1. Dezember

So frisch und neu ist der Advent noch. Noch keinen ganzen Tag ist er alt, also der Advent von diesem Jahr. Eigentlich ist der Advent ja schon über 2000 Jahre alt. Ich bin sicher, dass er schon eine ganze Menge mit gemacht hat. In all den Jahrhunderten gab es sicherlich ganz friedliche, wirklich grauenvolle, sehr herausfordernde, eher entbehrungsreiche und ab und zu ganz wundervolle Adventszeiten. Zu allen Zeit aber haben Menschen diese Wochen vor der Weihnacht gebraucht. Gebraucht um sich einzustimmen, um sich vorzubereiten, um zu fasten oder um die Hoffnung nicht zu verlieren.

Ich hatte ein wenig Sorge vor diesem Advent. Sorge um die Stimmung in mir selbst, Sorge um die Stimmung bei all den Leserinnen und Lesern dieses Adventskalenders. Kann man in solch einem Jahr den Erwartungen überhaupt gerecht werden? Beantworten kann ich die Frage nicht wirklich. Mir bleibt nur die Hoffnung, dass es uns gemeinsam gelingt, genau hinzuschauen auf das was ist und nicht “nur” zu sehen, was alles nicht ist. Mich hat dieses Jahr – die Zeit vor dem Advent – mutiger gemacht und jünger. Lacht nicht. Neue Wege zu gehen, sich mit Zukunftsfragen anders auseinander zu setzen als bisher, das hat dieses Jahr – die Zeit vor dem Advent – mit vielen von uns gemacht, nicht nur mit mir. Wir haben Schritte gewagt, die immer Sicheren nicht gegangen worden wären. Und ich hab Technik gelernt – wenn das kein Fortschritt ist!

Uns allen hat das Jahr in der einen oder anderen Form zugesetzt und der sonst so angefüllte Advent wird in diesem Jahr eher leer sein. Weniger Weihnachtsfeiern, kaum Adventskaffee im Freundeskreis, kein Krippenspiel mit Publikum, kein Nussknacker in der Oper… Vielleicht aber ist das alles im Außen – denn wenn wir nicht acht geben, dann lassen wir uns die Realität leer reden. Was bedeutet dieses Jahr für uns, in uns? Welche Fülle verrät uns diese Zeit aus uns selbst heraus? Dieser Advent kann, trotz allen Beschränkungen und Regeln, trotz all der Bevormundungen und Ratschläge, unsere ganz persönliche Rückzugszeit sein. Selbst Langeweile kann heilsamer sein als lautes “Außen”.

Jedenfalls freue ich mich auf die Zeit mit den Bildern besonderer Filzarbeiten, auf die Schreibzeit und eure Begleitung!

Die zauberhafte kleine Filzarbeit für heute stammt aus den Händen von Delia Grimm! Hab Dank dafür!

Bis Morgen dann!

2 Gedanken zu „1. Dezember“

  1. Dass der Advent dieses Jahr nicht “von außen gefüllt wird”, eröffnet die Chance, ihn selbst zu füllen und auch mit Dingen, die sonst vor wichtigeren Aufgaben keine Chance haben. Zum Beispiel “Weihnachtskonzert spielen” versus “Kekse backen” – dieses Jahr gewinnen die Kekse! Jedes Schlechte hat sein Gutes, selbst wenn die Relationen manchmal auf den ersten Blick nicht stimmen.

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    • Das ist ein sehr schöner Beginn für den Advent und ein schönes Bild dazu. Dieses kleine Kindchen ist wohlbehütet in seinem Nest. Wir bleiben in unserem eigenen Nest und sind dort hoffentlich auch wohlbehütet und können dankbar dafür sein. Es geht ja nicht allen so im Advent, an Weihnachten oder unter dem Jahr… Es schmerzt natürlich auf keinen gemütlichen Weihnachtsmarkt gehen zu können, Freunde und Verwandte zu treffen z.b. zum Adventskaffee…aber wie schon oben erwähnt, können wir den Advent anders, ruhiger und innerlicher begehen. So findet vielleicht eine stille Überprüfung von alten Gewohnheiten statt und diese werden dann durch sinnvollere Ereignisse ersetzt. In diesem Sinne wünsche ich allen einen frohen Advent. Bleibt gesund, kreativ, heiter und in eurem hoffentlich warmen Nest 😉

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