8. Dezember

Doris Niestroys vielschichtiges Objekt hat mich geradezu auf das Thema “Vielschichtigkeit” gestoßen…

Mit vielen Schichten ist die Filzerin ja vetraut. Beim Filzen beeinflussen die Anzahl der gelegten Schichten die Dicke des Arbeitsstücks. Schichten getrennt zu halten ist eine ganz andere Herausforderung. Aber das soll eigentlich gar keine Filzabhandlung werden.

Wir selbst sind aus so vielen Schichten gebaut, zusammengesetzt. Biologisch und psychisch gibt es verschiedenste Schichten, aber auch biografisch. Jedes Buch, jeder Film, jedes Schauspiel hat mehrere Schichten und manchmal gelingt es uns hinter die äußere Schicht zu blicken. Verblüfft sind wir dann, wenn etwas von außen wundreschön scheint und von innen eher brüchig oder gar hohl ist. Und bei manch einem ist es genau umgekehrt. Manchmal hat man den Eindruck, dass es uns heute nur auf die Fassade, die Oberfläche ankommt und dann wettern wir gegen diese vermeintliche Oberflächlichkeit.

Die Wahrheit hat auch hier mehr Schichten als uns auf den ersten Blick gewahr wird. Zunächst ist Oberflächlichkeit auf keinen Fall eine Erfindung unserer Zeit. Außerdem kann das “nicht tiefer gehen zu wollen” auch ein Schutz sein. Wenn ich die Tiefen nicht sehe, dann bleibt mein Ideal erhalten und das ist an manchen Tagen so wichtig.

Doch auch das gehört zur Wahrheit der vielen Schichten. Wer kreativ sein will sollte von Innen kommen und nach innen schauen wollen. Auch das Graue, das Erschreckende oder Brutale kann nie ganz aus dem Leben und seinen Schichten verbannt werden. Als Inspiration für Buntes, Befruchtendes oder Sanftes ein wertfreier Blick so notwendig. Wegsehen hat noch nie geholfen.

Ich wünsche euch einen Baumkuchen mit vielen Schichten, ein vielschichtiges Gedicht und einen Menschen, dessen Schichten euch immer wieder überraschen!

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