noch 11 Tage

Frühling – eine Projektarbeit von Carola Heuser

Noch 11 Tage! Eine kurze Distanz bis zum Osterfest…

Helle, lichte Farben – gerahmt und in gebührender Distanz zueinander, so dass jede einzelne ungestört ihre Wirkung entfalten kann. Ich denke in den letzten Tagen oft über das Wort Distanz nach.

Abstand, Messgröße, Zeitraum oder gar seelische Zustandsbeschreibung? Es gibt Distanzscheiben, damit etwas passgenau zusammengesetzt werden kann. Mit Distanz zu spielen kann ein künstlerisches Stilmittel sein, als Autofahrer sollte man immer Distanz halten zum Vordermann sonst könnte der Bremsweg nicht ausreichen. Brücken überwinden Distanzen. Bei Gesprächen vis a vis empfinden wir eine Armlänge Abstand angenehmer als Distanzlosigkeit. Einem Menschen “auf die Pelle zu rücken” schafft in der Regel innere Distanz und man versucht auszuweichen. Distanzlosigkeit, körperliche wie verbale, weckt Abwehrgefühle bis hin zur Aggression. Jeder von uns hat seine eigene Distanzlinie und die Erlaubnis diese zu überschreiten zu dürfen ist ein großer Vertrauensbeweis. Distanz und ihr Gegenteil, die Nähe, sind irgendwie allgegenwärtig. Nähe kann beruhigen oder verwirren, Fragen aufwerfen…

Na gut! Nun wird Distanz gerade zum Zauberwort, zur Aufforderung und zum Rettungsanker in ungewissen Zeiten. Mir geht das Bild eines Seiltänzers nicht aus dem Kopf. Vor vielen Jahren haben wir mal an einer Veranstaltung teilgenommen, in deren Verlauf wir auf einem sehr schmalen Brett balancieren sollten. Zunächst lag das Brett auf dem Boden und die Distanz zu überwinden war ganz einfach. Niemand verlor das Gleichgewicht oder hatte Angst von einem Ende zum anderen zu schreiten. Merkwürdigerweise wurde die Unsicherheit geradezu sichtbar größer je höher das Brett gelegt wurde. Vielleicht ist es wirklich eine Frage unserer Vorstellungen, wie hoch wir das Risiko einschätzen, Distanzen zu überwinden. Wenn die vorgegebene Höhe uns zu groß erscheint, trauen wir uns die Wegstrecke nicht mehr zu.

Gerade jetzt, wo räumliche Distanz so wichtig zu sein scheint, wünschte ich mir mehr Fantasie in der Überwindung von von seelischer und psychischer Distanz.

Distanz ist ein gutes Stilmittel und in vielen Bereichen wirklich wichtig, aber von Mensch zu Mensch ist sie ungeheuer anstrengend. Vielleicht brauchen wir alle eine Balancierstange oder ein rosa Schirmchen, um die Distanzen zu überwinden und zu überstehen. Und wenn ihr jemanden habt, der nicht Distanz halten muss, dann nehmt ihn mal stellvertretend für die vielen, die gerade auf dem Seil Halt suchen, in den Arm!

Schlaft gut!

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