12. Dezember

Dagmar Natuschka hat die vier dabei erwischt, wie sie total interessiert auf der Ofenbank sitzen und warten. Auf was warten die Herrschaften eigentlich? Ihr denkt sicher, sie warten aufs Christkind. Tja, ihr Lieben, da müsst ihr noch genau 12 Tage warten. Ihr habt ja noch Glück, ihr sitzt auf dem warmen Ofen und habt einander. Ihr könnt einander Geschichten erzählen, euch an den Händen fassen, miteinander lachen und vielleicht sogar miteinander weinen. Warten will gelernt sein, denn es ist so wichtig heut zu Tage. Wir warten ja nicht nur aufs Christkind, wir warten auf Post, auf der Post, wir warten auf einen Anruf oder eine Antwortmail. Warten muss man oft auch auf Behördentermine und vor allem in Arztpraxen kann man das Warten hervorragend üben. (Hier denk ich manchmal es gehört zum Heilungsvorgang, – wer nicht genug gewartet hat, der kann nicht gesund werden…) Warten scheint wirklich eine Kulturtechnik zu sein, so wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Also jedenfalls wird erwartet, dass du klaglos warten kannst… Ich weiß ja nicht so recht.

Wir warten auch manchmal auf ein Lächeln, auf eine Umarmung oder ein liebes Wort. Wir warten darauf, dass uns ein lieber Mensch anruft und denken im Stillen, wenn wir demjenigen wichtig genug wären, würde er sich sicher melden. Solche Selbst-Verunsicherungen trüben uns den Blick und machen uns so müde. Es gibt wenige Gelegenheiten, bei denen wir ganz viel Einfluss auf die Zeitdauer des Wartens haben, aber in all diesen Fällen schon.

Lächle einfach und ruf an, nimm den Menschen neben Dir in den Arm und sag ein paar freundliche Worte. Du verleihst dem Augenblick Bedeutung – nicht das Warten!

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