Filz und Draußen 38

mit einem wunderbaren Beitrag von Bettina Caspari beenden wir unsere Sommerherausforderung “Filz und Draußen” und ich bin sehr glücklich, dass sie uns mit ihrem Text mitnimmt, in ihre Stadt, in ihre Gedankenwelt. Einen kleinen Rückblick auch in diese letzten Monate. Aber lest selbst.

Ich arbeite im beschaulichen Wetzlar an der Lahn in Mittelhessen. Mein Büro ist in einem Gebäude direkt neben dem Wetzlarer Dom. Hier muss man/frau als Tourist*in in jedem Falle vorbeikommen während eines Trips nach Wetzlar.

Nun haben meine Kolleg*innen und ich uns jahrelang darüber amüsiert, dass die Menschen immer an derselben Stelle stehen um die Jungfrau Maria zu fotografieren; dass sie immer an derselben Stelle stehen, um an der Rose zu riechen, die am Dom gepflanzt ist. Und wir haben uns immer über Goethe – ja genau den Goethe! – aufgeregt, der in seiner Stadtführung – direkt unter meinem Fenster! – lauthals klagt „Ich hasse die Juristerei“. Er hat im Jahre 1772 am hiesigen Reichskammergericht „gearbeitet“, um seine Ausbildung zu vervollkommnen. Offensichtlich hat er davon ein dauerndes Trauma zurückbehalten, welches ihn noch heute leiden lässt. Aber ich arbeite in einem Anwaltsbüro!

Im Frühling 2020 passierte auch in Wetzlar das, was überall passierte: Lockdown, keine Besucher*innen, keine Menschen mehr auf dem Domplatz. Ich konnte nicht im Home Office arbeiten und habe daher alles das, worüber ich mich lange amüsiert oder geärgert habe, nach und nach schmerzlich vermisst.

Mein Filz im öffentlichen Raum hält die drei Standpunkte fest: den besten Standpunkt, um die Jungfrau Maria zu fotografieren; den besten Standpunkt, um an der Rose zu riechen und natürlich Goethes Standpunkt unter meinem Fenster.

Nach und nach belebt sich der Domplatz wieder. Nur Goethe war noch nicht wieder da. Ob’s ihm gut geht? Unverändert ist aber der total gelangweilte Blick von Schüler*innen, wenn sie eine Stadtführung durch Wetzlar machen (müssen). Es hat sich also zum Glück nicht alles verändert.

Herzlichen Dank allen, die mitgemacht haben, allen, die unsere Beiträge verfolgt und sich an den Bilder erfreut haben. Es war mir ein Fest. DANKE

(margit Röhm)

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