unterwolle nur 8cm lange Haare hat. Wir können also davon ausgehen, dass die Unterwolle „ausgewachsen“ ist und auch in den nächsten Monaten nicht mehr länger geworden wäre. Die langen Grannen hingegen wären im Sommer weiter gewachsen, bis auch sie eine Maximallänge von ca. 20 cm erreichten. Auch Bergschafwolle neigt im Lauf des Jahres zum Verfilzen am Tier, was wesentlich zur Zweitschur beigetragen hat. So ist deutlich höherer und hochwertiger Wollertrag zu erreichen.

Wir sollten allerdings berücksichtigen, dass sich die Wollqualität nicht nur innerhalb der Schafrassen und von Schaf zu Schaf unterscheiden, an ein und dem selben Vlies finden sich unterschiedliche Qualitäten. Das Foto zeigt rechts Wolle vom Rücken und links Wolle vom Bauch des Tieres. Die Bauchwolle ist quasi frei von Grannen und deshalb nicht nur deutlich kürzer sondern auch deutlich weicher.

Wollverarbeitung

Bergschafwolle ist neben der Merinowolle die wohl häufigst angebotene Filzwolle. Wir können also getrost davon ausgehen, dass sich sich gut filzen läßt. Mir liegt hier eine Märzschur einiger Schafe vor, die zweimal im Jahr geschoren wurden. Die Wolle ist zwischen 15 und 16 cm lang und fällt in einzelnen Strähnen, das Vlies ist also nicht zusammenhängend und nicht verfilzt. Folglilch läßt sich sehr einfach eine gleichmäßige Fläche auslegen. Da mir derzeit keine braune Bergschaf-Rohwolle vorliegt, habe ich auf gewaschene gekämmte braune Bergschafwolle zurückgegriffen. Auch damit lassen sich interessante Beobachtungen machen.

Beim anfilzen zeigt sich die Wolle sehr kooperativ und es entsteht sehr schnell ein guter Vorfilz. Der Walkvorgang bedarf allerdings etwas mehr Aufwand. Bis der Filz endlich anfängt zu Schrumpfen vergeht mehr Zeit als wir es z.B. bei feineren Wollsorten kennen. Wenn sich Bergschafwolle aber mal entschieden hat zu schrumpfen, dann scheint sie nicht mehr damit aufzuhören. Der Filz wird sehr fest und schrumpft auf die Hälfte der Ursprüngsgröße zusammen. Bergschafwolle zeichnet sich aber durch eine  unangenehme Eigenheit aus, der Filz wird extrem haarig. Die hier verwendete gewaschene und gekämmte braune Bergschafwolle zeig dieses Verhalten in besonders ausgeprägter Form. Ich führe das darauf zurück, dass beim Kämmen des Vlieses einige Grannenhaare zerreißen  und deshalb mehr von den geraden abstehenden Haaren vorhanden sind.

Fell filzen:

Eigentlich brauche ich mich über das Filzen von Fellen nicht mehr en détail auszulassen. Natürlich eignet sich auch Bergschafwolle zum Filzen von Fellen. Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen darauf hinzuweisen, dass lockere Wollvliese wesentlilch kreativer zum filzen von Fellen einsetzbar sind, weil die Farben wunderbar kombiniert werden können. Anders bei bereits verfilzten Vliesstücken, die selten gut zu trennen sind und deshalb nur gleichfarbige Filzfelle hergestellt werden können.

Außerdem wird so manchem schon aufgefallen sein, dass Filzfelle weniger schrumpfen, als die in der Fläche augelegte Wolle. Diese Beobachtung ist nicht von der Hand zu weisen, allerdings sollten wir berücksichtigen, dass die Wolle ja niemals nur in der Fläche schrumpft oder sich verändert, auch die Dicke spielt beim Schrumpf eine wesentliche Rolle. So können wir beim Filzen von Fellen davon ausgehen, dass sich der Filz vor allem in der Dicke verändert und wir deshalb keine so große Schrumpfung in der Fläche feststellen können.

Das Jura- oder Elbschaf – Schwarzbraunes Bergschaf

Geschichte:

Das Juraschaf entstammt verschiedenster Schweizer Landschlägen und stammt unter anderem vom Frutigschaf ab. Die Hellere Vatiante, das so genannte Elb-Schaf geht teilweise auf das Walliser Roux de Bagnes zurück. 1941 wurden die verschiedenen Schläge unter der Bezeichnung Schwarzbraunes Bergschaf zusammengefasst. Seit 1979 ist die Rasse in der Schweiz als Herdbuchrasse anerkannt. Die Bezeichnung Juraschaf wird vor allem in Österreich verwendet, um eine Verwechslung mit dem Braunen Tiroler Bergschab zu verhindern.

Rassebeschreibung:

einige Merkmale des Juraschafes zeigen auch dem Laien deutlich, dass es sich um eine andere Rasse handelt, als das Bergschaf. Der Kopf ist hornlos mit breitem Maul und gerader Nasenlinie. Die Ohren sind nicht hängend sondern getragen (also abstehend). Das Juraschaf ist einheitlich rotbraun bewollt und hat einen unbewollten, schwarz behaarten Kopf. Die hellere Variante des Juraschafes wird Elbschaf genannt.

Auch das Juraschaf ist ganzjährig paarungsbereit und sehr fruchtbar.

Wolle

Auch in der Beschaffenheit der Wolle unterscheidet sich das Juraschaf wesentlich vom Bergschaf. Die Wolle ist gleichmäßig und ereicht nur eine Länge von ca. 5cm dabei hat es ähnlich dem Merinoschaf einheitliche Wollfasern.

Foto: Hubert Weichsler, 9753 Lind

Da mir momentan noch keine Wolle des Juraschafes vorliegt, werde ich die Filzproben