November 2017 – Ostpreußische Skudde

Die Ostpreußische Skudde – Schaf des Jahres 2017

 Geschichte:

 Die Ostpreußische Skudde gehört zu den ältesten Hausschafrassen Europas und war vor allen in Ostpreußen und den baltischen Ländern angesiedelt. Sie zählt als kleinste deutsche Landschafrasse zu den nordischen kurzschwänzigen Heideschafen, diesen Schafstyp gibt es schon seit mindestens 3000 Jahren.

Bunte Skudden Foto Kirstin Piert

 

Nach dem ersten Weltkrieg verringerte sich der Bestand der Skudden zügig. Da sie zum „veredeln“(einkreuzen) nicht interessant waren, hielten sie der raschen landwirtschaftlichen Entwicklung nicht stand. Leider überlebten noch weniger Tiere den zweiten Weltkrieg. Aufgrund dessen gehört diese Rasse zu den von Aussterben bedrohten Nutztierrassen.

Der heutige deutsche Bestand geht im Wesentlichen auf wenige Tiere zurück, die 1941 vom Münchner Zoo gekauft worden waren. Ursprünglich gedacht zum Verfüttern an Tiger, aber einige Tiere wurden für die Zucht zurückgehalten. Und von dort aus fanden die Skudden ihren Weg in andere Tiergärten und später dann auch zu Einzelzüchter. Durch die wichtige Arbeit von Zoos, Tiergärten und inzwischen hauptsächlich Hobbyzüchtern bekommen Rassenbestände bedrohter Nutztiere, wie die der Skudde, die Möglichkeit sich wieder zu erholen.

 

Rassemerkmale:

Foto Kirstin Piert

Die Skudde ist ein sehr robustes, widerstandsfähiges und ursprüngliches Landschaf. Sie können das gesamte Jahr lang im Freien gehalten werden, sind standorttreu und kommen sehr gut auf mageren Weiden zurecht. Daher werden sie oft als Anfängerschaf empfohlen. Allerdings sind Skudden von Natur aus eher scheu, sehr lebhaft und ungeheuer aufmerksam. Berührungen weichen Skudden am liebsten aus und betrachten Ungewöhnliches aus sicherem Abstand. Sie haben ein ausgeprägtes soziales Wesen und fühlen sich erst ab einer Herdengröße von 8-10 Tieren wohl und sind ruhiger.

Die weiblichen Tiere (Aue oder Zibbe genannt) erreichen eine Widerristhöhe von maximal 50cm und ein Lebendgewicht von ca. 25-40kg. Die Böcke werden bis zu 60cm groß und 35-50kg schwer. Die Böcke haben meist ein beeindruckendes Schneckenförmiges Gehörn und eine regelrechte Mähne, wohingegen die Auen selten nur kleine Hörner haben, meist aber hornlos sind.

In den meisten Zuchtvereinen sind inzwischen 4 Farbschläge anerkannt: Weiß, Braun, Schwarz und seit kurzem auch Graue Tiere. Bei Hobbyhaltern werden aber auch bunte und gescheckte Skudden immer beliebter und auch die Nachfrage nach der Wolle ist stark gestiegen.

Skuddenlamm Foto Yasmin Gross

Die Wolle:

Farbschläge Foto Kirstin Piert

 Auch an der Wolle erkennt man, dass die Rasse sehr ursprünglich ist. Die Wolle der Skudden ist mischwollig, sie setzt sich also aus kurzen Stichelhaaren, feinen Wollhaaren und langen Grannenhaaren zusammen. Die Unterwolle der Skudden allein genommen ist sehr fein und weich, allerdings wird die Wolle in der Industrie nicht getrennt und vor allen die kurzen, borstigen Stichelhaare machen die Gesamtheit der Skuddenwolle nicht sonderlich beliebt. 

Einige Züchter achten inzwischen bei ihrer Zucht vermehrt auf weniger Stichelhaare im Wollvlies.

 Altböcke erreichen ein Vliesgewicht von 2-2,5kg Wolle und Mutterschafe ein Vliesgewicht von 1-2kg Wolle.

Text: Yasmin Groß

 

Erscheinungsbild Rohwolle Foto Margit Röhm

Filzbarkeit

Wie schon eingangs erwähnt, handelt es sich bei der Skuddenwolle um Mischwolle. Diese stellt an die Verarbeitung besondere Ansprüche. In den nebenstehenden Fotos sind die  unterschiedlichen Fasern gut zu erkennen. Dabei ist auffällig, dass sich die Woll- und Grannenhaare in ihrer Länge nicht so deutlich unterscheiden, dass sich die Wolle trennen ließe. Es sei an dieser Stelle festgestellt, dass Grannenhaare sowie Stichelhaare dafür bekannt sind, dass sie nicht filzen. Ungeachtet dieser Tatsache, werde ich die Filzversuche trotzdem durchführen.

Flächenfilz:

Es zeigt sich schon beim Auslegen der Rohwolle, dass es beliebig schwer ist, diese unterschiedlichen Haarlängen und Strukturen in eine ordentliche Fläche auszulegen. Es ist folglich auch schwer möglich, die vorgegebenen Maße 10x10cm einzuhalten. Ein standarisiertes Vorgehen bleibe ich diesem Projekt also vorläufig weiter schuldig.  Angepasst an die vorliegende Haarlänge von ca. 22cm,  wird jetzt eine Fläche von ca. 4dm² (also 20x20cm) ausgelegt, mit drei dünnen Schichten auseinandergezupfter Rohwolle.

Versuch Flächenfilz 1: Ausgelegte Fläche – 2: genässte Wolle – 3. fertiger Filz

Schon beim Nässen der Wolle zeigt sich, dass sich die Grannenhaare wieder zusammenlegen und Strähnen bilden. Anschließendes vorsichtiges Reiben verstärkt diesen Effekt noch und führt zu deutlichen Strähnen im Filz. Es empfiehlt sich also, von reibenden Arbeitsschritten gänzlich abzusehen und den Filz ausschließlich zu rollen. Schon nach wenigen Minuten schrumpft die Fläche deutlich und verfestigt sich zusehens. Das gilt aber sichtlich nicht für alle Fasern. Es kann der gleiche Effekt beobachtet werden, wie beim Einfilzen nicht filzender Pflanzenfasern. Die Grannenhaare werden von den Wollhaaren zwar festgehalten und filzen so mit, es entsteht aber durch die vielen Störfasern kein fester Filz. Die eher lose im Filz festgehaltenen Grannen, könnten problemlos ausgezupft werden. Die Stichelhaare sind auf den ersten Blick nicht auszumachen, stehen aber bei genauer Betrachtung oft deutlich aus dem Filz hervor, was die Haptik des Filzes sehr negativ beeinflusst.

Fell-filz

Schnittfläche des Rohwollvlieses

In der Schnittfläche der Skuddenrohwolle ist noch einmal deutlich die Fasermischung zu erkennen. Wird diese auf eine gut filzende  Unterlage aufgebracht, verfilzt die Skuddenwolle sehr schnell zu einem schönen Filzfell.
Auffallend ist, dass ich auch hier sehr schnell Strähnen bilden, es scheint fast, als verfilzten die langen Locken miteinander.
Dieser Schein trügt aber.

Rohwolle auf Bergschafwolle aufgesetzt

Beim Auswaschen und vor allem beim anschließenden Schütteln des Probestückes zeigt sich die Qualität von Grannenhaaren. Sie verfilzen nicht nur nicht, sie sorgen auch dafür, dass die verbleibenden Haare nicht zu Stapeln zusammenfallen. Das Fell wird ganz ohne Kamm und Zupfen locker und wunderbar weich. Die leichten Locken der Grannen, bilden eine wunderbare Optik, die im Zusammenspiel mit der Farbvielfalt der Haare ein sehr effektvolles Fell ergeben.

 

Fertiges Filzfell Probestück

 

Schlussbilanz: (Kommentar)

Skuddenwolle als Filzwolle zu verwenden ist nur mäßig erfolgreich. Die Mischwolle ergibt niemals einen homogenen, festen Filz und macht zudem viel Arbeit. Wer aus der Wolle aber Felle filzen möchte oder sie als Effektwolle einsetzt, wird sie sehr schnell lieben lernen. Kaum eine andere Wolle hat solch eine Farbvielfalt. Dabei sind nicht nur die einzelnen Schafe sehr unterschiedlich im Farbschlag, auch die einzelnen Haare eines Vlieses zeigen sich sehr fassettenreich. Ein Filzfell aus Skuddenwolle ist auf eine sehr natürliche Art meliert und gehört deshalb zu den beliebtesten Fellen überhaupt.

Text Margit Röhm

Filzfell graue Skudde Foto: Margit Röhm

 

5 Gedanken zu “November 2017 – Ostpreußische Skudde

  1. Super, dass nun monatlich eine Schafrasse „portraitiert“ wird. so fachlich kompetent und gleichzeitig mit Hinweis auf persönliches Arbeiten mit der Wolle.

  2. Super. Vielen Dank für diesen tollen Bericht und eure Mühe .
    ————-
    Ganz kurze Frage noch zum Schaf des Monats November.
    Wir hatten da noch erweiternde Infos als Kommentar hinterlassen und können das nun nir­gend­wo wiederfinden. Wurde das nicht veröffentlicht, oder was ist damit geschehen?
    Liebe Grüße Barbara + Michael Müller / FilzWerk.

    • Liebe Barbara, Deinen Kommentar habe ich veröffentlicht und war Dir für Deine Informationen auch sehr dankbar. Bei der Kommentarfunktionist es lieder so, dass er nur an der ursprünglichen Stelle erhalten bleibt. Das wusste ich leider auch nicht. Als wir den Artikel verschobenhaben, ist der Kommentar nicht mitgewandert. Ich werde eine Lösung finden.

  3. Danke, liebe Margit, für den tollen Artikel und die viele Mühe, die du dir machst! Ich lese jeden Monat mit und freue mich schon auf die nächsten Schafrassen.

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